Kyrgyzstan and the wild man riddle: More questions than answers

An article by Gustavo Sánchez Romer is a Crypto-zoologist, zoologist and museologist

 

The Snow Man in Kyrgyz Mountains, collage by Gustavo Romero Sanchez

The Central Asian Wildman is a mystery within an enigma. In this article the reader will find lots of questions marks, a clear indication of the previous sentence. In a country like Kyrgyzstan, where 90% are mountains and the average height is 2.700 m. the alleged… hairy biped? has lots of places to hide in valleys and gorges remaining undetected. Are we talking about a new primate species? Or maybe an unknown mammal, maybe from the bear family? Relict population of Neanderthal man? Stranded offshoot of our past human evolution developing in isolation into an unknown form?

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Mittelasiatische Schafe und russische Eisenbahnen: Raumgreifende eurasische Lammfell- und Fleischmärkte im 19. und frühen 20. Jahrhundert

Wolfgang Holzwarth, Orientalisches Institut der Universität Halle

 

Illustrated London News

Illustrated London News

Das Titelblatt der Illustrated London News vom 10. September 1910 zeigt den Innenhof einer Karawanserai in Buchara. Einige Männer in Turbanen und Baumwollmänteln präsentieren einem tatarischen Aufkäufer schwarze Lammfelle der Schafrasse, die man damals in England unter dem Namen „Astrakhan“ – in Deutschland eher als „Persianer“ oder „Karakul“ – kannte. Die Illustrierte berichtete:

From Bukhara some million and a half astrakhan skins are sent each year to Europe and to America, and during the buying season such scenes as this, which shows a buyer engaged by Messrs. Révillon Frères purchasing skins, are common in the market-place. The lambs whose skins are known as astrakhan are specially bred for the purpose and some flocks contain as many as 5000 heads. The skins are roughly dressed before being exported. Experiments have been made in the breeding of lambs for astrakhan in various parts of Asia and Europe, but it is claimed that Bukhara alone provides the best lambs for the purpose.”

Die Geschichte hinter dieser Zeitungsmeldung ist eine der facettenreichen kolonialen Durchdringung der Lebenswelten mittelasiatischer Nomaden, die ein Forschungsprojekt am Orientalischen Institut der Universität Halle untersuchte.

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Schöne Bescherung

Ail im Kizil Tash Tal

Ail im Kizil Tash Tal

Als Bert Fragner vor 8 Jahren das nunmehr ausgelaufene Projekt “Cross Roads Asia” in Berlin mit einem Einführungsvortrag eröffnete, rügte er augenzwinkernd die Gestalter des Projekts für ihre Kurzsichtigkeit. Diese hatten nämlich Cross Roads Asia definiert als eine Metapher für Zentralasien, wollten gleichzeitig aber jede Geographie ablegen und sich nur den Netzwerken widmen, die den Kontinent zwischen Südasien, Ostasien und zum Teil Nordasien verbanden. Bert Fragners Cross Roads kam ohne Kontinent aus, ließ aber gleichzeitig nicht die Geographie ausser Betracht. Er verband die Iberische Halbinsel mit dem alten China, die Hsiung Nu in der Gobi mit der panonischen Tiefebene, die Avaren an der Mittelmeerküste mit den Weiten Sibiriens, den Süden Afghanistans mit der Ostküste Afrikas, Grabbeigaben in Gräbern des Altai mit dem Kaukasus, Indien und China. Continue Reading →

edition tethys_2016

Karl Wutt: At the Second Glance. Afghanistan. Auf den zweiten Blick. Lieferbar ab Mitte Februar 2017

Cover zu Karl Wutt: At the Second Glance. Afghanistan. Auf den zweiten Blick. edition tethys 2017

Liebe Besucher und Besucherinnen dieses blogs. Zugegeben: Wir waren blogtechnisch ziemlich faul in diesem Jahr. Dafür waren wir in unserem 2015 gegründeten Verlag edition-tethys um so aktiver. Und alle, die Texte auf diesem blog vermisst haben, können jetzt folgende Bücher bei uns bestellen und gemütlich offline lesen:

    1. Reinhard Schlagintweit: In Afghanistan. 1958-1961 (2016)
    2. Jürgen Wasim Frembgen: Sufi Tonic. Unterwegs in Pakistan und Indien. (2016)
    3. Karl Wutt: Auf den zweiten Blick – Afghanistan – At the Second Glance (2017)

lieferbar ab Mitte Februar 2017 _ bestellen könnt ihr schon jetzt!

