Reiseführer Tadschikistan neu aufgelegt

Titelbild der Neuauflage

Titelbild der Neuauflage

“Besuchen Sie Tadschikistan bevor die Touristen kommen!”

Dieses Motto könnte auch der zweiten, überarbeiteten und deutlich erweiterten Auflage des im Trescher Verlag erschienen Reiseführer: Tadschikistan vorangestellt sein. Auch sechs Jahre nach der Erstauflage sind die Touristenzahlen in Duschanbe, dem Zerafschantal und im Pamir noch recht überschaubar, von anderen, nicht weniger interessanten Gegenden ganz zu schweigen. Der neu aufgelegte Band ist fast doppelt so dick wie sein Vorgänger – und dabei ist keine Seite zuviel! Auch die Autorinnen haben sich verdoppelt: Sonja Bill bildet diesmal zusammen mit Dagmar Schreiber ein Autorinnenteam. Im deutschen Sprachraum ist der Reiseführer damit auch weiterhin konkurrenzlos.

Neben kurzen Einführungen in die Geschichte, Kultur und Natur des Landes findet sich auch eine Beschreibung der aktuellen politischen Lage, die mit dem im Herbst vergangenen Jahres erfolgten Verbot der Partei der islamischen Wiedergeburt endet, der bis dahin einzigen ernst zu nehmenden Oppositionspartei in Tadschikistan. Auch hier zeigt sich die Neuauflage auf dem neuesten Stand. Deutlich erweitert wurden die Abschnitte zu den verschiedenen Regionen Tadschikistans. Neu hinzugekommen ist unter anderem der sehr informative und kurzweilige “Kleine Pamir-Knigge” von Stefanie Kicherer, der sich von Reisenden getrost auch in den anderen Landesteilen anwenden lässt.
Ein weiteres Highlight des Reiseführers möchte ich im folgenden ganz vorstellen: Continue Reading →

Die Taliban hören und lesen

Rechtzeitig zum Jahresende 2015 gibt es auf Alex Strick van Linschotens persönlicher Website eine annotierte Leseliste mit 67 Publikationen zu den (afghanischen) Taliban – er schreibt gerade an seiner Dissertation zur Entwicklung der Taliban vor 2001 und hat zusammen mit Felix Kühn den Verlag firstdraft-publishing gegründet.

Von hier habe ich auch den link zu Graeme Smiths Seite “Talking to the Taliban” auf der 42 Taliban-Kämpfer aus der Provinz Kandahar (dem Haupteinsatzgebiet der Kanadischen-ISAF-Truppen) auf zwanzig standardisierte Fragen bezüglich ihrer Person, Motivation und Überzeugungen antworten. Graeme Smith versucht auf dieser Seite seinen Landsleuten die Komplexität der Verhältnisse im paschtunischen Süden Afghanistans zu erklären. [Nachtrag vom 09.01.2016 – zum Jahresanfang hat Thomas Ruttig einen Text über “Organisationsstrukturen und Ideologie der Taleban (Teil 1)” auf seiner Seite online gestellt. Teil 2 und 3 des 2011 erschienenen Artikels sind hier (Teil 2) und hier (Teil 3) .]

Über die aktuelle Lage in Helmand (der westlichen Nachbarprovinz von Kandahar) berichtet ebenfalls Thomas Ruttig (hier) / (hier) und (hier)- eine längere Perspektive auf die Geschichte und Konflikte der Provinz Helmand nehmen zwei Publikationen ein, die auch in der eingangs erwähnten Bücherliste zu finden sind (und auch meiner Meinung nach zum Interessantesten gehören, was in letzter Zeit zum Krieg in Afghanistan geschrieben wurde): Mike Martin “An intimate war” aus der englischen “counterinsurgency”-Perspektive und Carter Malkasian “War comes to Garmser” aus der amerikanischen.

…und hier noch das Audio eines Interviews mit Thomas Ruttig (vom 11.01.2016) zur aktuellen Lage in Afghanistan.

