Ishkashimi

Ein Beitrag von Nazar Nazarov

Ishkashim ist eine hochgelegene und schwer zugängliche Region im Hindukusch und Pamir. Ein Regierungsbezirk gleichen Namens gibt es sowohl auf der afghanischen wie auch auf der tadschikischen Seite des Pandsch.

Ishkashim

Straße bei Ishkashim, Tadschikistan – Foto: Karvovskaya

Seit dem Britisch-Russischen Grenzabkommen von 1895 bildet der Fluss Pandsch die Grenze zwischen dem Russischen und Britischen Einflussbereich und zerteilt damit die entlang dieses Flusses lebenden Sprachgemeinschaften (u.a. Shughni, Wachi, Ishkashimi). Auch heute bildet der Pandsch die Grenze zwischen Tadschikistan und Afghanistan (nach dem Zufluss des Vachsch im Flachland Südtadschikistans heißt der Pandsch dann Amudarja). Zu Zeiten der Sowjetunion war diese Grenze Sperrgebiet und praktisch nicht zu überwinden. Es waren zwei scharf voneinander getrennte Welten, deren Entwicklung bis zu Beginn des 21. Jhd gänzlich unterschiedlich verlief. Continue Reading →

Blogger in Tadschikistan verhaftet

unicef-tm-web-banner-990x257-2Alexander Sodiqov, der seit einiger Zeit den ausgezeichneten und sehr kritischen blog “Tajikistan Monitor” betreibt und für globalvoices aus Zentralasien berichtet, wurde vor einigen Tagen in Khorog von tadschikischen Sicherheitsbeamten festgenommen (angeblich von einer Truppe, die von amerikanischer Seite im Anti-Terrorkampf hochgerüstet wurde). Seither fehlt von ihm jede Spur – Kontakt zu seinen Familienangehörigen und Anwälten durfte er bisher anscheinend nicht aufnehmen. Angeblich wurde er seit seiner Verhaftung am 16. Juni zweimal im lokalen staatlichen Fernsehen vorgeführt. Ihm wird Spionage vorgeworfen.

Alexander Sodiqov, der auch an einer Dissertation an der Uni Toronto arbeitet, war zu wissenschaftlichen Recherchezwecken in den Pamir gereist, um dort ein Forschungsvorhaben der Uni Exeter (UK) zu unterstützen und wurde während eines Interviews mit einem lokalen Politiker verhaftet.

Die gewaltsamen Auseinandersetzungen im Mai in Khorog (Chronologie der Ereignisse hier) scheinen die Behörden noch dünnhäutiger gemacht zu haben, als das nach dem Militärangriff auf die Hauptstadt der GBAO im Herbst 2012 sowieso schon der Fall war. Mit Alexander Sodiqov wurde nun erstmals ein Wissenschaftler von den staatlichen Stellen verhaftet, ohne sich dabei im geringsten um seine Rechte zu scheren.

Wir posten hier den Aufruf von amnesty zur Unterstützung und umgehenden Freilassung Alexander Sodiqovs! Einen Aufruf von Freunden und Kollegen Alexander Sodiqovs gibt es auf Avaaz.org.

URGENT ACTION
PHD STUDENT ARRESTED, HELD INCOMMUNICADO
Tajikistani national Alexander Sodiqov was arrested on 16 June in eastern
Tajikistan while conducting academic research. There are fears for his
safety and concerns that he may face torture or other ill-treatment.
Alexander Sodiqov, who lives in Canada, was detained on 16 June by two State
Committee for National Security officers in Khorogh, capital of eastern
Tajikistan’s Gorno-Badakshan Autonomous Oblast (GBAO). He has not been heard
from since he rang his wife on 16 June at 9.30 pm local time. He did not tell her
where he was being held.
He has not been heard from since. He is not known to have been able to contact a
lawyer.

Alexander Sodiqov is a PhD student at the University of Toronto. He had been
conducting research for a British Economic and Social Research Council project
called Rising Powers and Conflict Management in Central Asia which involves the
Universities of Essex and Newcastle. He was detained while conducting a research
interview with a civil society activist and deputy head of the Social Democratic
Party of GBAO, Alim Sherzamonov.

