Eine Reise in die Tadschikische SSR der frühen 1930er Jahre - Joshua Kunitz: “Dawn over Samarkand”
January 25, 2010 | 1 Comment
ein Beitrag von Thomas Loy
Beim Stöbern in der Zentralasien-Bibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin fiel mir kürzlich ein in gelblich-braunes Leinen gebundenes Buch mit dem markanten und in auffälligem rot abgesetzten Titel “Dawn over Samarkand” auf. Sein Autor ein gewisser Joshua Kunitz. Als ich das Buch öffnete verriet ein Stempel im Inneren, dass es aus der Privatsammlung des bekannten Iranisten Heinrich F. J. Junker (1889-1970) stammt. Dieser hatte darin zahlreiche Stellen feinsäuberlich mit verschiedenfarbigen Buntstiften markiert. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass in dem Werk mehr stecken könnte als “nur” ein Leckerbissen für bibliophile Liebhaber frühsowjetischer Reiseliteratur?
Les kolkhozes d’Allah — Die Kolchosen Allahs
January 18, 2010 | Leave a Comment
Konferenzankündigung: Die Wiederbelebung des Islam in der ländlichen UdSSR, 1950-2010: Interregionale Vergleiche.
Internationale Konferenz des MI-Projekts, 22. January 2010
Institut für das Studium des Islam und den muslimischen Gesellschaften in der Welt
96, boulevard Raspail - F-75006 Paris - Zimmer & Maurice Denys Lombard
NB - Konferenz in Französisch und Russisch mit Simultanübersetzung
Programm
09.00 Uhr: Begrüßung durch Frau Nathalie Clayer, Forschungsdirektor am CNRS, Leiter des Zentrums für Türkeistudien, osmanische, auf dem Balkan und Zentralasien (CETOBAC: CNRS / EHESS / College de France)
9.10 Uhr: Rede von Herrn Henry Zipper de Fabiani, Botschafter von Frankreich in Tadschikistan
09h20: Eröffnung der Sitzung durch Herrn Stephan MERL, Professor an der Universität Bielefeld, Projekt-Berater
Session 1
09.30 Uhr: Vorstellung des Projekts von Stéphane A. DUDOIGNON (CNRS / CETOBAC, Paris) und Christian Noack (National University of Ireland Maynooth), Projektleiter
10.00: Erste Ergebnisse der Arbeit vor Ort in Usbekistan und Kasachstan (Bakhtyar Babadjanov Institut Biruni, Taschkent Rinat SHIGABDINOV, Institut für Geschichte, Taschkent Ashirbek Muminov, Institut für Orientalistik, Almaty)
11:15 Uhr: Kaffeepause
Session 2
11:30 Uhr: Diskussion
12.00: Erste Ergebnisse der Feldforschung in der Wolga-Ural (Marsil FARKHSHATOV, Research Center der Ufa, Ilnur MINNULLIN, Marjani Institut für Geschichte, Kazan Christian Noack, National University of Ireland Maynooth)
12.45: Diskussion
13.15: Mittagessen (kostenlos)
Session 3
14.30 Uhr: Erste Ergebnisse der Feldforschung in Tadschikistan (Sergei Abashin, Institut für Ethnologie, Moskau, Stéphane A. DUDOIGNON, CNRS / CETOBAC, Paris; Abdullo Hakim, Center for Strategic Studies, Douchanbeh; Faridun HODI-Zoda, Zentrum für Religion & Dialog Douchanbeh; Parviz MULLOJANOV, Zentrum für die Entwicklung von Tadschikistan, Douchanbeh; Sayyid Ahmad Qalandar Information Center Sipehr, Douchanbeh)
15.30 Uhr: Diskussion
16.00 Uhr: Kaffeepause
Session 4
16.15: Erste Ergebnisse der Feldforschung in den Nordkaukasus (Vladimir Bobrovnikov, Orientalisches Institut, Moskau); Schamil SHIKHALIEV, Institut für Geschichte, Machatschkala, Achmet YARLYKAPOV, Institut für Ethnologie, Moskau)
17.00 Uhr: Diskussion
17:30 Uhr: Schluss-Sitzung
Orientträume und Sammeln im Emirat Buchara um 1900
January 17, 2010 | 1 Comment
Ein Beitrag von Melanie Krebs
Noch Anfang des 19. Jahrhunderts war das Reisen in den zentralasiatischen Emiraten aufgrund der politischen Gegebenheiten, den untereinander kämpfenden Fürstentümern und ihrer Abwehr gegen alles Fremde, für Ausländer gefährlich und wenig attraktiv. So verbrachte der russische Gesandte Muravyov 1819 in Chiva die meiste Zeit unter Hausarrest - und hatte damit noch Glück gehabt: für die beiden britischen Unterhändler der East India Company, Stoddart und Conolly, ging ihre Reise 1842 nach Buchara schlechter aus: Sie wurden als Spione geköpft; ein Ereignis, das in Europa einen vermutlich gewünschten abschreckenden Effekt hatte.
