Ein unangenehmer Vorteil

Ein Beitrag von Lutz Rzehak

Das Gauhar-Shad-Mausoleum - Foto Lutz Rzehak (2005)

Das Gauhar-Shad-Mausoleum in Herat – Foto Lutz Rzehak (2005)

Reste blauer Fliesen an einer Kuppel aus gebrannten Ziegeln lassen den Glanz vergangener Zeiten erkennen. Immerhin: Das Gebäude steht noch. Die vier riesigen Minarette, die sich in unmittelbarer Nähe gekrümmt, aber hartnäckig gegen den Himmel strecken, als wolle jedes von ihnen dem schiefen Turm von Pisa seinen Ruf streitig machen, sind dagegen das einzige, was von der Moschee übrig geblieben ist, deren Ecken diese Minarette einmal säumten. Die Kuppel mit den Resten blauer Kacheln bedeckt das Grabmal jener Frau, die diese Minarette und die nicht mehr vorhandene Moschee vor mehr als einem halben Jahrtausend in Herat errichten ließ. Königin Gouhar Schad war eine Schwiegertochter Timurs des Lahmen und doch Großen. Aber nicht für weitläufige Feldzüge und kurzlebige Eroberungen, sondern für ihre außergewöhnliche Bautätigkeit wird diese Frau, deren Name “frohe Perle” bedeutet, als Bauherrin der architektonischen Perle Herat in froher Erinnerung behalten.

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Ishkashimi

Ein Beitrag von Nazar Nazarov

Ishkashim ist eine hochgelegene und schwer zugängliche Region im Hindukusch und Pamir. Ein Regierungsbezirk gleichen Namens gibt es sowohl auf der afghanischen wie auch auf der tadschikischen Seite des Pandsch.

Ishkashim

Straße bei Ishkashim, Tadschikistan – Foto: Karvovskaya

Seit dem Britisch-Russischen Grenzabkommen von 1895 bildet der Fluss Pandsch die Grenze zwischen dem Russischen und Britischen Einflussbereich und zerteilt damit die entlang dieses Flusses lebenden Sprachgemeinschaften (u.a. Shughni, Wachi, Ishkashimi). Auch heute bildet der Pandsch die Grenze zwischen Tadschikistan und Afghanistan (nach dem Zufluss des Vachsch im Flachland Südtadschikistans heißt der Pandsch dann Amudarja). Zu Zeiten der Sowjetunion war diese Grenze Sperrgebiet und praktisch nicht zu überwinden. Es waren zwei scharf voneinander getrennte Welten, deren Entwicklung bis zu Beginn des 21. Jhd gänzlich unterschiedlich verlief. Continue Reading →

Kabul einmal anders

Vor kurzem veröffentlichte Friederike Böge in der faz einen sehr schönen Beitrag über Kabul. Und auch wenn die Autorin, die längere Zeit selbst in der Stadt lebte, einiges ausblendet und hin und wieder mit ihren Einschätzungen daneben liegt (“Bildnisse sind unter den Sunniten verpönt”?), zeichnet sie in ihrem Beitrag doch ein Portrait der afghanischen Hauptstadt, wie man es in deutschen Medien nur selten findet. Böge führt uns nach Westkabul und blickt aus der Dasht-e Barchi auf die fragmentierte Stadt. Eine weitere Geschichte aus der Dasht-i Barchi, das selten gemeint ist, wenn in den Nachrichten von “Kabul” die Rede ist, findet man hier bei uns.

und hier noch drei Bilder aus Dasht-e Barchi – bei Sonne, bei Regen und bei Schnee:
Dasht-i Barchi SonneDasht-e Barchi Regen Dasht-e Barchi bei Schnee

Bilder von der Beerdigung Massuds

Grablegung Massuds

Grablegung Ahmad Shah Massuds

Nur noch sieben Tage sind auf arte+7 die beeindruckenden Bilder zu sehen, die im Spätsommer 2001 auf der Beerdigung Ahmad Shah Massuds in seinem Heimatdorf von seinem Chefkameramann und seinem Team aufgenommen wurden. Für die arte-Reihe “Verschollene Filmschätze” wurden 26 Minuten davon zusammengeschnitten und kommentiert. Continue Reading →

Langer Marsch für Gerechtigkeit

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Karte Belutschistans gepostet von der Konferenz Belutschistan: vergessenes Volk, leidendes Volk s.u.

Mohammad Hanif ist neben Mohsin Hamid der wohl interessanteste zeitgenössische auf Englisch publizierende Autor aus Pakistan. Neben seiner Schriftstellertätigkeit setzt sich Mohammad Hanif auch für politische Themen ein. Auf dem blog „naked punch“ bezog er in einem Interview Stellung zu der in Pakistan und international totgeschwiegenen Protestbewegung der Belutschen. Continue Reading →

Afghanistan: Innen und außen – ein Gespräch Teil2

Zeichnung einer Kalasha und ihres Sohnes 1991 - copyright Karl Wutt

Zeichnung einer Kalasha und ihres Sohnes 1991 – copyright Karl Wutt

Karl Wutt im Gespräch mit Christian Reder – Teil 2:

Das Gespräch über Afghanistan und das “was wir sehen” ist dem Buch AFGHANISTAN von innen und außen – Welten des Hindukusch (Springer Verlag 2010) entnommen. Wir drucken Teile dieses Gesprächs mit freundlicher Genehmigung des Herausgebers Christian Reder auf tethys ab. Das Hauptaugenmerk des Bandes liegt auf den Pashai und den Kalasha, die Karl Wutt auf seinen Reisen nach Afghanistan und angrenzende Regionen seit den frühen 1970er Jahren immer wieder besucht, beschrieben und porträtiert hat.