Schweres Erdbeben im Bartang

Am 07.12.2015 ereignete sich im Pamir ein schweres Erdbeben. Am schwersten betroffen scheint das obere Bartang-Tal zu sein. Nach allem was bisher bekannt ist, scheint es glücklicherweise kaum Todesopfer gegeben haben – allerdings ist in vielen Dörfern ein Großteil der Gebäude zerstört. Auch die Straßenverbindung ins obere Bartang scheint unterbrochen und auch die Notversorgung aus der Luft ist bei den derzeitigen Witterungsbedingungen alles andere als einfach. Schnelle Nothilfe für einige der Dörfer ist also dringend erforderlich. Der Winter hat im Bartang bereits begonnen, auch wenn die Tiefsttemperaturen (bis -30 Grad) noch nicht erreicht sind.

Auf dieser Seite (link) könnt Ihr Euch über die aktuellen Entwicklungen und Zerstörungen im Bartang informieren und gegebenenfalls spenden. Der Verein Pamir-Hilfe verspricht schnelle, direkte und unbürokratische Hilfe ohne die sonst üblichen “Reibungsverluste”. Wie die Zukunft für die vom Beben betroffenen Menschen aussieht, ist ungeklärt. Staatliche Hilfsangebote bei Naturkatastrophen sehen in Tadschikistan oft nicht den Wiederaufbau von zerstörten Häusern vor, sondern die Umsiedlung der betroffenen Bevölkerung.
Das Epizentrum lag sehr nahe am Kul-e Sarez, einem Bergsee im Bartang, der vor ziemlich genau einhundert Jahren ebenfalls durch ein Erdbeben entstand. 1911 verschüttete ein Erdrutsch den Murghab-Fluss und staute diesen in der Folge zu einem über 50km langen und einige hundert Meter tiefen See – ob dieser natürliche Damm durch das Beben letzten Montag beschädigt wurde, ist noch unklar.

edition-tethys: im Gespräch

In eigener Sache! Seit heute (4.12.2015) ist ein schönes Gespräch mit Olaf Günther über die edition-tethys und die Kraft von Geschichten in der Wissenschaft online:

nachzuhören hier

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Auch auf der Afghanistan-Seite von Thomas Ruttig gibt es seit dem 23.November eine kurze Beschreibung der “Begegnungen am Hindukusch”.

Und nochmal bei Thomas Ruttig kommentierte Auszüge aus den “Begegnungen am Hindukusch” – es gibt übrigens noch einige Exemplare der ersten Auflage – greift zu und bestellt! mailto: loy@edition-tethys.org

Ins rechte Licht gerückt: neuer Dokumentarfilm über das älteste Naturreservat Mittelasiens

Ein Beitrag von Viktoria Wagner

Mit seinen 89 Jahren ist das Naturreservat Aksu-Jabagly das älteste Naturschutzgebiet Mittelasiens. Es erstreckt sich über die mächtigen Ketten des westlichen Tien Shan Gebirges, in Südkasachstan, und grenzt an Kirgisien und Usbekistan. Trotz seiner spektakulären Natur, ist dieses Gebiet bei uns nur wenig bekannt.

 

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Naturreservat Aksu Jabagly. Bildquelle: http://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/abenteuererde/sendungen/baeren-in-den-himmelsbergen-100.html

Der Filmemacher Tobias Mennle hat diesem Gebiet nun einen wunderbaren Dokumentarfilm gewidmet, der vor einigen Tagen auf WDR ausgestrahlt wurde:

http://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/abenteuererde/sendungen/baeren-in-den-himmelsbergen-100.html

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Archäologische Sensation in der Turgai Senke (Kasachstan)

Ein Beitrag von Viktoria Wagner

Ein Mosaik aus spröder Steppe, etlichen Salzseen und kleinen Waldfragmenten durchzieht die Turgai Senke. Das flache Becken erstreckt sich von der Stadt Kostanai, im nordwestlichen Zipfel Kasachstans gelegen, bis in die Halbwüste hin. Die Gegend ist dünn besiedelt. Hier und da trifft man auf kleine Siedlungen, Hirten und Melonenfelder. Manchmal kommen einige Birdwatcher aus dem Ausland vorbei. Ansonsten grassiert hier Landflucht. Zu rauh ist das Klima, zu riskant die Landwirtschaft. Für fremde Augen ist die Steppe nichts als flache Eintönigkeit.

