afghanistan auf arte

Auf arte gibt es seit kurzem eine umfangreiche Sammlung von Berichten, Dokumentationen und Portraits aus den letzten 10 Jahren Afghanistan:
10 Jahre, 100 Blicke bietet eine Vielzahl an kürzeren und längeren Beiträgen. In den interessanteren davon sind auch die Perspektiven der Menschen aus Afghanistan vertreten. In einem Portrait Dostums etwa, begleitet ein Kamerateam den General und damaligen Sondergesandten Karzais im Frühjahr 2003 auf seiner Fahrt in verschiedene Orte Nordafghanistans – Ziel dieser Mission war die Entwaffnung verschiedener Gebiete und Dörfer. Noch sind nicht alle Beiträge online.

10 Jahre Krieg in Afghanistan

Am 7. Oktober 2001 startete die militärische Intervention der US-Amerikanischen Truppen und ihrer Verbündeten in Afghanistan. Trotz der durchaus positiven Ausgangslage manövrierte sich die internationale Staatengemeinschaft unter US-Amerikanischer Führung in eine wie es scheint ausweglose Lage.

Unter dem Titel “10 Jahre Intervention in Afghanistan” wurden auf der Seite der Deutschen Welle eine Reihe von Beiträgen gepostet. Der interessanteste davon ist ein Gespräch mit Thomas Ruttig vom afghanistan analyst network über vertane Chancen, westliche Ignoranz, Zynismus und die Enttäuschung auf Seiten der Afghanen.

Nachzulesen ist das Interview hier.

Der Weg der Paschtunen

Auf der Seite des Afghanistan Analysts Network (AAN) gibt es seit ein paar Wochen eine umfassende und klar strukturierte Darstellung des sogenannten Paschtunwali.

Das Paschtunwali kann als idealisiertes Selbstporträt der Paschtunen interpretiert werden und enthält alle Traditionen, mit denen sich die Paschtunen, nach ihrem Verständnis, von anderen ethnischen Gruppen unterscheiden und die ihre Beziehungen untereinander regeln: Ihr Stammesgeist, ihr ausgeklügelter Ehrenkodex, moralische und ethische Verhaltensregeln, die Forderung nach kriegerischer Tapferkeit, Interessenausgleich und Beratung, dem Gewohnheitsrecht und nicht zuletzt den islamischen Glauben.

Lutz Rzehak geht in seinem Beitrag Doing Pashto davon aus, dass bedingt durch die grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen in Afghanistan das Ideal des Paschtunwali nach drei Jahrzehnten Krieg mit anderen Wertesystemen konkurriert. Ein historischer und grundlegender Einblick in das traditionelle Werte- und Regelsystem der Paschtunen ist jedoch unbedingt notwendig um die heutige Gesellschaft in Afghanistan verstehen zu können.

Start: Crossroads Asia

Das neu ins Leben gerufene wissenschaftliche Kompetenznetzwerk Crossroads Asia stellt sich am Donnerstag den 7. April in Berlin zum ersten Mal einer breiteren Öffentlichkeit vor.

Der geographische Untersuchungsraum dieses Kompetenznetzwerks … reicht vom östlichen Iran bis Westchina und vom Aralsee bis nach Nordindien” und umfasst somit ziemlich deckungsgleich die von Tethys in den Blick genommenen Regionen. Bei beiden bildet Afghanistan den Knotenpunkt dieser Raumkonstruktion.

Ziel dieser auf vier Jahre angelegten fächerübergreifenden wissenschaftlichen Initiative mehrerer über ganz Deutschland verteilter Institutionen ist es, neue Fragen und Perspektiven an und auf diesen Großraum und die dort befindlichen Gesellschaften zu richten sowie deren Vernetzung zu untersuchen.

Insgesamt 15 Subprojekte sind bei dem vom bmbf finanzierten Großprojekt auf drei thematische Schwerpunkte verteilt. Bei diesen handelt es sich um Konflikt, Migration und Entwicklung.

Die einzelnen Projekte versprechen eine intensive und thematisch breit gestreute Auseinandersetzung mit Themen und Problemen der Region und man darf auf die ersten Arbeitsschritte und Ergebnisse der verschiedenen Forschergruppen gespannt sein.

So sehr diese Initiative zu begrüßen ist, muss man doch die Frage stellen, wie es sein kann, dass eine derart groß angelegte Anstrengung erst jetzt, 2011, zehn Jahre nachdem Afghanistan in Deutschland (zumindest zeitweilig und partiell) ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt ist, ins Leben gerufen wurde. Aber besser spät als nie.

Guten Start!

Afghanistan vor 50 Jahren

Rede von Reinhard Schlagintweit, Kulturatachee der Deutschen Botschaft Kabul von 1958 bis 1961, anläßlich der Eröffnung der Afghanistanausstellung im Mauritianum Altenburg

Vor ein paar Wochen wurde ich freundlich eingeladen, mich in fortgeschrittenem Alter noch einmal an mein Lieblingsland zu erinnern und darüber zu sprechen. Ich tue das sehr gern. Denn Afghanistan war mein und meiner Familie Lieblingsposten in einer mehr als 40 Jahre dauernden Tätigkeit im Auswärtigen Dienst. Nicht nur uns ging es so. Ich kenne niemand, der damals, und auch später noch, in Afghanistan lebte und der nicht sein Leben lang von diesem Land und seinen Menschen schwärmte.