“Afghanistan von innen und außen berichtet von vielschichtigen Erfahrungen im Land und subtilen Qualitäten, wobei ein weites kulturelles Umfeld einbezogen wird. Erzählungen, Porträts, Fotos wunderbarer Architekturen und Schnitzereien oder durch ihren Eigensinn faszinierende Zeichnungen machen Lebensweisen im Übergang von Tradition zu unabsehbaren Formen von ‘Moderne’ anschaulich.” (Klappentext)

Fortsetzung: Continue Reading →

Afghanistan: Innen und außen – ein Gespräch Teil1

Wutt_Afghanistan TitelAbseits der Hysterie und des Auf und Ab medialen Interesses an Afghanistan erschien 2010 ein Buch, das unserer Meinung nach bisher viel zu wenig Aufmerksamkeit erfuhr. Karl Wutt: Afghanistan von innen und außen – Welten des Hindukusch. Zu wenig Aufmerksamkeit? Verständlich, da Karl Wutt, der sich seit den frühen 1970er Jahren intensiv mit den Gesellschaften und Kulturen Afghanistans und Pakistans beschäftigt, noch immer einen unaufgeregten und sehr genauen Blick auf den Alltag, die Dinge und die Menschen dieser Region richtet und damit die Masse der kurzatmigen politisch und militärisch motivierten journalistischen und akademischen “Berichterstattung” des letzten Jahrzehnts unterläuft und desavouiert. Die Texte und die in den letzten 40 Jahren entstandenen Fotografien und Zeichnungen Wutts führen den Leser und Betrachter ein in die Lebenswelt der Paschai und Kalascha. Gleichzeitig reflektiert Karl Wutt stets seine Rolle als Reisender, Gast und Beobachter. Der von Christian Reder herausgegebene Gegenentwurf zu den medial vermittelten und zunehmend gröber gewordenen Eindrücken von Afghanistan bietet eine erfrischende und inspirierende Lektüre, vor allem für diejenigen, die etwas von fremden Kulturen verstehen wollen oder gar mit dem Gedanken spielen selbst etwas über fremde Welten schreiben zu wollen.

Wir veröffentlichen auf tethys in zwei Teilen das dieses Buch einleitende Gespräch des Herausgebers mit dem Autor. Warum? Weil es uns beeindruckt und wir hoffen, dass es unseren Lesern Lust macht auf mehr: Afghanistan von innen und außen.

Karl Wutt im Gespräch mit Christian Reder Continue Reading →

Batscha pusch

Auf arte+7 ist noch kurz (leider nur noch bis morgen!) ein Film zu sehen, der sich erfreulich unaufgeregt und sehr einfühlsam mit den sogenannten “Batscha Push” beschäftigt. Als “Batscha Push” werden in Afghanistan Mädchen bezeichnet, die von ihren Familien als Jungen gekleidet und als Söhne erzogen werden – dies ist bei Familien der Fall, die selbst keine Söhne haben. In den Familien ersetzen diese Mädchen dann den fehlenden Sohn. In der Öffentlichkeit werden diese als Jungen verkleidete Mädchen als Jungen wahrgenommen.

Die Filmemacherinnen führen uns nach Mazar-e Sharif. Im Januar 2013 entstand dort dieses bewegende Portrait von Toheba und Ruzona alias Shafi und Muhammad.
Absolut sehenswert:

“Tohebas Geheimnis” von Kathrin Eigendorf und Shikiba Babori
Produktion der CineCentrum (ZDF mit arte) 2013

living in mazar

Wie schlägt man sich als frisch gebackener Mitarbeiter in der sogenannten Entwicklungszusammenarbeit in Afghanistan und was beschäftigt einen jungen aufgeschlossenen Europäer, wenn er plötzlich in einem Land arbeiten soll, von dem er vor seiner Abreise nur eine recht vage Vorstellung hatte?

Wer dies verfolgen möchte, der kann dies seit einem Monat auf seinem blog livinginmazar tun:

Ich werde in den nächsten Monaten von meinen Erfahrungen und Erlebnissen in diesem doch nicht ganz einfachen Land berichten. Worüber ich nicht schreiben werde, ist meine Arbeit, die ich hier weitestgehend ausklammern werde. Im Mittelpunkt dieses Blog sollen das Land, die Leute und meine persönlichen Erfahrungen im Umgang mit diesen stehen. Das dürfte dann auch … spannender sein als Berichte über Meetings und Sachstandsberichte.