Für Liebhaber zentralasiatischer Sprachen

gerade rechtzeitig zum Urlaubsausklang ereilte mich in Dänemark ein link zu einem herrlichen Text, der kürzlich im NEW YORK TIMES Magazine erschien: “Letter of recommendation: Uzbek” von Lydia Kiesling. Für Freunde zentralasiatischer Sprachen und all diejenigen, die das Leben auch als eine wunderbare Abfolge von merkwürdigen und kaum nachvollziehbaren Entscheidungen halten. Katta Rahmat Micha!

Leben im Amudarja-Delta

Text zur Ausstellung am Mauritianum Altenburg, Olaf Günther, Thomas Loy

 

Die Betrachtung von Wasserläufen in Zentralasien ist immer wieder ein Thema, auch wenn, wie neulich bei einem Papier der Konrad Adenauer Stiftung, meist nicht viel mehr als eine Zukunftswarnung dabei herauskommt. Im Mittelpunkt heutiger Betrachtungen stehen oft die Steppenendseen, wie der Balchasch See in Kasachstan und der Aralsee in Usbekistan und Kasachstan. Wie wenig jedoch über das Leben in den Deltaregionen von versandenden Steppenendseen bekannt ist, das zeigen einige historische Beispiele.

Kanal

Die Wirtschaft im Amu Darja Deltagebiet basierte auf Wasser

Wer zum Beispiel Sven Hedins Reisebeschreibungen (Im Herzen von Asien, Brockhaus 1903) liest, findet hier beredte Beschreibungen vom Befahren des Tarim Flusses und dem Aussehen des Lop Noor Sees. Nach der Kartierung von Hedin, hatte dieser eine stattliche Größe und ein reges Leben an seinen Ufern. Die Leute nutzten hier, wie am Oberlauf des Amudarjas aufgeblasene Schaffellflöße, um sich auf dem Fluss zu bewegen. Nun etwa 150 Jahre später wissen wir so gut wie nichts mehr vom Leben am Lop Noor See. Die Menschen, die hier als Fischer arbeiteten sind abgewandert oder gestorben. Das ganze Gebiet ist nunmehr Atomwaffentestgelände der Chinesischen Regierung.

Seen verschwinden, Flußläufe auch, im Tarimbecken in Xinjiang hat sich menschliches Leben deshalb weitestgehend vor der Wüste Taklamakan zurückgezogen. Sie ist eine der unwirtlichsten und größten Wüsten Asiens. Auch aus dem größten Teil des Aralsees wurde mittlerweile eine Wüste – die sogenannte Aralkum.

Was mit dem Amudarja in Uzbekistan und Karakalpakistan passieren wird, dass wissen wir nicht. Im Laufe eines gemeinsamen Forschungsprojektes des Zentralasien Seminars der Humboldt Universität zu Berlin und der Akademie der Wissenschaften Karakalpakstan zu den Erinnerungen der im Amudarjadelta lebenden Menschen an den Aralsee und die drastischen Veränderungen ihres Lebensraums, zeigte sich jedoch, dass das Verschwinden des Steppenendsees in der Wahrnehmung der Bevölkerung viel weniger wichtig ist, als die Wasserproblematik entlang des Flusses.

Aber wie sah eigentlich in den letzten Jahrhunderten das Leben im Amudarja Delta aus? Wie hat sich hier das Leben und Wirtschaften der Leute abgespielt und wie kamen die Menschen damals mit den in einem Flußdelta immerwährenden Umweltveränderungen zurecht?

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Das Volk, das tanzt und singt…

Steht man vor dem Kashgar Hotel und blickt in die Stadt, sieht man als erstes eine kleine Statuengruppe, ein Mann in der Uniform eines Bauern und eine Frau, sie tanzen… Darunter steht, die “Uighuren, ein Volk der Tänzer” oder so ähnlich.

uighur_dance.jpgDie Folklorisierung von Minderheiten ist eine beliebte Minderheitenpolitik, das ist aus der Sowjetunion ebenso bekannt, wie der Umgang der Deutschen mit den Sorben. Nun hat EuriasiaNet ein Spezial zum Thema Musik und Kultur in Xinjiang herausgebracht, dass sich sehen lassen kann: keine vereinheitlichende Pauschalexotisierung, ohne jede (post-) kolonialen Vereinnahmungsversuche. Wie denn auch, sind ja keine Chinesen… Dabei haben sie auch gleich ihre Webseite aufgehübscht. So ist eine sehr schöne online Ausgabe eines Magazins zu der Kultur der Uighuren herausgekommen. Unbedingt lesenswert.

