Afghanistan. Gerettete Schätze.
June 17, 2010 | 1 Comment
Die Sammlung des Nationalmuseums in Kabul 11. Juni bis 3. Oktober 2010 in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschlan, Bonn
In der Mitte der neunziger Jahre, als die Mujaheddin Kabul aus der Hand der durch die Sowjetunion gestützten Regierung (1992) übernahmen und ein langer Bürgerkrieg um die Vormachtstellung in der Hauptstadt entbrannte, erschütterten Meldungen über Bibliothek- und Museumsplünderungen die Intellektuellen vieler Länder.
Wie durch ein Wunder konnte aber der legendäre Nationalschatz Afghanistans Bürgerkrieg und Zerstörung der Museen Kabuls überdauern.
Dazu das Museum in seiner Ausstellungsbeschreibnung selbst:
Die spektakulären Gold-, Silber- und Elfenbeingegenstände sind Zeugen des Königreichs Baktrien, einer hellenistisch beieinflußten Zivilisation, die sich im antiken Afghanistan an den Schnittstellen der Kulturen entlang der Seidenstraße entfaltete und so zum Schmelztiegel der unterschiedlichsten kulturellen Strömungen aus Ost und West wurde. Infolge des Alexanderfeldzugs um 330 v. Chr. zogen mehr und mehr Griechen und Makedonier in die antike Kulturlandschaft, wo sie die baktrische Hochkultur mitbegründeten. In der Ausstellung ist die Synthese der Kulturen sofort erkennbar. Bei den gezeigten Exponaten verschmelzen griechische, persische und indische Motive. So findet sich z. B. eine detailreich gearbeitete Aphrodite mit Engelsflügeln und indischem Bindi (Stirnpunkt) neben einem auf einem Delphin reitenden Eros. (Mehr siehe hier)
Mythos Aralsee - Altenburg vom 20.05. - 03.10.
May 17, 2010 | 3 Comments
Zur Ausstellung im Mauritianum Altenburg vom 20.05. bis 20.09.
Die Ausstellung “Mythos Aralsee” widmet sich der Geschichte und den Folgen der sowjetischen Moderne in Zentralasien. Diese Moderne ist am besten charakterisiert mit einem schier unbegrenztem Technik- und Fortschrittsglauben. Der Glaube an uneingeschränkte menschliche Allmacht führte seit der Mitte des 20. Jahrhunderts zum größten Eingriff in die lebenswichtigen Flusssysteme der Region Mittelasien und zeigte seine schwerwiegenden Folgen gegen Ende des Jahrhunderts.
Die Ausstellung “Mythos Aralsee” im Mauritianum Altenburg (20.05 – 03.10.) erzählt in Bildern, historischen Fotos, Porträts und Biographien von den Veränderungen der traditionellen Lebens- und Wirschaftsweisen in der Aralsee-Region und vom schrittweisen Verschwinden des Wassers.
Der Aralsee existiert bei den Bewohnern der Region nur als Mythos. Die meisten haben den See noch nie in ihrem Leben gesehen. Der Großteil der im Amu Darja Delta lebenden Bevölkerung leidet jedoch nicht so sehr am Verschwinden des Aralsees und dessen negativen Auswirkungen auf das Weltklima, sondern schlicht am Ausbleiben des Flusswassers.
Die mit dem Wassermangel verbundene schlechte Wasserqualität, die fehlenden Erwerbsmöglichkeiten und die durch das Austrocknen des Aralsees freigesetzten gesundheitsschädlichen Gifte, führen zur Abwanderung aus der Region. Gleichzeitig versuchen sich die Verbliebenen in den drastisch veränderten Lebendsbedingungen einzurichten.
