Abgebrannt: Korvon-Basar

RIMG0725

Brand auf dem Korvon Basar

Das Feuer, das einen großen Teil des Korvon-Basar in Duschanbe zerstörte, war am Abend des 5. September 2012 ausgebrochen und legte über Nacht etwa 10.000 qm in Schutt und Asche. Auch am nächsten Tag stieg noch immer Rauch auf aus den Trümmern des größten Bazars in Tadschikistan. Noch immer ist unklar, ob Brandstiftung die Ursache war, technisches Versagen oder Unachtsamkeit. Auch über die Opferzahlen gibt es unterschiedliche Angaben: Offiziell kamen bei dem verheerenden Feuer ein Händler ums Leben und vier weitere trugen Verletzungen davon. Die meisten beim Versuch, ihre Waren vor den Flammen zu retten. Kursierende Gerüchte über weit höhere Opferzahlen werden allerdings von staatlicher Seite als unhaltbar abgetan.

Die Händler verloren bei dem Großbrand ihre gesamte Ware. Das wenigste davon war versichert. Die meisten Händler stehen vor dem Ruin, da sie zudem bei Banken oft hohe Kredite auf ihr Hab und Gut aufgenommen hatten. Am Tag nach dem Brand kam es daher zu einem Protestmarsch der Basarhändler, der erst kurz vor dem Stadtzentrum werden konnte, als der Bürgermeister der Stadt Duschanbe, Mahmadsaid Ubajdulloev, den Geschädigten Unterstützung versprach und ihnen zusicherte, ihre einjährigen Kredite zinslos auf drei und die dreijährigen auf sechs Jahre zu verlängern. Dennoch ist der Unmut bei den Betroffenen noch immer groß.

Vor allem die Basarleitung steht in der Kritik: “Im Basar gibt es praktisch kein Löschwasser oder andere geeigneten Löschmittel. Zudem stehen die Marktstände zu eng, so dass Löschfahrzeuge nicht in den Basar hineinfahren können. Die Verantwortlichen haben aber überhaupt keinen Gedanken daran verschwendet, wie im Falle eines Brandes zu reagieren sei. Dagegen seien sie sehr aktiv beim eintreiben der Standgebühren, der Lizenzgebühren und anderweitiger Abgaben, die die Händler zu leisten haben,” wird einer der Betroffenen in der in Duschanbe erscheinenden Zeitung Tojikiston vom 06.09.2012 zitiert.

RIMG0724

Rauch ueber der Stadt – Bild Tojikiston

Dabei war dieser Basarbrand nicht der erste in Tadschikistan. In den letzten Jahren brannten an verschiedenen Orten immer wieder Marktstände ab, unter anderem im letzten August, als ebenfalls auf dem Korvon-Basar eine Fläche von 130 qm in Brand geriet. Auch damals schon wurden die gravierenden Sicherheitsmängel sichtbar.
In den Zeitungen der Hauptstadt werden seit dem Brand Fragen gestellt. Wie kam es zu dem Brand und warum wurde dieser zu spät entdeckt, um noch eingedämmt werden zu können? Und was ist dran an den Gerüchten, dass auf dem Gelände des Korvon-Basars in naher Zukunft ein Militärstützpunkt errichtet werden soll? Von der Marktleitung ist seit dem Brand zu all dem nichts zu hören.

Khorog update 2

Erneute Verschlechterung der Situation in Khorog.

Fast zwei Wochen nach dem Beginn der Militäroperation in Khorog und der anschließenden Waffenruhe kam es in der Nacht zum 22.08. zu einem bisher ungeklärten Angriff auf das Wohnhaus von Imomnazar Imomnazarov, der dabei ums Leben kam. Neben Tolib Ayombekov war Imomnazarov einer der vier von staatlicher Seite für die Ermordung an General Nazarov verantwortlich gemachten Personen.
Imomnazarov hatte nach dem Aufruf des Aga Khans seine Waffen abgegeben und in einem am 10. August auf Asia-Plus veröffentlichten Interview seine Sicht der Dinge, die zur Eskalation der Gewalt im Pamir führten, angedeutet.

Am Tag nach der Ermordung des invaliden und angeblich keinen Widerstand leistenden Imomnazarov kam es in Khorog zu anhaltenden Protesten. Zudem wurde im Laufe des Tages ein offener Brief “im Namen der jungen Menschen der GBAO” an den Tadschikischen Präsidenten veröffentlicht:

Darin wird die bei der Jugend mit jeder weiteren Provokation schwindenden Hoffnung auf Stabilität zum Ausdruck gebracht und der Präsident aufgefordert, die Situation in Khorog zu beruhigen und mit friedlichen Mitteln zu lösen. Erinnert wird dabei auch an den, vor 20 Jahren ausgebrochenen tadschikischen Bürgerkrieg (1992-1997) und an die Leistung des heutigen Präsidenten, diesen durch Verhandlungen zu beenden.

