Das Volk, das tanzt und singt…

Steht man vor dem Kashgar Hotel und blickt in die Stadt, sieht man als erstes eine kleine Statuengruppe, ein Mann in der Uniform eines Bauern und eine Frau, sie tanzen… Darunter steht, die “Uighuren, ein Volk der Tänzer” oder so ähnlich.

uighur_dance.jpgDie Folklorisierung von Minderheiten ist eine beliebte Minderheitenpolitik, das ist aus der Sowjetunion ebenso bekannt, wie der Umgang der Deutschen mit den Sorben. Nun hat EuriasiaNet ein Spezial zum Thema Musik und Kultur in Xinjiang herausgebracht, dass sich sehen lassen kann: keine vereinheitlichende Pauschalexotisierung, ohne jede (post-) kolonialen Vereinnahmungsversuche. Wie denn auch, sind ja keine Chinesen… Dabei haben sie auch gleich ihre Webseite aufgehübscht. So ist eine sehr schöne online Ausgabe eines Magazins zu der Kultur der Uighuren herausgekommen. Unbedingt lesenswert.

Weitere Links zum Thema auf tethys:

moderne Musik

Religion der Uighuren

tajikfilm & 2shanbe

wer gerne tadschikische filme im netz sehen möchte, dem wird seit kurzem geholfen. 36 neueste und ältere (Sowjet-) Tadschikische Filme verschiedener Genres werden hier bisher online angeboten. Ovora (“Der Vagabund”) von Gulandom Muhabbatova und Daler Rahmatov (2005) ist einer der neueren Filme, die sich poetisch mit der schwierigen Situation der alleingelassenen Familien tadschikischer Arbeitsmigranten auseinandersetzen (leider wird hier durchaus landestypisch eine Russische Synchronstimme recht unmotiviert über das tadschikische Original gesprochen, was dem Hörvergnügen durchaus abträglich ist). Zu den bekanntesten Filmen im Angebot gehören Luna Papa von Bakhtiyor Khudoinazarov (1999) und der Sowjetische Klassiker Nisso (1979) von dessen Vater Davlat Khudoinazarov. Aber auch die tadschikische Version von Shrek ist auf dieser Seite abrufbar.

Die Rockn Roll Dombra

(od) Seit dem Yerboli Ahmedhan 5 Jahre alt ist, spielt er die Zweisaitige (dombra), und gilt jetzt als die Seele der Kasaschischen Volksmusik. Das er jedoch heute die Zweisaitige in der Hand hält, hätte er sich vor zehn Jahren nicht träumen lassen. Da nämlich ist er ausgezogen mit seiner AC/DC Cover Band aus der Autonomen Provinz Xinjiang in die Städte die mehr Auftrittsmöglichkeiten boten, an die Küste des Gelben Meeres.

Im Jahr 2000 kam er jedoch in die Band des Kasachen Mamuer Rayeskan nach yerboli.jpgBejing, der ihm zeigte, dass auch die traditionelle Musik ihre Zuhörer findet. Nun hatte Yerboli sein Rezept gefunden, er mixte seine bisherigen musikalischen Vorlieben mit der Musik seiner Heimatregion, verband den Pop mit den alten Techniken, dem Kehlkopfgesang etwa.

Nun wird das Ausland auf ihn aufmerksam, zur Zeit reist er nach Taipei, wo er zum Bitan Festival der (traditionellen) Folk – Musik eingeladen wurde.

Wer seine Zeit mit der wunderbar ruhigen Musik des Kasachen aus dem Nordwesten Chinas verbringen will, der schaue auf seine Myspace Seite.

Siehe auch hier.

Rudakis Dichtkunst und sein Einfluß auf die Farsi-ye Dari-Literatur

rudaki-mit-harfe-und-enten.JPGAbdullah Jafar Ibn Mohammad Rudaki zählt zu den am meisten verehrten Dichtern im persischsprachigen Raum. In Afghanistan, im Iran und in Tadschikistan wird er bis heute als Nationaldichter gefeiert und seine Werke oder Teile daraus geliebt, gelesen und rezitiert. Eine Einschätzung und Würdigung des Vater der neupersischen Poesie von Dr. Haschmat Hossaini.

Im 3. Jahrhundert nach der Hedschra (9. Jh. nach Christus), als der Freiheitsgedanke in Xorassan an Kraft gewann und das Land vom Abbassidenreich losgelöst wurde, haben die ersten Wortgewaltigen der Sprache und Literatur des Dari im damaligen Xorassan und Sistan die Fackel der Dichtung und Literatur in die Hand genommen und mit ihr das Licht nach ZaranÄŸ, FōšanÄŸ, Sistan, Herat, Ġōr, Balx, Ğōzğānān, Toxarestan, Kabol und Zabol getragen. Die Safariden von Sistan und die Samaniden von Balx waren die Vorreiter und Inspiratoren dieser Bewegung. Continue Reading →

youtube auf Iranisch

Seit ein paar Monaten gibt es das iranische Video Portal vidoosh, dass ähnlich wie youtube auf user generated content setzt. Wer Einblick in die lokale Musikindustrie bekommen will und wer schauen will, welche letzten Musikbeiträge vor Ort produziert werden, der findet eine echte Fundgrube. Auch und vor allem da es auf English erscheint, von Seiten der Persisch- und Turksprachigen der ehemaligen Sowjetunion beschickt.