Außerdem noch immer im Angebot: unser erster Band “Begegnungen am Hindukusch” (2015) sowie Franziska Muckenthaler: nyamancela-Die Müllsammler von Bamako (Mali) ebenfalls von 2015.

Im Januar starten wir auch eine neue Reihe: tethys_wissenschaft. Als erster Band dieser Wissenschaftsreihe wird im März 2017 erscheinen: “Ancient Currents, New Traditions” Herausgegeben von Franz Xaver Erhard et al. (Proceedings des 4. International Seminar of Young Tibetologists, das im September 2015 in Leipzig abgehalten wurde) _ auch in dieser Reihe legen wir großen Wert darauf, interessante und bezahlbare Bücher zu produzieren.

Wir freuen uns über Eure Bestellungen: Alle Preise und mehr Infos zu unseren Büchern und unseren Verlag auch auf edition-tethys.org

Einen guten Neustart 2017 wünschen
Olaf und Thomas

Auch über Texte für den blog oder für die edition-tethys freuen wir uns weiterhin…

Im Camp des weinenden Kamels

Eine Gruppe Novosibirsker Outdoorfreaks kaufte sich vor einigen Jahren im Hohen Altaj ein Stück Land am Fuße des Tyttuaryq Tales. In den oberen Bereichen des Tales haben einige Familien ihre Dauerresidenzen und Sommerweiden, bewirtschaften den Fluß mit seinen zahlreichen Pappelbäumen wie die meisten Telengiten hier: Kühe für die Milch- und Käseproduktion, Schafe- und Ziegen für die Fleischproduktion. Der Teil, an dem der Fluß in ein engeres Tal mündet und von dichtem Weidengestrüpp gesäumt wird, haben die Novosibirsker erstanden. Sie errichteten darauf 9 Jurten und bieten diese, sowie den freien Platz drum herum zum übernachten an. Sie nennen ihr Camp das Tal zum Goldenen Kamel, eine Anspielung auf den goldenen Altaj, Kamele und deren goldene Grabbeigaben, die heute noch in der Souvenirwelt des Altaj lebendig sind.

 

Jurten-Camp im Altaj, der neue Trend

Jurten-Camp im Altaj, der neue Trend

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Viehwirtschaft im Kuraj-Tal

Das Kuraj Tal liegt heute an der Transitstrecke zwischen Rußland und der Mongolei. Im Talkessel liegen zwei Dörfer Kyzyl Tash und Kuraj selbst, die Zentrum für eine ganze Reihe von Wirtschaften sind, die in den Tälern zwischen dem Gebirgszügen des Kuraj Gebirges und der Chuj Gebirges verteilt liegen. Diese Wirtschaften beschäftigen sich mit der mobilen Viehzucht. Einige haben an ihren Winterstationen auch kleine Anteile an Gartenbau. Wegen des kurzen Sommers und der häufigen Sommerfröste im Juli und August gedeihen hier lediglich Kartoffeln, Mohrrüben, Rote Beete und Zwiebeln, dazu allerlei Kräuter wie Dill und Petersilie. Die Wälder rings um die Weiden geben zusätzlich Beeren (wilde Erdbeeren, schwarze Johannisbeeren, Sanddornbeeren) her. Die Wälder im Tal sind wahre Edlorados für die Pilzesammler. Wer die richtigen Stellen kennt, und den richtigen Zeitpunkt, hat schnell den Wintervorrat für marinierte Pilzen zusammen und kann den Rest in Kosh Agach verkaufen. Die dortigen Kasachen nehmen diese Pilze mit Kußhand. In besonders feuchten Sommern kann eine ganze Stange Geld dabei rausspringen.

Für die Viehzucht und den Ackerbau gibt es in weiter nördlich gelegenen Teilen des Altaj weitaus günstigere Standorte (Ongudaj, Chemal, Ulangan). Wegen des kurzen Sommers und der langen schweren Winter nennt man das Kuraj-Tal auch Kan Kuraj oder blutiges Kuraj. Das hat weniger mit Kriegen, die im Altaj geführt wurden, zu tun, sondern eher mit dem Verlust an Vieh, den ein harter Winter den Viehzüchtern hier beschert.