Ausgerechnet diese abgelegene Gegend wurde in den letzten Jahren Schauplatz einer archäologischen Sensation.

 

Ushtogai Square, ein Geoglyph in der kasachischen Steppe, ca. 300km Luftlinie südöstlich von Kostanai (ca. 300m Seitenlänge). N 50.8329°, E 65.3263°). Quelle: Google Earth

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Views from a School Window

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Emilia Roza Sulek

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During my fieldwork in 2014, I lived in a school compound in one of the few towns in my research region. ‘Development’ in this part of China meant that roads got a new surface, party buildings a new lustre of glass panels, and streets new lamps and other ‘accessories’ such as street signs, now available also in English. It also meant that hospitals moved to better-equipped buildings and schools grew in size. They grew not only in terms of the number of classrooms, but also other facilities, including apartments for school personnel. Almost all teachers lived within this ‘gated community’. They did not pay rent and their life was cheaper than on the other side of the ‘bars’. Continue Reading →

edition-tethys

 

logo_verlagtethys hat seit Anfang September mit edition-tethys einen eigenen Verlag. Dieser füllt eine Lücke in der regional ausgerichteten und ethnographischen Literatur. Das Verlagsprogramm ist radikal narrativ und will von Regionen und dem Alltag der dort lebenden Menschen erzählen.

 

In unseren Publikationen folgen wir unserem Verlangen, die Welt aus erster Hand kennenzulernen, und uns von ihren Besonderheiten und Widersprüchlichkeiten erzählen zu lassen. Seit dem 01.10.2015 ist nun der erste Band mit Zentralasienbezug im Handel!

Begegnungen-am-Hindukusch-211x300Die dokumentarischen Erzählungen des Sammelbandes “Begegnungen am Hindukusch” spannen einen Bogen von den 1960er Jahren bis heute und stammen unter anderem von den Autoren Karl Wutt –Reinhard Schlagintweit – Ingeborg Baldauf – Jürgen Wasim Frembgen –  Thomas Ruttig –Ali Karimi –  Lutz Rzehak – Manfred Lorenz – Hermann Kreutzmann und Ayfer Durdu.

Wir hoffen auf viele Leser und nehmen gerne Manuskripte entgegen….

 

“Säuberungswelle” in vollem Gang

Opposition wird in Tadschikistan nicht geduldet. Nachdem in den letzten Jahren immer wieder ehemalige Verbündete und Gegner aus Bürgerkriegszeiten durch das in Duschanbe herrschende Regime Emomali Rahmons verhaftet, bedroht, zu langen Freiheitsstrafen verurteilt, militärisch bekämpft oder unter ungeklärten Umstanden ums Leben gekommen sind, spitzt sich seit einigen Wochen die politische Lage im Land weiter zu. Seit den Parlamentswahlen im März gerät die Partei der Islamischen Wiedergeburt (PIW) und damit die letzte im Land verbliebene Oppositionspartei und deren Mitglieder immer weiter unter Druck.
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Im Camp des weinenden Kamels

Eine Gruppe Novosibirsker Outdoorfreaks kaufte sich vor einigen Jahren im Hohen Altaj ein Stück Land am Fuße des Tyttuaryq Tales. In den oberen Bereichen des Tales haben einige Familien ihre Dauerresidenzen und Sommerweiden, bewirtschaften den Fluß mit seinen zahlreichen Pappelbäumen wie die meisten Telengiten hier: Kühe für die Milch- und Käseproduktion, Schafe- und Ziegen für die Fleischproduktion. Der Teil, an dem der Fluß in ein engeres Tal mündet und von dichtem Weidengestrüpp gesäumt wird, haben die Novosibirsker erstanden. Sie errichteten darauf 9 Jurten und bieten diese, sowie den freien Platz drum herum zum übernachten an. Sie nennen ihr Camp das Tal zum Goldenen Kamel, eine Anspielung auf den goldenen Altaj, Kamele und deren goldene Grabbeigaben, die heute noch in der Souvenirwelt des Altaj lebendig sind.

 

Jurten-Camp im Altaj, der neue Trend

Jurten-Camp im Altaj, der neue Trend

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