arte: Buzkashi, das Lied der Steppe

Sie reiten durch die Steppe auf dem Weg nach Buchara, sie schauen auf ihre Handys. In der Heimat von Avinzenna, Omar Khayam, und all der anderen unzähligen großen Dichter, haben ihre Handys aber keinen Empfang, doch wollen sie nicht zu spät kommen, zum großen Pferdepolo (buzkashi, oder ko’pkori), in dem sich seit Jahrhunderten die besten Reiter Zentralasiens miteinander messen…

Ulughbek und Ali sind erbitterte Feinde, erzählt uns der namenlose Dichter, der uns in gestochenem literarischen Persisch durch die Handlung führt. Ulughbek verrät uns in herrlichem “Aralsee-Usbekisch” warum: er habe nach der Schule mit Muhabbat spielen wollen, nur Ali hätte sich immer eingemischt. Irgenwann hat es Ulughbek gereicht, da hat er Ali eine aufs Maul gehauen, seit dem können sie sich nicht leiden.

So vermischen sich in diesem Film ständig Historisches mit Heutigem, Avantgarde Kunst mit traditionellem Stil, alte Gedichte mit profaner Reportage. Der gestern bei arte.tv ausgestrahlte Buzkashi, das Lied der Steppe ist ein gelungener Ritt durch die Jahrhunderte und über hunderte Kilometer Steppensand. Die Leichtigkeit, in der hier mit Geschichte und Geschichten umgegangen wird, macht Spaß, der Eingeweihte schmunzelt, der zufällig Hinschauende wird verzaubert, der Pferdenarr träumt… ein toller Film. Noch sieben Tage kann man ihn sich im Netz anschauen…

Er kann sich sehen lassen neben dem Klassier aller Klassiker zum Buzkashi, the Horsemen – die Steppenreiter, mit dem unnachahmlichen Omar Sharif als Uraz und der verführerischen Leigh Taylor Young.

Wer eine ganz gelungene Fotoreportage dazu lesen will, der schaue bei Heiner Buhr hier herein…

Ausstellung: Between Tibet and Assam: cultural diversity in the eastern Himalayas (London/UK)

Das British Museum zeigt vom 30. Januar bis zum 13. April noch eine Austellung, die sich den kleinen tibetanischen Diasporastämmen im Norden Indiens widmet. Thematisiert werden zwei kleine Stammesgruppen, die buddhistischen Monpa und die animistischen Apatani, deren kulturelle Gemeinsamkeiten und Unterschiede genauso beleuchtet werden, wie die ökonomischen Strategien zwischen Reisanbau und Jagd. Dazu kommt es ausstellungsbegleitend zu einer Konferenz.

via

Chudoybergan Devanov

(Beitrag von Olim devona)

Es gibt immer wieder Ereignisse, bei denen ich mich frage, klaue ich Inhalte, den andere erstellten, wenn ich einfach so auf die Neuigkeiten hinweise, oder sind diese Neuigkeiten so beachtenswert, dass ein Zeigefinger ausreicht? Ereignis, Inhalte, Neuigkeit? Ganz einfach: Vor ein paar Tagen veröffentlichte die Library of Congress ein wirkliches Meisterwerk kolonialer Fotografie: Das Turkestaner Album. Die Kongressbücherei hat es digitalisiert und stellt es in drei Abteilungen zur Verfügung:Archäologie (klein und groß), Ethnografie (klein und groß, groß), Handel, Handwerk (klein und groß) und Historisches (klein und groß).

Ein Schrei der Verzückung entfuhr mir, als ich die Fotografien aus diesem Album bestaunte …. die koloniale Zeit: Teetrinken in Jugendstilwintergärten. Benefiz- und Galaveranstaltungen. Rauschende Feste. Biergärten im Stadtpark. Doch dabei fiel mir auch gleich wieder das Wirken eines Mannes ein, der zur gleichen Zeit ohne kolonialen Auftrag Land und Leute fotografierte und durch seine Aktivitäten auf diesem Gebiet mancherorts vom Mob durch die Strassen gejagt wurde, aber schließlich zum Hoffotografen des Chans von Chiwa aufstieg. Continue Reading →

Nicht hinter verschlossenen Türen. Ãœber den verstorbenen usbekischen Theaterregisseur Mark Weil.

(Beitrag von Elisabeth Wellershaus, Journalistin)

“Es ist einfach eine kleine Geschichte über die verborgenen Aspekte des menschlichen Lebens”, sagte Mark Weil vor wenigen Monaten über sein Stück “Weißer, weißer, schwarzer Storch”. Der Kommentar über seine letzte große Inszenierung beschreibt das Understatement, mit dem der usbekische Regisseur sein eigenes Werk betrachtete. Denn so unbedeutend war die Geschichte um den homosexuellen Koranschüler Makhzum nicht. Continue Reading →