Das Kuraj Tal. Blick von Osten

Das Kuraj Tal. Blick von Osten (Klicken macht Groß)

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Neues vom Tisch der Götter

Der Altai liegt in vieler Hinsicht in einem Fadenkreuz. Schaut man auf die Karte, so kann man zum Beispiel die Nationalstaatlichen Grenzen von vier Staaten entdecken, die dieses Gebirge unter sich aufteilen, es ist Staatsgebiet Chinas, der Mongolei, Rußlands und Kasachstans. Dass der Altai verwaltungstechnisch aufgeteilt ist, ist seit den Söhnen Chingiz Khans Normalität. Als Chingiz Khan daran ging, sein Weltreich aufzuteilen, bekam jeder seiner Söhne jeweils einen Anteil vom Altai: Chagataj (Zentralasien, Kasachstan), Batu (Goldene Horde, Rußland) Chödzhi (Mongolei) und schließlich Qubilaj Khan (China). Dass das nicht ganz genau stimmt und zu dieser Einigung 30 Jahre nötig waren und eine ganze Anzahl von Bruderkriegen, wollen wir hier durch das Fernrohr der Geschichte getrost übersehen.

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Mit Kamelen durch die Wüste…

Was sich auf den ersten Blick wie ein typisches Thema aus dem Raum Zentral- oder Vorderasiens anhört, weist in Wirklichkeit auf Australien hin. Wer wusste denn bisher schon, dass die Erschließung Australiens durch die Britten vor allem mit Kamelführern aus Afghanistan und dem Norden Indiens von statten ging? Sicher, den australischen Lesern unseres Blogs wird es geläufig sein, dass viele Friedhöfe in Australien auch eine Muslimische Abteilung haben mit nach islamischen Ritualbräuchen beerdigten Menschen. Allen anderen aber wird diese Seite hier empfohlen. Sie führt ein in die Thematik der Landerschließung Australiens durch die Kamelführer, in die Beziehungen dieser zu den australischen Ureinwohnern und vieles andere mehr.

Viel Lesespass wünscht die Tethys Redaktion

Die mit den Flüssen tanzen, bede und boira im Ganges Delta

Ein Forschungsbericht von Olaf Günther, Mauritianum Altenburg

Bangladesh ist mit 161 Millionen Einwohnern eines der dichtbesiedeltsten Länder der Welt und Teil eines Wassersystems, das gemeinhin als Ganges Delta bekannt ist. Jedoch fließt hier nicht nur der Ganges in die Bucht von Bengalen, sondern zwei weitere, im Himalaya entspringende Flüsse, der Brahmaputra und der Meghna. Sie alle treffen an der Schnittstelle des indischen Subkontinents und des asiatischen Kontinents zusammen und bilden hier ein riesiges Delta. Über die Jahrtausende haben sie mit ihren Löß-, Sand- und Schlammmassen ein ins Meer vorgeschobenes Land erschaffen. Bei Ebbe fließt in vielen Kanälen des Deltas das Flusswasser meerwärts, bei Flut fließt das Seewasser landeinwärts. In der Regenzeit überschwemmen die Himalayaflüsse die Dörfer mit Wasser, in der Trockenzeit dominiert an vielen Orten das Meerwasser, was zu salzigem Trinkwasser führt.

Schaufelraddampfer aus Zeiten des British Empire, noch heute viel genutzt

Schaufelraddampfer aus Zeiten des British Empire, noch heute viel genutzt

Die Masse an Menschen, die ein Land bewohnen, das weniger als halb so groß ist wie Deutschland, sind ein deutliches Zeichen für die Fruchtbarkeit des Bodens dieses Deltas. Die Ernte wird jedoch auf einer sehr dynamischen und risikoreichen Grundlage erwirtschaftet, denn häufig werden aus Flusswassern reißende Ströme, die Inseln in der Größe einer Kleinstadt fortspülen können. In der Zeit der Cyclone wird aus dem Indischen Ozean ein durch reißende Stürme gepeitschtes Meer, das tief bis ins Landesinnere vordringt und Menschen, Felder, Wirtschaften und Behausungen wegschwemmt.

In der longue duree, also einem Zeitraum von 2.000-3.000 Jahren gesehen, ist der richtige Umgang mit dem Wasser, wesentlich für das Überleben der Deltabewohner. Auch in der lokalen Folklore kann man sehen, wie zentral das Wasser der Himalayaabflüsse für die Menschen im Delta ist. In den baor Liedern, den Bootsliedern der Fischer und Flussfahrer, in den Mythen und religiösen Geschichten, in der Personifizierung von Flüssen und Nebenarmen, die sich lieben, sich miteinander vereinen oder wieder entzweien ist das Wasser Motiv, Akteur oder Grundlage der Erzählung.