On 17 June police went into his mother’s home in the capital, Dushanbe, searched it
and removed computer and storage equipment. On 17 June, the State Committee for
National Security (SCNS) issued a statement accusing him of spying for foreign
governments. According to Asia Plus and Radio Free Europe/Radio Liberty, Alexander
Sodiqov appeared on local television in Badakhshan on the evening of 18 June and the
following morning talking about the situation in GBAO. Radio Free Europe’s
reports said that some observers felt the television footage had been edited. On 19
June the head of the SCNS, Saimumin Yatimov, made a statement saying that foreign
spies were operating in Tajikistan under the guise of NGOs and trying to undermine
safety and security in the country.

Alexander Sodiqov has now been held for 72 hours and under Tajikistani law he should
be charged or released.

Please write immediately in Tajik, Russian, English or your own language:
Urging the authorities to reveal Alexander Sodiqov’s whereabouts
immediately, as 72 hours has passed since he was detained and he must be either
charged or released immediately;
Urging them to ensure that he has unrestricted and confidential access to a
lawyer of his choice in line with Tajikistan’s national law and international
obligations;
Calling on them to ensure that he has immediate access to any medical attention
he may require.

Ballettkunst in Tadschikistan – Gestern und Heute

Ein Beitrag von Alexander Heiser
Maqomi Ishq_1Die Ballettkunst Tadschikistans ist ein Produkt der Sowjetära und vereint europäische und lokale tadschikische Formen und Themen. Grundlage des zentralasiatischen Balletts ist die russische professionelle Balletttradition, die lokale Elemente adaptierte und in das „tadschikische“, „uzbekische“ usw. Ballett integrierte. Continue Reading →

And the winner is…

tethys gratuliert Emomali Rahmon zur Bestätigung im Amt. Mit 83,6% der abgegebenen Stimmen konnte der seit 1994 amtierende Präsident sein Ergebis von 2006 noch einmal um knapp 4% verbessern.

Von amnesty wurde gleich ein Memorandum für den neuen alten Präsidenten aufgesetzt und gefordert, fortan die Menschenrechte in Tadschikistan zu respektieren und zu schützen. Das Memorandum im Wortlaut gibt es hier!

Die Amtseinführung wird für den 16. November erwartet.

Keine Überraschung: Oynihol Bobonazarova darf nicht gegen Rahmon antreten

Nachtrag zum Artikel “Überraschung…”

And the Winner is....Kalender der Demokratischen Volkspartei Tadschikistans aus dem Wahljahr 2006

And the Winner is….Kalender der Demokratischen Volkspartei Tadschikistans aus dem Wahljahr 2006

Oynihol Bobonazarova hat die per Gesetz zur Registrierung als Präsidentschaftskandidatin erforderliche Anzahl von Unterschriften nicht erreicht! Laut Wahlgesetz, das 2005 im Vorfeld der letzten Präsidentschaftswahlen erneuert wurde, hätten fünf Prozent der Wahlberechtigten (insgesamt 210.000 Unterschriften) die Kandidatur von Oynihol Bobonazarova mit ihrer Unterschrift unterstützen müssen. Am gestrigen Abend stellte sich heraus, dass für die Kandidatin Oynihol Bobonazarova nur 201.236 Unterschriften vorlagen. 8.764 zu wenig, um sich am 6. November zur Wahl stellen zu dürfen. Continue Reading →

Überraschung: Bürgerrechtlerin wird Kandidatin der Opposition zur Präsidentschaftswahl in Tadschikistan

Der Autor dieses Beitrags ist der Redaktion bekannt

Am 9. September 2013, dem Unabhängigkeitstag Tadschikistans, drang die Nachricht an die Öffentlichkeit: Oynihol Bobonazarova wird die gemeinsame Kandidatin der großen Oppositionsparteien bei den Präsidentschaftswahlen am 6. November. Tatsächlich hatten damit nur wenige gerechnet. Eine Frau wird zur Spitzenkandidatin der Vereinigung der Reformkräfte Tadschikistans, zu der sich die zwei größten Oppositionsparteien des Landes zusammengeschlossen haben – die Sozialdemokratische Partei mit ihrem Vorsitzenden Rahmatullo Zoirov und die Partei der Islamischen Wiedergeburt mit Muhiddin Kabiri an der Spitze.Oynihol Bobonazarova

Präsidentschaftskandidatin Oynihol Bobonazarova Continue Reading →

faizbook und andere Verbote

Der Autor dieses Beitrags ist der Redaktion bekannt.