Weitere Links zum Thema auf tethys:

moderne Musik

Religion der Uighuren

Tian’anmen-Massaker II

Seit mehreren Tagen brodelt es in China, verfolgt man die online Presse, die zu seinem Westteil Xinjiang schreibt. Vor mehr als einer Woche kam es in einer Spielzeugfabrik zu einer Massenschlägerei zwischen Hanchinesischen Arbeitern und türkischen Muslimen aus der Westprovinz Chinas Xinjiang. Dabei hatte sich eine chinesische Mitarbeiterin in den Aufenthaltsräumen der Uighuren tätlich angegiffen gefühlt. Daraufhin sind beide Gruppen spontan bewaffnet aufeinander zugegangen, die Folge waren zwei Tote und viele Verletzte. Nun hat sich diese Schlägerei gestern zwischen Uighuren und Chinesen in der Hauptstadt Urumqi im großen Maßstab wiederholt. Die einen fordern Aufklärung, die anderen unterdrücken die Prosteste aus Angst vor einem Flächenbrand. Dabei gab es gestern soviele Tote wie einst auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Nun entlädt sich das, was sich seit Jahrzehnten an Druck auf die Uighuren aufgebaut hat. Wir kennen die Folgen aus Tibet vor einem Jahr, das wird gar nicht heiter werden. Die Demonstranten werden durch die Kamera erfasst und später zu Hunderten von zu Hause abgeholt werden. Es wird Ausgangssperren sogar in Dörfern geben- die totale Kontrolle, wie schon seit Jahrzehnten.

Mehr dazu hier:

Spielzeugfabrik

http://www.reuters.com/article/worldNews/idUSTRE55Q0DS20090627

Gestern in Urumqi:

http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/8135203.stm

Update jetzt auch :

taz

http://www.taz.de/1/politik/asien/artikel/1/schwere-unruhen-in-westchina/

spon

http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,634450,00.html

Die Rockn Roll Dombra

(od) Seit dem Yerboli Ahmedhan 5 Jahre alt ist, spielt er die Zweisaitige (dombra), und gilt jetzt als die Seele der Kasaschischen Volksmusik. Das er jedoch heute die Zweisaitige in der Hand hält, hätte er sich vor zehn Jahren nicht träumen lassen. Da nämlich ist er ausgezogen mit seiner AC/DC Cover Band aus der Autonomen Provinz Xinjiang in die Städte die mehr Auftrittsmöglichkeiten boten, an die Küste des Gelben Meeres.

Im Jahr 2000 kam er jedoch in die Band des Kasachen Mamuer Rayeskan nach yerboli.jpgBejing, der ihm zeigte, dass auch die traditionelle Musik ihre Zuhörer findet. Nun hatte Yerboli sein Rezept gefunden, er mixte seine bisherigen musikalischen Vorlieben mit der Musik seiner Heimatregion, verband den Pop mit den alten Techniken, dem Kehlkopfgesang etwa.

Nun wird das Ausland auf ihn aufmerksam, zur Zeit reist er nach Taipei, wo er zum Bitan Festival der (traditionellen) Folk – Musik eingeladen wurde.

Wer seine Zeit mit der wunderbar ruhigen Musik des Kasachen aus dem Nordwesten Chinas verbringen will, der schaue auf seine Myspace Seite.

Siehe auch hier.