Fotos von der Reise nach Nuristan 1958

Fotos von der Reise nach Belutschistan, 1959

Im letzten Jahr meines Dienstes in der Türkei hatte ich bei der Personalabteilung in Bonn mein Interesse an einem Posten in Afghanistan angemeldet. Ich war gern in der Türkei und hoffte wohl, in Afghanistan eine Steigerung der für uns so anderen, reizvollen Welt des muslimischen Orients zu erleben. Von Afghanistan hatte ich keine Ahnung. Mich reizte das Unbekannte, Abenteuerliche, das ich mit diesem Namen verband. Als ich meiner Frau beichtete, was ich mit dem Personalreferat besprochen hatte, war sie nicht begeistert. Wir waren eine fünfköpfige Familie, das jüngste Kind war noch keine zwei Jahre alt. Gerade zu dieser Zeit gab es einen ernsten Konflikt zwischen Afghanistan und seinem Nachbarn Pakistan. Pakistan sperrte zeitweise den Khyber Pass, den wichtigsten Grenzübergang; häufig mussten Transitgüter nach Kabul wochenlang auf die Genehmigung zur Weiterfahrt warten. Für eine Mutter von drei Kindern war das nicht besonders verlockend. Nach ein paar Wochen, als keine Alarmnachrichten mehr eintrafen, sagte sie: Also wenn du so gerne nach Afghanistan willst – ich komme mit. Das schaffen wir schon.
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Neues Blog über Afghanistan

Der eine oder andere hat vielleicht daily outlook Afghanistan schon als elektonische Zeitschrift gelesen. Wer dies regelmässig tut, dem werden die nächsten Zeilen keine Neuigkeit sein. Wer die Zeitung über afghanische Politik und afghanischen Alltag noch nicht kennt, der sollte unbedingt hereinschauen. Denn seit wenigen Tagen ist die Zeitung auch als Blog zu lesen. Dass ist angenehmer, als die vorherige epaper Ausgabe.

Anders als bei der normalen epaper Ausgabe, die es weiterhin gibt, sind nun grössere Stories in die Katergorien National, International, Environment, Politics, Security und Health geordnet und besser bildschirmlesbar aufbereitet.

Wir sagen von Weitem nur Chapeau! Chapeau! Dr. Kaja. Ein eindrucksvoller relaunch…

Der Malang oder die Wunderkraft des Derwischmantels

Mazar aka, der Malang

Mazor aka, der Malang

Mazor aka gehörte zu meinen ersten Bekanntschaften in der Zigeunergruppe der Chaqon. Er war alt und hatte sich in jungen Jahren ein, zwei Mal beim Buzkashi, einem archaisch anmutenden Reiterspiel, das Bein gebrochen. Das machte ihn auf seine alten Tage zunehmend unbeweglich. So blieb er die meiste Zeit zu Hause und bewachte das Haus, in dem die Familie des Großen Ghulom wohnte.
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Kabul’s eleven

Eine tolle Geschichte; und eine traurige. Lesenswert allemal. Es geht dabei um die Veruntreuung – eigentlich um den Raub – von sage und schreibe neunhundert Millionen Dollar; oder mehr. Und das alles mit Hilfe einer Bank; der Kabul Bank und den mit ihr verbandelten Politikern und Geschäftsmännern aus dem Umfeld der amtierenden Regierung in Kabul.

Diese Geschichte passt recht gut zu unserem letzten post – sie bildet gewissermaßen den Gegenpol zu dem dort angeführten Beispiel einer positiven und angemessenen Zusammenarbeit.

Die Geschichte der Kabul Bank hingegen steht exemplarisch für das, was mit den Abermillionen US-Dollars, die seit 2001 nach Afghanistan gepumpt wurden bisher erreicht wurde. Der von Dexter Filkins kürzlich im newyorker publizierte Beitrag (s.o.) zeigt einmal mehr das Ausmaß der westlichen Fehlinvestition, bei der die Clique international gut vernetzter Geschäftsmänner und Politiker, auf die Amerikaner und deren Mitläufer ihre sogenannte Afghanistan-Strategie aufbauen, den Löwenanteil kassieren. Die am Geschäft beteiligten kriminellen Strukturen laufen quer durch alle Lager, der an den militärischen Auseinandersetzungen beteiligten Gruppen, und scheinbar wie selbstverständlich bis nach ganz oben in die politische Führung in Kabul.

Wieviel von den Mitteln, die eigentlich für den Aufbau des Landes vorgesehen waren und sind wieder zurück nach USA und Europa fließen – etwa in Form von Militärausgaben, Gehältern und Projektmittel für zweifelhafte Großbauprojekte – oder in derartigen EZ-Projekten in den afghanischen Sand gesetzt werden, sollte aber durchaus auch einmal beziffert und beschrieben werden. Aber das wäre wohl weniger spektakulär, als ein dreister Bankraub in Milliardenhöhe – und müsste ganz allein auf die eigene Kappe genommen werden.

Auf 430 Millionen Euro hat die Bundesregierung in einer Regierungserklärung die “zivilen Mittel” für Afghanistan für das Jahr 2010 veranschlagt – verbal verpackt in einen “Strategiewechsel… hin zu einem sehr viel stärkeren zivilen Engagement”. Bleibt abzuwarten, was und für wen diesmal dabei etwas rumkommt.

Die Balutschi-Akademie in Zarandsch – Ein Kurzportrait

baluchi-akw1 Seit 2010 gibt es in Zarandsch die Balutschi Akademie. Dieses zivilgesellschaftliche Projekt wurde auf Initiative von Mansur und Lutz Rzehak mit minimalem finanziellem Aufwand geplant und umgesetzt. Die Mittel für den Bau der Akademie wurden von Vertretern der Belutschen in Afghanistan und im Exil aufgebracht. So kann erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit in Afghanistan aussehen- kostengünstig und nachhaltig. Continue Reading →