Schöne Bescherung

Ail im Kizil Tash Tal

Ail im Kizil Tash Tal

Als Bert Fragner vor 8 Jahren das nunmehr ausgelaufene Projekt “Cross Roads Asia” in Berlin mit einem Einführungsvortrag eröffnete, rügte er augenzwinkernd die Gestalter des Projekts für ihre Kurzsichtigkeit. Diese hatten nämlich Cross Roads Asia definiert als eine Metapher für Zentralasien, wollten gleichzeitig aber jede Geographie ablegen und sich nur den Netzwerken widmen, die den Kontinent zwischen Südasien, Ostasien und zum Teil Nordasien verbanden. Bert Fragners Cross Roads kam ohne Kontinent aus, ließ aber gleichzeitig nicht die Geographie ausser Betracht. Er verband die Iberische Halbinsel mit dem alten China, die Hsiung Nu in der Gobi mit der panonischen Tiefebene, die Avaren an der Mittelmeerküste mit den Weiten Sibiriens, den Süden Afghanistans mit der Ostküste Afrikas, Grabbeigaben in Gräbern des Altai mit dem Kaukasus, Indien und China. Continue Reading →

Viehwirtschaft im Kuraj-Tal

Das Kuraj Tal liegt heute an der Transitstrecke zwischen Rußland und der Mongolei. Im Talkessel liegen zwei Dörfer Kyzyl Tash und Kuraj selbst, die Zentrum für eine ganze Reihe von Wirtschaften sind, die in den Tälern zwischen dem Gebirgszügen des Kuraj Gebirges und der Chuj Gebirges verteilt liegen. Diese Wirtschaften beschäftigen sich mit der mobilen Viehzucht. Einige haben an ihren Winterstationen auch kleine Anteile an Gartenbau. Wegen des kurzen Sommers und der häufigen Sommerfröste im Juli und August gedeihen hier lediglich Kartoffeln, Mohrrüben, Rote Beete und Zwiebeln, dazu allerlei Kräuter wie Dill und Petersilie. Die Wälder rings um die Weiden geben zusätzlich Beeren (wilde Erdbeeren, schwarze Johannisbeeren, Sanddornbeeren) her. Die Wälder im Tal sind wahre Edlorados für die Pilzesammler. Wer die richtigen Stellen kennt, und den richtigen Zeitpunkt, hat schnell den Wintervorrat für marinierte Pilzen zusammen und kann den Rest in Kosh Agach verkaufen. Die dortigen Kasachen nehmen diese Pilze mit Kußhand. In besonders feuchten Sommern kann eine ganze Stange Geld dabei rausspringen.

Für die Viehzucht und den Ackerbau gibt es in weiter nördlich gelegenen Teilen des Altaj weitaus günstigere Standorte (Ongudaj, Chemal, Ulangan). Wegen des kurzen Sommers und der langen schweren Winter nennt man das Kuraj-Tal auch Kan Kuraj oder blutiges Kuraj. Das hat weniger mit Kriegen, die im Altaj geführt wurden, zu tun, sondern eher mit dem Verlust an Vieh, den ein harter Winter den Viehzüchtern hier beschert.

Das Kuraj Tal. Blick von Osten

Das Kuraj Tal. Blick von Osten (Klicken macht Groß)

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Neues vom Tisch der Götter

Der Altai liegt in vieler Hinsicht in einem Fadenkreuz. Schaut man auf die Karte, so kann man zum Beispiel die Nationalstaatlichen Grenzen von vier Staaten entdecken, die dieses Gebirge unter sich aufteilen, es ist Staatsgebiet Chinas, der Mongolei, Rußlands und Kasachstans. Dass der Altai verwaltungstechnisch aufgeteilt ist, ist seit den Söhnen Chingiz Khans Normalität. Als Chingiz Khan daran ging, sein Weltreich aufzuteilen, bekam jeder seiner Söhne jeweils einen Anteil vom Altai: Chagataj (Zentralasien, Kasachstan), Batu (Goldene Horde, Rußland) Chödzhi (Mongolei) und schließlich Qubilaj Khan (China). Dass das nicht ganz genau stimmt und zu dieser Einigung 30 Jahre nötig waren und eine ganze Anzahl von Bruderkriegen, wollen wir hier durch das Fernrohr der Geschichte getrost übersehen.

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