«Café Taschkent» in Berlin: Kreuzkümmeldüfte an der B96a

March 20, 2009

Eine Restaurantkritik von Michael Angermann

Cafe Taschkent Aussen, Foto: Michael Angermann
Cafe Taschkent Menue, Foto: Michael Angermann


  Am nördlichen Ende von Pankow, noch hinter dem Schlosspark Niederschönhausen, der mongolischen Botschaft und einem Thailändisch-Chinesisch-Mongolischen-Sushi-Restaurant, verbirgt sich seit November 2008 das «Café Taschkent». Das Lokal schmeichelt dem Besucher weniger mit seiner Kaffee- und Kuchenvielfalt, als mit einem kulinarischen Kurzausflug nach Zentralasien am Rande der Hauptstadt.

Die Speisekarte lässt tiefe Einblicke in die Kochtöpfe der Region zu, sei es die Nuddelsuppe Lagman, die Fleischsuppe Schurpa, die Reispfanne Plow, die gedämpften Teigtaschen Manti oder die gebackene Version Samsa. Jeder Liebhaber zentralasiatischer Küche wird fündig. Gleichwohl überrascht beim Lesen des Menüs der Schweinefleischeinsatz z.B. bei Lagman und Manti, was im islamisch geprägten Zentralasien undenkbar wäre und auch unter in Berlin lebenden Zentralasiaten etwas argwöhnisch betrachtet wird. Rustam Khojamkulov, der Schwiegersohn des Eigentümers Abdulla Rajabov, ist sich der Bedeutsamkeit dieser Entscheidung bewusst, trotzdem hatte sich der Familienbetrieb dazu entschlossen, um mehr deutsche Gäste anzuziehen. Inzwischen überdenkt die Familie gerade diese Entscheidung, um keine zentralasiatischen Gäste abzuschrecken, die sicherlich mit großer Freude das derzeit einzige usbekische Spezialitätenrestaurant der Stadt aufsuchen würden.

Wandmalerei I, Foto: Michael Angermann
Wandmalerei II, Foto: Michael Angermann


Die Familie kam vor drei Jahren nach Deutschland und anstatt daheim zu sitzen und auf den Staat zu warten, entschlossen sie sich, den Sprung in die Selbständigkeit zu wagen. Die Lage am Rand von Pankow mag überraschen, doch dort stimmte das Verhältnis zwischen Investitionen und Fixkosten, berichtet Rustam und legt dabei lebenslustige usbekische Musik auf.

Rustam Schwiegermutter, Foto: Michael Angermann


Er fügt noch hinzu, seine Frau hat einige der Wandbilder mit zentralasiatischen Motiven sogar selbst gemalt. Dann kommt auch schon der grüne Tee und kurz darauf werden Salat «Taschkent», Pelmeni und Plow aufgetragen, die trotz der Entfernung zur kulinarischen Heimat auf ganzer Linie geschmacklich überzeugen. Einzig der Lagman schmeckt durch den Einsatz von Spaghetti statt selbstausgerollter Nudeln und Schweinefleisch etwas fad.

Salat Taschkent, Foto: Michael Angermann
Plow, Foto: Michael Angermann


Das «Café Taschkent» überzeugt durch sein wirklich farbenfrohes, für die Region typisches Ambiente, die nette Betreiberfamilie, die moderaten Preise (Salate € 2,50-3,00; Suppen € 2,80-3,80; Hauptgerichte € 2,80-5,20) und die überwiegend gelungenen regionalen Köstlichkeiten. Das Lokal befindet sich in der Dietzgenstrasse 83 in Berlin-Pankow, hat von Di-So 11:00-23:00 Uhr geöffnet und bietet unter Tel. 030-47487428 ebenfalls einen Lieferservice an.

Lagman, Foto: Michael Angermann


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Comments

2 Responses to “«Café Taschkent» in Berlin: Kreuzkümmeldüfte an der B96a”

  1. Readers Edition » “Café Taschkent” in Berlin: Kreuzkümmeldüfte an der B96a on March 22nd, 2009 4:03 am

    […] Beitrag erschien zuerst auf tethys.caoss.org, einem inhaltlichen Partner der Readers […]

  2. Andrej on November 17th, 2009 12:03 am

    З

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