Auch die Nacht über harrten viele Menschen (auch aus anderen Gegenden des Pamirs) vor dem Gebäude der Oblast’-Verwaltung aus und forderten neben dem Abzug der Truppen auch die Absetzung des derzeitigen Gouverneurs.

Tethys would like to thank pamirs.org for their efforts and persistence in documenting the events in Khorog and the regional news coverage!

Auch der bisher wohl interessanteste Kommentar zu den Ereignissen in Khorog und den politischen Rahmenbedingungen, die zu der militärischen Eskalation führten, ist auf pamirs.org übersetzt und verlinkt. In einem Interview mit Asia-Plus beschreibt Boymamad Alibahshev, der schon zu Sowjetzeiten hohe politische Ämter in GBAO innehatte, die Verflechtung staatlicher Akteure in legale und illegale Geschäftsfelder als eines der Kernprobleme im heutigen Tadschikistan.

Khorog update

In einer gestern Abend (12.08.2012) auf TV-Badakhshan veröffentlichten fünf-minütigen Erklärung, hat Tolib Ayombekov verkündet, dass er und seine Brüder sich den staatlichen Behörden in Khorog gestellt haben, damit das “Volk in Frieden leben kann”. Diejenigen, die in Khorog noch unrechtmäßig Waffen tragen, fordert er in seiner Erklärung auf, diese bei den Behörden abzuliefern. Die Schuld für die Ereignisse Ende Juli wird von Ayombekov den vielen Feinden außerhalb Tadschikistans zugeschrieben: Diese “Feinde der Nation” hätten es darauf abgesehen, Unruhe zu stiften und Tadschikistan nicht zur Ruhe kommen zu lassen. Ausdrücklich lobt Tolib Ayombekov in seiner Erklärung die Leistungen des Tadschikischen Präsidenten in den letzten 20 Jahren und stellt sich und seine Leute hinter Emomali Rahmon und den Tadschikischen Staat. “Wir waren und bleiben Anhänger des Rechts … wir sind für Frieden und gegen Aufruhr”. Gott, der Aga Khan und der tadschikische Präsident, seien die drei Instanzen, denen er und seine Männer vertrauen und folgen.
Vor der Erklärung Tolib Ayombekovs soll es laut einem kurzen Bericht auf Asia-Plus zu Verhandlungen hinter geschlossenen Türen zwischen den staatlichen Behörden und Ayombekov gekommen sein.

Radio Ozodi hat eine dazugehöriges Interview mit Tolib Ayombekov veröffentlicht. Eine inoffizielle Ãœbersetzung dieses Interviews ins Englische hat pamirs.org veröffentlicht. Tolib Ayombekov und zwei seiner Brüder waren nach eigenen Angaben bei den Kämpfen in Khorog Ende Juli verletzt worden.

Eine umfangreiche Dokumentation der Ereignisse in Khorog und Interviews mit Imom Imomnazarov und dem Gouverneur der GBAO kann ebenfalls auf pamirs.org nachgelesen werden.

Zur Lage in Khorog

Der Autor dieses Beitrags ist der Redaktion bekannt.

2012-07-30_khorog_events

Mafiöse Machenschaften. Für Beobachter, und dazu gehört auch der Großteil der Bevölkerung Tadschikistans, erscheint der Blick auf die Politik und Machtstrukturen in Tadschikistan so getrübt wie der Blick auf die Straßen Khorogs in den Tagen nach dem Angriff durch diese Windschutzscheibe

Gut zwei Wochen ist es nun her, dass sich die politische Lage im Pamir auf dramatische Weise veränderte und die bisher so ruhige und friedliche Region in ein Krisengebiet verwandelt wurde. Fast zwei Jahre nach der tadschikischen Militäroffensive vom Herbst 2010 im Rashttal (link) waren am frühen Morgen des 24. Juli Armeeeinheiten in Khorog eingerückt und griffen dort nach eigenen Angaben “bewaffnete kriminelle Guppierungen” an, die von der tadschikischen Regierung für den Mord an General Abdullo Nazarov verantwortlich gemacht werden.
Continue Reading →

Fotoprojekt zu Tadschikistan

logo_mypersp Unter dem “Tajikistan: culture and nature from your perspective” sollen im Dezember Fotos aus Tadschikistan zuerst in Berlin und 2013 dann in Dushanbe ausgestellt werden.