Mit den Schneeleoparden in Nord West China

Stephe Winter hat für 2008 in der Kategorie Natur mit seinen Aufnahmen vom Schneeleoparden den ersten Preis der World Press Foundation gewonnen. Ursprünglich waren das Aufnahmen des National Geographic – Journals, zusammen mit einer hübschen StoryDie Gruppe, die sich um den Erhalt von Schneeleopraden in den frostigen Gebirgen Xinjiangs kümmert, betreibt auch einen Blog, auf dem kann man miterleben, wie es ist, winters wie sommers im Auftrag des Schneeleoparden unterwegs zu sein.

shí, jiǔ, bā, qī, liù, wǔ, sì, sān, èr, yī, líng oder wie China Tadschikistan verbindet


Ein Beitrag von Michael Angermann

shí, jiÇ”, bā, qÄ«, liù, wÇ”, sì, sān, èr, yÄ«, líng…

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Nach ein paar Sekunden ertönt ein lauter Knall hoch über dem Tal des Fan-Flußes, so ziemlich in der Mitte zwischen dem nördlichen und südlichen Teil Tadschikistans, zwischen der zweitgrößten Stadt des Landes Chudschand und der im Süden gelegenen Hauptstadt Duschanbe. Gesteinsbrocken wirbeln durch die Luft. Während ein Wolgafahrer noch ein paar Meter vorfährt, um den fliegenden Lackkillern hinter sich zu entgehen, verfolgt ein Vater mit seinem zweijährigen Sohn auf dem Arm das Geschehen aus unmittelbarer Nähe, zusammen mit ein paar Dutzend interessierten Beobachtern. Continue Reading →

Islam und religiöse Praxis in Ostturkestan

(Ein Beitrag von Paula Schrode)

Die türksprachigen Uiguren (uig. Uyghur) gehören dem sunnitischen Islam hanefitischer Prägung an. Sie bilden eine der größten ethnischen Minderheitengruppen Chinas und leben hauptsächlich in der dünn besiedelten “Uigurischen Autonomen Region Xinjiang” an der Westgrenze der Volksrepublik. Ein Großteil der uigurischen Bevölkerung betreibt Ackerbau und Viehzucht. Die Oasenstädte, die das Tarim-Becken und die Wüste Taklamakan rings umgeben, sind bis heute hauptsächlich uigurisch geprägt, wenngleich die “Sinisierung” (chinlashturush), d.h. vor allem der von staatlicher Seite forcierte Zuzug von Han-Chinesen, stetig voranschreitet. Als ein Ergebnis dieser Politik haben die Uiguren laut offiziellen Quellen ihren Status als größte ethnische Gruppe Xinjiangs in jüngster Zeit an die Han-Chinesen abgetreten. Während der Süden des Landes noch vornehmlich agrarisch geprägt ist, haben sich in den letzten Jahrzehnten im Norden auch einige industrielle Zentren und hauptsächlich chinesisch dominierte Städte entwickelt. Continue Reading →

Der Zug in den Westen …

(Ein Beitrag von Olim devona)

China und der chinesische Westen verbindet seit Jahrhunderten eine gemeinsame Geschichte. Mit der Okkupation Tibets 1951 wurde die heutige Autonome Region Tibet politisch in das heutige China integriert. Seit dem Deng Xiaoping in der Mitte der 80er Jahre mit der Liberalisierung der chinesischen Planwirtschaft begann, wandelt der Transformationsprozess in der gesamter Volksrepublik China soziale Ordnungen, Infrastrukturen und wirtschaftliche Beziehungen. Wie schon aus zahlreichen Beispielen aus den 1960er Jahren bekannt, versucht die chinesische Regierung den sozialen und wirtschaftlichen Wandel des Landes in “großen Sprüngen” zu beschleunigen und es auf das Niveau der westlichen Mächte zu bringen. Continue Reading →

Die Mittelfingerkasachen von Kanal 3

(Beitrag von Michael Angermann)

Es ist früh am Abend, in der Nähe des großen Basars betrete ich das Berkhut-Restaurant (dt. Zum Adler). Schnell geht es in die zweite Etage. Die Männer sitzen in der einen Ecke und spielen so etwas Ähnliches wie Preisskat, ein anderer Teil gruppiert sich um den Karaokefernseher und raucht. Die Damen haben sich am anderen Ende des Raumes niedergelassen und plaudern ausgelassen. Eine Art Polterabend sei das hier, wird mir nahe gelegt, nächste Woche wird dann geheiratet. Eine Moderatorin und ein Moderater von XJTV-3, der kasachischen Sparte des Xinjiang Fernsehen, werden dann vor dem Mullah stehen und sich auf Ewigkeit binden. Continue Reading →