Über den langen Zeitraum von 2-3.000 Jahren können mit dem Wasser viele Wanderungsbewegungen von Menschen und Kulturen nachverfolgt werden. Im Delta verschwimmen die Grenzen. So führte z.B. die langsame Verlagerung des Flussbettes des Ganges in Richtung Osten auch zur Verlagerung des zentralen Siedlungsraumes von Westbengalen nach Ostbengalen. In die gleiche Richtung wanderten dann auch die mit den jeweiligen Menschen verbundenen Religionen, der Hinduismus oder später der Islam. Diese Bewegungen führten zu Vermischungen der beiden großen Religionen, hinzu kamen kleinere lokale Kulte. Viele der Heiligen werden heute als Helden in den beiden großen Religionen des Deltas verehrt und viele religiöse Mythen sind Teil der hinduistischen wie auch der islamischen Folklore.

Da alle Flüsse des Deltas vorher indisches Territorium durchqueren, hält neuerdings ein bestimmtes Thema die Menschen des Deltas fest im Griff. Es ist der Staudammbau auf der indischen Seite, der nicht nur der Energiegewinnung dient, sondern auch noch eine Reihe von Neuland- und Wüstenbegrünungsprojekte ermöglichen soll. Projektiert wurde der Staudamm schon in den 1950er Jahren. Ein Ziel war die Flutprävention im Delta. Die Folgen des Projektes sind jedoch negativ für die Deltabewohner. Einerseits halten die Dämme die Lössbestandteile des Wassers in den Stauseen fest. Dies führt zur Versandung der fruchtbaren Deltafelder. Andererseits kommt es durch das Abführen des Flußwassers für die Neulandgewinnung in Indien (Bihar) zu einem Wassermangel im Delta, der wiederum zum Verlanden der Kanäle führt, den bisher wichtigsten Verkehrswegen dort.

Diese veränderten Bedingungen im Delta fand ich vor, als ich mich auf die Suche nach den bede machte, einer indigenen Bootszigeunergruppe, die sich traditionell der ambulanten Heilung, Reparatur von Haushaltsgegenständen und dem Auffinden verlorener Wertsachen in Teichen widmet. Doch waren die bede nur ein Teil der mobilen Gruppen im Delta. Hier leben ebenso mobile Fischerfamilien (boira), deren Lebensmittelpunkt das Boot ist, Honigsammler, die Sammelexpeditionen in die Mangrovenwälder unternehmen, Sammler von Schilf (bowali) und anderem Flechtmaterial, die den Grundstoff der Matten aus den Deltawäldern in die Werkstätten der Schilfmattenflechter bringen, oder mobile Schweinezüchter (kowra), die in zyklischen Abständen die Deltadörfer besuchen und Schweine verkaufen. Diese alle haben ihre Mobilitätsmuster und verändern diese nach den aktuellen Begebenheiten. Mit zwei dieser Gruppen, den bede und boira, hatte ich engeren Kontakt, machte mit ihnen Interviews zu ihrer aktuellen Lebenssituation und konnte mit der Methode der oral history lebensgeschichtliche Gespräche führen.

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Öffentlicher Raum in drei Postsowjetischen Städten

Was haben Tiblissi, Baku und Xodjand gemeinsam? Die drei Städte haben eine sowjetische Tradition und eine postsowjetische Geschichte. Ungeachtet dessen, dass sie sich nun in drei unterschiedlichen Nationalstaaten befinden, lassen sie sich doch gemeinsam beforschen. Das finden jedenfalls
Lela Rekhviashvili (Leibniz Institute for Regional Geography, Leipzig), Melanie Krebs (HU Berlin) und Wladimir Sgibnev (Leibniz Institute for Regional Geography, Leipzig). Am kommenden Montag sind sie in Leipzig zu hören. Näheres findet sich hier.

Montag, 20. Oktober 2014, 13:30Uhr

Carola Neugebauer (RWTH Aachen, Germany)
Introduction

Lela Rekhviashvili (Leibniz Institute for Regional Geography, Leipzig, Germany)
Silence and invisibility: tactics of the weak or the strategy of the powerful? Case of petty traders in Tbilisi

Melanie Krebs (HU Berlin, Germany)
The right to live in the city – Urban behavior and control in Baku

Wladimir Sgibnev (Leibniz Institute for Regional Geography, Leipzig, Germany)
Rhythms of being together. Public space in urban Tajikistan through the lens of rhythmanalysis