Historische Hintergründe
Flüsse sind seit Jahrtausenden die Grundlage menschlicher Kulturen und Zivilisationen. Für Mittelasien sind die Flüsse Syr- und der Amu Darja die Grundlage des Lebens und Wirtschaftens. Schon in der Namesgebung für die Region stand das Wasser an erster Stelle. Der Amu Darja ist der Oxus der Griechen. Die Regionen, die die Flüsse Syr- und Amu Darja bewässern, nannten die Griechen Transoxanien, also “Jenseits des Oxus”. In Arabischen Quellen ist die Region als Mawera’ un-nahr ebenfalls “Jenseits des Flusses” bezeichnet.
Eine Besonderheit der Flüsse Mittelasiens ist, dass sie nicht in Weltmeere, sondern in Steppen-Endseen münden oder einfach in Wüsten versickern. Sucht man in historischen Quellen nach dem Aralsee, wird man nur selten fündig. Er scheint in der Wahrnehmung der Region eine nur untergeordnete Rolle gespielt zu haben. Seinen heutigen Namen erhielt der Aralsee erst im 18. Jahrhundert. Die Usbeken des Chanates Chiwa hatten das Deltagebiet des Amu Daryas soweit mit Kanälen durchzogen, dass sich dessen Bewohner wie auf Inseln (orol = Insel) vorkamen. Der Name für das Deltagebiet wurde später auch auf den See übertragen. Die Deltaregion des Amu Darja und seine Bewohner stehen im Zentrum der Ausstellung.
Seit dem 17. Jahrhundert wurde die Deltaregion vor allem von Karakalpaken besiedelt, die neben Kasachen, Usbeken und Turkmenen bis heute dort leben. Die Karakalpaken betrieben eine gut an den Amu Darja angepasste nomadische Mischwirtschaft von Ackerbau, Fischerei und Viehzucht. Diese Mischwirtschaft war notwendig, um sich dem unberechenbaren Fluss, seinen Überschwemmungen und seinen ständig wechselnden Flußläufen anzupassen. Die mobile Lebensweise sicherte so im Deltagebiet das Leben.
Mit der Kolonisierung und der Mitte des 20. Jahrhunderts einsetzenden sowjetischen Industrialisierung kam es zu Veränderungen dieser Lebensweise. Mit der Einbindung der Region in moderne Infrastrukturen, die auf maximale Produktivitätssteigerung ausgerichtetet waren, wurde das Ende des Aralsees eingeläutet. Während für die russischen Kolonisatoren der Fluß vor allem für den Transport wichtig war, wurde mit der sowjetischen Industrialisierung der Landwirtschaft und der Fixierung auf die Baumwollproduktion das Bewässerungssystem entlang des Flusses immer weiter ausgebaut. Riesige Kanalbauten, wie der über tausend Kilometer lange Karakumkanal, zweigten weit über die Hälfte des Flußwassers ab, bevor es die Deltaregion und den Aralsee erreichen konnte.
Gleichzeitig führte die sowjetische Moderne in ganz Zentralasien zu einem enormen Bevölkerungswachstum und damit zu einem ständig steigenden Wasserbedarf. In Moskau wurde entschieden, den Aralsee für den Wohlstand und die Baumwollproduktion entlang des Amu Darjas zu opfern. Der volkswirtschaftliche Wert des Sees wurde vom Wasserministerium auf 92 Billionen Rubel geschätzt. Auf die Bedürfnisse der Deltabevölkerung (etwa 300.000 Personen) wurde dabei keine Rücksicht genommen. Entgegen aller Hoffnungen verschlechterte sich die Lage in der Deltaregion seit dem Ende der Sowjetunion und der Aufteilung des Flusswassers auf drei Nationalsstaaten (Tadschikistan, Usbekistan, Turkmenistan) noch weiter.
Für das 20. Jahrhundert kann man in der Aralseeregion die biblische Devise von “Macht Euch die Erde Untertan!” in einer drastischen Form beobachten. Die Ausstellung versucht das langsame Sterben des Aralsees sowie die traditionellen und heutigen Überlebensstrategien in der Deltaregion nachzuzeichnen.