Auch spätere Reisende, die es aus beruflichem Interesse nach Zentralasien verschlug, zeigten sich wenig begeistert. Der Turkologe Hermann Vambery, der in den 1860er Jahren als Derwisch verkleidet durch Zentralasien reiste, um dort unbehelligt forschen zu können, kommentiert lapidar:
Weit entfernt, schön, prachtvoll und großartig zu sein, wie die von Teheran, Täbris und Isfahan bieten die Basare Bocharas … dem Auge des Fremden einen auffallenden, eigenthümlichen Anblick dar. … Wer lange in den Wüsten Zentralasiens umhergeirrt ist, wird in Bochara trotz aller Armseligkeit immer etwas Hauptstadtartiges finden (Vambery 1865: 139,155)
Der Deutsche Franz von Schwarz, der als Astrologe lange an der Sternwarte in Taschkent arbeitete, hatte noch andere Probleme:
Wie langweilig, ja geradezu unerträglich sich infolge der geschilderten Verhältnisse (dem Fehlen von Frauen im Straßenbild! MK) das gesamte Leben in den von Eingeborenen bewohnten Städten gestaltet, davon kann sich nur derjenige einen Begriff machen, der einmal durch sein Unglück auf längere oder kürzere Zeit in eine solche Stadt verschlagen worden ist. (Franz von Schwarz, Aufenthalt in Turkestan 1874-1890; Schwarz 1900: 194)
Sind Afghanen Israelis? Israel will DNA-Analyse der Afridi-Paschtunen
January 15, 2010 | 1 Comment
Wie die Jerusalem Post kürzlich berichtete, ist das Israelische Aussenministerium gerade dabei ein recht altes Thema wieder aufzuwärmen. Die wirklich wichtige Frage, ob nun die Paschtunen einer der Zehn verlorenen Stämme Israels sind oder nicht, soll jetzt durch ein hochtechnisiertes naturwissenschaftliches Forscherteam per DNA-Analyse endgültig geklärt werden. Geleitet wird dieses Projekt angeblich von einem israelischen Wissenschaftler der mit “bahnbrechende[n] Entdeckungen in der Erforschung jüdischer Genetik” aufwarten kann und einer indischen Wissenschaftlerin, die sich in Bombay mit einem 600$ Stipendium an die Arbeit macht. Auch n-tv berichtete.
Natürlich stellt sich da die Frage, warum gerade jetzt dieses Problem gelöst werden soll? Nach Angaben der Jerusalem Post sollten so die Differenzen zwischen Muslimen und Juden überwunden werden. Oha! Aus verschwörungstheoretischer Perspektive ließe sich eine naturwissenschaftliche Bestätigung dieser seit jeher mit kräftig ideologischem Impetus diskutierten Abstammungsthese aber auch durchaus anders einsetzen.
Und das wäre in den Augen Vieler bestimmt nicht das schlechteste Ergebnis, das man für schlappe 600$ im Monat erzielen kann.
Orte der Liebe, Orte zum Heiraten, Bischkek 2009
January 8, 2010 | Leave a Comment
Vorbemerkung: Die erste Variante des Beitrages erschien unvollständig. Deswegen veröffentlichen wir ihn jetzt nocheinmal.
Ein Text von Wladimir Sgibnev, 2009
Bei einem Spaziergang durch die Parks der zentralasiatischen Hauptstädte sind sie nicht zu verkennen: die vielen jungen Pärchen, die nach Unterrichtsschluss in den Unis ihre Zeit händchenhaltend beim Spazierengehen verbringen oder die Sitzbänke bevölkern. Das russische Verb “gulat’ ” heißt je nach Situation „spazieren gehen“, „feiern“ oder eben „zusammen sein“. Hier in den Stadtparks wird die ganze Bandbreite dieses Worts sichtbar. Was in ländlichen Gebieten undenkbar ist, ist im modernen Bischkek alltäglich.