Mit diesem Ausstellungsprojekt wollen die Organisatoren einen Blick auf dieses, bei der breiten Masse praktisch unbekannte Land werfen. Die Einblicke, die in dieser Ausstellung gegeben werden, sollen jedoch tiefer gehen als bei üblichen Urlaubsfotos.

Dabei steht nicht im Vordergrund, Bilder für ein europäisches Publikum zu machen. Auch die ästhetische Qualität soll nicht allein entscheidend sein. Wir wollen authentische Bilder mit einer Geschichte zeigen und dazu beitragen, die Welt in der wir uns bewegen intensiver wahrzunehmen.

Bilder können noch bis zum 30. September eingereicht werden. mailto: bunafsha.mislimshoeva@myperspective.eu

Weitere Informationen zu diesem Ausstellungsprojekt finden Sie auch hier.

Unterwegs nach Khorog

Ein Beitrag von Nicole Angermann

Duschanbe-Khorog-Express

Duschanbe-Khorog-Express

Es ist Dienstagmorgen in Duschanbe. Ich sitze in der VIP Lounge des Flughafens und warte auf den Hubschrauberflug der Aga Khan Stiftung nach Khorog, der nur bei schönem Wetter fliegt. Aber das Wetter ist schlecht. Nach einem Anruf bei dem Verantwortlichen ist klar, der Flug nach Khorog ist gestrichen. Ich nehme mein Gepäck in die Hand und suche mir ein Taxi, das mich zur Haltestelle der Sammeltaxis Richtung Pamir bringt. Ein netter Taxifahrer bringt mich zu der abgelegenen und eher nach einem Schrottplatz aussehenden Haltestelle.
Continue Reading →

Abriss Duschanbe

Ein Beitrag von Wladimir Sgibnev

5_rechenzentrum

Auch die sowjetische Moderne ist Teil der Architekturgeschichte Tadschikistans. Photo:Wladimir Sgibnev, 2007.

Abrissbirnen bedrohen Architekturdenkmäler in Duschanbe. Entlang des Rudaki-Prospekt “der Prachtmeile, die Duschanbe von Nord nach Süd durchzieht“ und entlang des Ajni-Prospekts “der Ost-West-Magistrale, die den Flughafen an die Stadt anbindet“ sollen zahlreiche Häuser abgerissen werden, um Neubauten Platz zu machen. Damit soll das Erscheinungsbild der Hauptstadt aufgewertet werden, so die Planer. Im Amtsjargon heißen die beiden genannten Magistralen “Protokoll-Trassen”, weil ihr Zweck nicht im Verkehrsbedürfnis der Einwohner zu liegen scheint, sondern im repräsentativen Transport des Staatspräsidenten, seiner Entourage und seiner Gäste zu den wichtigsten Einrichtungen und dem Flughafen.
Continue Reading →

Der Glücksstern

tethys startet das Jahr 2012 mit dem halbstündigen, vom bbc-persian produzierten, sehenswerten Portrait Muhammaddschoni Schakuris.

Muhammaddschoni Schakuri ist einer der bekanntesten und hochgeschätztesten Intellektuellen Tadschikistans. Das Werk des heute 86-jährigen umfasst 47 Monografien: Vor allem sprach-, literatur-, und geschichtswissenschaftliche Arbeiten.

Bereits im Jahr 2001 veröffentlichte der zu Bürgerkriegszeiten aus Tadschikistan geflohene Journalist Mirbobo Mirrahim unter dem Titel Sa’daxtar (Der Glücksstern) ein umfangreiches Gespräch, das er ein Jahr zuvor in mehreren Sitzungen mit Muhammaddschoni Schakuri in Teheran führte. Es folgt ein übersetzter Auszug aus diesem Band.
Continue Reading →

Getrennte Schwestern – illegale Grenzübertritte zwischen Usbekistan und Tadschikistan

Ein Beitrag von Andreas Mandler, Claudia Musterfrau und Thomas Loy

schwestern uzb-taj

Tadschikistan und Usbekistan – getrennte Schwestern Seit an Seit; tethys 2011.

Die Nachbarn Tadschikistan und Usbekistan trennt eine über 1.000km lange Grenze. Auf beiden Seiten dieser Grenze wohnen Tadschiken und Usbeken. In den späten 1990er Jahren wurde aus den von der Sowjetmacht in den 1920er Jahren in Zentralasien gezogenen administrativen Grenzen Barrieren, die den Alltag der Menschen erschweren, Familien trennen und Bewegungen von der einen auf die andere Seite behindern. Dabei war und ist diese Grenze politisch motiviert und folgt keinen geografischen, “ethnischen” oder sonstwie gearteten Trennlinien.
Continue Reading →