Das Begleitprogramm der Ausstellung besteht dabei aus zwei Vorträgen. Der Eröffnungsvortrag von Olaf Günther handelt von den derzeitigen Lebensbedingungen in der Aralseeregion (am 20. Mai, 19.00 Uhr). Der Vortrag des Historikers Askar Dzumashevs (02. Juni, 19.00 Uhr) beleuchtet die Sowjetische Geschichte der Aralseeregion (Karakalpakistan). Im Rahmen der Ausstellung wird auch der Dokumentarfilm “Aralkum” (Sowjetunion 1988) gezeigt.
Die Ausstellung wird zusammen mit dem Zentralasien-Seminar der Humboldt Universität zu Berlin und der Akademie der Wissenschaften Karakalpakistans durchgeführt und ist durch Mittel der DFG (Deutsche Forschungsgemeinschaft) gefördert.
Siehe auch:
http://www.tlz.de/startseite/detail/-/specific/Ein-Leben-mit-der-Katastrophe-am-Aralsee-55107914
http://www.mdr.de/thueringen/ost-thueringen/5181126.html
Das Volk, das tanzt und singt…
July 16, 2009 | Leave a Comment
Steht man vor dem Kashgar Hotel und blickt in die Stadt sieht man als erstes eine kleine Statuengruppe, ein Mann in der Uniform eines Bauern und eine Frau, sie tanzen… Darunter steht, die “Uighuren, ein Volk der Tänzer” oder so ähnlich.
Die Folklorisierung von Minderheiten ist eine beliebte Minderheitenpolitik, das ist aus der Sowjetunion ebenso bekannt, wie der Umgang der Deutschen mit den Sorben. Nun hat EuriasiaNet ein Spezial zum Thema Musik und Kultur in Xinjiang herausgebracht, dass sich sehen lassen kann: keine vereinheitlichende Pauschalexotisierung, ohne jede (post-) kolonialen Vereinnahmungsversuche. Wie denn auch, sind ja keine Chinesen… Dabei haben sie auch gleich ihre Webseite aufgehübscht. So ist eine sehr schöne online Ausgabe eines Magazins zu der Kultur der Uighuren herausgekommen. Unbedingt lesenswert.
Weitere Links zum Thema auf tethys:
tajikfilm & 2shanbe
May 26, 2009 | 1 Comment
wer gerne tadschikische filme im netz sehen möchte, dem wird seit kurzem geholfen. 36 neueste und ältere (Sowjet-) Tadschikische Filme verschiedener Genres werden hier bisher online angeboten. Ovora (”Der Vagabund”) von Gulandom Muhabbatova und Daler Rahmatov (2005) ist einer der neueren Filme, die sich poetisch mit der schwierigen Situation der alleingelassenen Familien tadschikischer Arbeitsmigranten auseinandersetzen (leider wird hier durchaus landestypisch eine Russische Synchronstimme recht unmotiviert über das tadschikische Original gesprochen, was dem Hörvergnügen durchaus abträglich ist). Zu den bekanntesten Filmen im Angebot gehören Luna Papa von Bakhtiyor Khudoinazarov (1999) und der Sowjetische Klassiker Nisso (1979) von dessen Vater Davlat Khudoinazarov. Aber auch die tadschikische Version von Shrek ist auf dieser Seite abrufbar.
Die Rockn Roll Dombra
March 18, 2009 | 3 Comments
(od) Seit dem Yerboli Ahmedhan 5 Jahre alt ist, spielt er die Zweisaitige (dombra), und gilt jetzt als die Seele der Kasaschischen Volksmusik. Das er jedoch heute die Zweisaitige in der Hand hält, hätte er sich vor zehn Jahren nicht träumen lassen. Da nämlich ist er ausgezogen mit seiner AC/DC Cover Band aus der Autonomen Provinz Xinjiang in die Städte die mehr Auftrittsmöglichkeiten boten, an die Küste des Gelben Meeres.
