Duschanbe plant Riesenmoschee
October 19, 2009 | 1 Comment
Wie ferghana.ru kürzlich vermeldete plant Emomali Rahmon(ov) mit Mitteln des Emirs von Qatar in der Hauptstadt Tadschikistans den Bau einer gigantischen Moschee. Sage und schreibe 150.000 Gläubige sollen in der nach dem Grundriss der Republik zu errichtenden Anlage Platz finden. Das Hauptgebäude ist für 60.000 Betende ausgelegt. Auch eine islamische Hoschschule, eine Bibliothek und ein Museum sollen auf dem 7,5 ha großen Gelände im Stadtzentrum errichtet werden. Dieses Gebetshaus wäre damit bei weitem das größte seiner Art in ganz Zentralasien.
Abgesehen von aller Gigantomanie ist die Tatsache pikant, dass gleichzeitig alle nicht registrierten Moscheen in Duschanbe und in Tadschikistan von den Staatsbehörden geschlossen werden. Insgesamt nimmt seit einiger Zeit die antireligöse Politik in Tadschikistan eher zu als ab. Besonders sogenannte “Fundamentalisten” sind der Regierung Rahmon(ov) ein Dorn im Auge. Dumm nur, dass bei der immer weiter steigenden Armut und Perspektivlosigkeit im Land immer mehr und besonders die jungen Generationen für genau diese Strömungen des Islam empfänglich werden.
Ob da eine Megamoschee im Stile eines Sowjetischen Prestigeprojekts Abhilfe schaffen kann bleibt zu bezweifeln. Vorsichtshalber hat die Tadschikische Regierung schon mal beschlossen, Lehrern das Tragen von Bärten länger als drei Zentimeter erst ab 50 zu gestatten. An die Lösung der tatsächlichen Probleme im Land denkt man weiterhin etwas weniger gern. Diese sind mit symbolischen Handlungen auch nicht in den Griff zu bekommen.
Der Aralsee. Gestern-Heute-Morgen.
October 9, 2009 | 3 Comments
Ein Beitrag von Jusup Kamalov
Für uns, die Menschen, die am Aralsee im Zentrum einer ökologischen Katastrophe wohnen, scheint es immer so, als ob die ganze Welt das Aralseeproblem kenne und darüber schon alles gesagt sei. Leider ist es aber so, dass die Menschen außerhalb der ehemaligen UdSSR oder des Ostblocks wenig bis gar nichts vom Aralsee wissen – und auch in den Ländern Zentralasiens ist dies mittlerweile der Fall. Deshalb werde ich einiges über das Problem berichten, so als würde ich mich an einen ahnungslosen Leser wenden.
Der Aralsee liegt in Kasachstan und Usbekistan und war einer der größten Binnenseen der Welt. Dieser See und die beiden Flüsse, aus denen sich dieser Endsee speist (der Amu- und der Syrdarja) waren von hochrangiger Bedeutung für das Ökosystem und die Wirtschaft der gesamten Region Zentralasien. Heute ist davon kaum etwas übrig geblieben. Der Wasserspiegel des Aralsees ist um 20 Meter gesunken. Das Wasser hat sich dadurch 100 km von der ehemaligen Küstenlinie zurückgezogen. Die eigentliche Größe des Aralsees umfasste 65.000 Quadratkilometer. Bis in die 1960er Jahre des 20. Jahhunderts war der See somit so groß wie die Fläche der Niederlande und Belgien zusammengenommen. In den letzten 50 Jahren jedoch ist der See um ca. 70 % geschrumpft, und das Wasser geht weiter zurück. Der Salzgehalt des Seewassers hat 60 Gramm pro Liter erreicht. Die kleine Insel Vozrozhdenie („Wiederauferstehung“) in der Mitte des Aralsees ist zur Halbinsel geworden, eine gefährliche Angelegenheit, da hier zu Sowjetzeiten ein Testgebiet für biologische Waffen existierte. Read more
Einer weniger auf der Liste - zum Tod von Mirzo Ziyoyev
October 8, 2009 | 3 Comments
Mit etwas Verspätung wollen wir heute auf einen Vorfall in Tadschikistan hinweisen, der die Machtbasis der Familie Rahmon(ov) weiter festigt und den Personenkreis möglicher politischer Widersacher weiter ausdünnt. Ferghana.ru berichtete am 14.07.2009 darüber -hier ist eine etwas erweiterte Zusammenfassung dieser Meldung.
Im Juli diesen Jahres kam auf bisher ungeklärte Weise der aus Tavildara stammende ehemalige Minister für Katastrophenschutz Mirzo Ziyoyev ums Leben. Die Aussagen der Regierung und von oppositioneller Seite stehen sich dabei diametral entgegen. Die Regierungsseite vermeldete, dass Ziyoyev, der 2006 vom tadschikische Präsidenten seines Ministeramtes enthoben wurde und seither in seiner Heimatregion als Unternehmer im Agrarsektor aktiv war, von oppositionellen Kräften erschossen wurde, die sich in ihren Bemühungen in der Region Tavildara die Macht zu übernehmen, von ihm verraten fühlten. Hingegen ist aus den Oppositionskreisen zu vernehmen, dass Ziyoyev von Staatsseite als Vermittler zwischen Regierung und gerufen Opposition gerufen wurde und daraufhin von Regierungsseite erschossen wurde.