Im Jahr 2000 kam er jedoch in die Band des Kasachen Mamuer Rayeskan nach
Bejing, der ihm zeigte, dass auch die traditionelle Musik ihre Zuhörer findet. Nun hatte Yerboli sein Rezept gefunden, er mixte seine bisherigen musikalischen Vorlieben mit der Musik seiner Heimatregion, verband den Pop mit den alten Techniken, dem Kehlkopfgesang etwa.
Nun wird das Ausland auf ihn aufmerksam, zur Zeit reist er nach Taipei, wo er zum Bitan Festival der (traditionellen) Folk - Musik eingeladen wurde.
Wer seine Zeit mit der wunderbar ruhigen Musik des Kasachen aus dem Nordwesten Chinas verbringen will, der schaue auf seine Myspace Seite.
Siehe auch hier.
youtube auf Iranisch
February 27, 2009 | 1 Comment
Seit ein paar Monaten gibt es das iranische Video Portal vidoosh, dass ähnlich wie you tube auf user generated content setzt. Wer Einblick in die lokale Musikindustrie bekommen will, wer schauen will, welche letzten Musik Beiträge vor Ort produziert werden, der findet eine echte Fundgrube. Auch und vor allem, da es auf English erscheint von Seiten der Persisch und Turksprachigen der ehemaligen Sowjetunion beschickt.
arte: Buzkashi, das Lied der Steppe
February 23, 2009 | 1 Comment
Sie reiten durch die Steppe auf dem Weg nach Buchara, sie schauen auf ihreHandys. In der Heimat von Avinzenna, Omar Khayam, und all der anderen unzähligen großen Dichter, haben ihre Handys aber keinen Empfang, doch wollen sie nicht zu spät kommen, zum großen Pferdepolo (buzkashi, oder ko’pkori), in dem sich seit Jahrhunderten die besten Reiter Zentralasiens miteinander messen…
Ulughbek und Ali sind erbitterte Feinde, erzählt uns der namenlose Dichter, der uns in gestochenem literarischen Persisch durch die Handlung führt. Ulughbek verrät uns in herrlichem “Aralsee-Usbekisch” warum: er habe nach der Schule mit Muhabbat spielen wollen, nur Ali hätte sich immer eingemischt. Irgenwann hat es Ulughbek gereicht, da hat er Ali eine aufs Maul gehauen, seit dem können sie sich nicht leiden.
So vermischen sich in diesem Film ständig Historisches mit Heutigem, Avantgarde Kunst mit traditionellem Stil, alte Gedichte mit profaner Reportage. Der gestern bei arte.tv ausgestrahlte Buzkashi, das Lied der Steppe ist ein gelungener Ritt durch die Jahrhunderte und über hunderte Kilometer Steppensand, es macht Spass, die Leichtigkeit in der hier mit Geschichte und Geschichten umgegangen wird, der Eingeweihte schmunzelt, der zufällig Hinschauende wird verzaubert, der Pferdenarr träumt… ein toller Film. Noch sieben Tage kann man ihn im Netz sich anschauen…
Er kann sich sehen lassen neben dem Klassier aller Klassiker zum Buzkashi, the Horsemen - die Steppenreiter, mit dem unnachahmlichen Omar Sharif als Uraz und der verführerischen Leigh Taylor Young.
Wer eine ganz gelungene Fotoreportage dazu lesen will, der schaue bei Heiner Buhr hier herein…
Ausstellung: Between Tibet and Assam: cultural diversity in the eastern Himalayas (London/UK)
February 22, 2009 | Leave a Comment
Das British Museum zeigt vom 30. Januar bis zum 13. April noch eine Austellung, die sich den kleinen tibetanischen Diasporastämmen im Norden Indiens widmet. Thematisiert werden zwei kleine Stammesgruppen, die buddhistischen Monpa und die animistischen Apatani, deren kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede genauso beleuchtet werden, wie die ökonomischen Strategien zwischen Reisanbau und Jagd. Dazu kommt es austellungsbegleitend zu einer Konferenz.