Wie sich die Ermordung des noch immer einflussreichen Politikers tatsächlich vollzogen hat, wird wohl nicht so schnell (oder überhaupt nicht) zu klären sein. Soviel ist aber klar. Mit der Figur Ziyoyev verschwindet einer der letzten Widersacher und Machtgaranten Rahmonovs aus den Tagen des Bürgerkriegs von der politischen Bildfläche Tadschikistans. Widersacher und Machtgarant? Das ist in der Politik Tadschikistans keineswegs ein Widerspruch.
Mirzo Ziyoyev kämpfte mit seinen Männern bis zum Friedensvertrag von 1997 auf Seiten der Vereinigten Tadschikischen Opposition (VTO) gegen die von Emomali Rahmonov vertretene “Kulobi” Fraktion, die im Dezember 1992 in Duschanbe die Macht übernahmen. Bereits kurze Zeit später, Ende März 1993, wurden die beiden mächtigsten Figuren der Volksfront Tadschikistan, einer Vereinigung von Milizen und Akteuren aus den Regionen Hisor und Kulob, Sangak Safarov und Faizullah Saidov bei einem Treffen der militärisch/politischen Führungsspitze erschossen. Auch hier ist bis heute unklar, wer für die Tat verantwortlich war. Gerüchte gibt es viele. Eines davon bringt den erst kurz zuvor von Safarov und Saidov (und einigen anderen) an die politische Spitze gehobenen Emomali Sharipovitsch Rahmonov mit der Doppeltat in Verbindung. Dieser, so heißt es, begann bereits damals, Konflikte innerhalb der Volksfront sehr geschickt auszunutzen um seine Machtposition innerhalb der eigenen Reihen abzusichern und auszubauen.
Mirzo Ziyoyev ist nun einer der letzten Verbündeten aus alten Tagen, der aus dem Machtkreis ausgeschieden ist. 1998, nach dem Friedensvertrag zwischen der Regierung und der Opposition (unter Federführung von Emomali Rahmonov und dem 2005 verstorbenen Oppositionsführer Said Abdullah Nuri) war er es, der mit seinen Kämpfern den Umsturzversuch von Mahmud Khudoiberdiev, einem ehemaligen Verbündeten Rahmonovs in Nordtadschikistan niederschlug. Etwa 1000 Kämpfer unter Leitung Khudoiberdievs versuchten im November 1998 in einem Putschversuch von Uzbekistan aus Khujand einzunehmen. Khudoiberdiev, der sich in den Bürgerkriegsjahren als Verteidiger der Rechte der Uzbeken in Tadschikistan verstand, hatte sich aus Protest gegen die im Friedensvertrag von 1997 vorgesehene Regierungsbeteiligung der VTO von Präsident Rahmonov abgewandt und war mit seinen Anhängern und Kämpfern nach Uzbekistan abgewandert. Nach dem, gemeinsam mit Regierungstruppen unter Führung von Ghaffor Mirzoev und Suhrob Qosimov erkämpften Scheitern des Putschversuchs durch Khudoiberdiev (der sich seither Gerüchten zufolge wieder in Uzbekistan aufhält oder nach anderslautenden Meinungen bei den Kämpfen ums Leben gekommen ist) bekam Mirzo Ziyoyev ein eigenes Ministerium zugesprochen. De facto war das im Zentrum Duschanbes gelegene Ministerium für Katastrophenschutz eine schnelle Eingreiftruppe, die großteils aus alten Bürgerkriegskämpfern bestand, die unter dem direkten Befehl ihres alten Kommandeurs, dem neuen Minister, standen. Eine schlagkräftige Einheit und Machtbasis der Regierung Rahmonov, die neben und unabhängig von der tadschikischen Armee existierte.
Seit einigen Jahren nun entledigt sich der tadschikische Präsident Schritt für Schritt all der politischen Figuren, die ihm in seinem Machterhalt gefährlich werden könnten. Ehemaliger Mitstreiter und Helfer auf dem weg nach oben zählen ebenso dazu wie alte Widersacher der Opposition. Eine “Schwarzliste” des Präsidenten findet sich ebenfalls im oben verlinkten Beitrag der Ferghana.ru:
Yakub Salimov, former Internal Affairs Minister and ex-Ambassador in Turkey, sentenced to 15 years of imprisonment (in 2005).
Gaffor Mirzoev, former Chief of Presidential Guard and the Director of the agency for the control of drug trafficking, sentenced to life imprisonment (in 2004).
Mahmadruzi Iskandarov, the leader of Democratic Party, former Oil and Gas Minister, sentenced to 23 years of imprisonment (kurz vor der Präsidentschaftswahl 2006).
Mahmadnazar Salihov, former Prosecutor General, former Internal Affairs Minister and Head of President’s office. According to official statement, he shot himself at the arrest (in June 2009).
Abdujalil Hamidov, former Head of Sogd Oblast, sentenced to 15 years of imprisonment (in 2000).
Suhrob Langariev, the brother of the National frontline leader Langari Langariev, sentenced to 18 years (in 2008).
Safarali Kenjaev, former Chairman of Supreme Council, the founder of National frontline, murdered (30 März 1999).
Habib Sanginov, former Deputy Internal Affairs Minister, murdered (11 April 2001).