Seit fünf Tagen ist nun facebook in Tadschikistan gesperrt. Den meisten Menschen im Land dürfte das wohl herzlich egal sein – haben viele doch keinen Bezug, geschweige denn Zugang zum Internet. Doch wie reagieren die vielen, vor allem jungen urbanen facebook-user? Klar, dass sie mit der Entscheidung der Regierung nicht einverstanden sind. Aber wie auch in allen anderen Fällen, in denen in Tadschikistan Seiten vom www abgeklemmt wurden, nehmen sie auch diesmal einfach den Umweg über einen Proxy, um weiter über die Plattform ihre Ideen, Ansichten und Befindlichkeiten mitzuteilen und sich mit Freunden im In- und Ausland auszutauschen.

Natürlich wird facebook auch als politisches und das heißt im Fall Tadschikistan regierungskritisches Medium benutzt. Vor allem von den wenigen im Ausland übrig gebliebenen Oppositionellen. In vielen Diskussionsbeiträgen und posts wird das “System” und die Person Rahmon kritisch hinterfragt, beschuldigt und attackiert – oder scheinbar noch schlimmer aus Sicht der Regierung – vom Volk verlacht. Diese unkontrollierten “Angriffe” werden von den Regierenden als ungebührend, beleidigend und potentiell gefährlich wahrgenommen. Denn was die staatliche Macht nicht kontrollieren kann, das soll, kann und darf nicht sein und muss nach dieser in den zentralasiatischen Nachfolgestaaten der Sowjetunion weit verbreiteten Staatslogik entweder umgehend kontrolliert oder ab- und ausgeschaltet werden.

Dass sich die Herrschenden dadurch in der Regel vor aller Welt lächerlich machen – sofern diese Welt überhaupt auf Zentralasien schaut – beweist auch dieses Mal wieder der Direktor für Kommunikationangelegenheiten Beg Zuhurov. In einem vorgetäuschten und auf youtube veröffentlichten skype-Interview mit einem selbsternannten Übersetzer von Mark Zuckerberg gibt er sich gänzlich der Lächerlichkeit preis. Und sofort ist das Netz voll von Kommentaren zu diesem offenbarenden Telefonscherz. Etwa dieser:

“Ich hätte nie gedacht, dass ein Regierungsbeamter, der ein derart hohes öffentliches Amt bekleidet, nur sprechen kann wie ein 10-jähriger Junge, der auf dem Markt Tüten verkauft. Die Tatsache, dass Beg (Zuhurov) ein Clown ist – versteht jeder. Aber wie kann eine Person, die nicht sprechen kann, und seine eigene Dummheit nicht verstecken kann, in eine leitende Regierungsposition gelangen? Er ist eine Schande, nicht nur für sich selbst, sondern für die ganze Regierung von Tadschikistan. Für die Regierung – das heißt für das ganze Land!”

Über eben jenen Beg Zuhurov kursierten auch schon Witze während der Krise im Pamir diesen Sommer. Hatte dieser nach einer Prüfung warum der gesamte tadschikische Pamir vom Internet abgeschnitten sei, doch herausgefunden, dass ein ungewollter Querschläger “das Internethauptkabel” getroffen habe. In der aktuellen Facebook-Affaire bemühte er nun den Willen des leidgeplagten tadschikischen Volkes, welches nicht weiter bereit sei, die auf facebook verbreiteten Schmähungen gegen das Land und den Staat zu dulden. Er habe auch schon mit einem Dolmetscher Zuckerbergs telefoniert…

dictator 2Auch Emomali Rahmon wird in den Scherzattacken nicht außen vor gelassen: Mit “Faizbook who?” wird er allerorten zitiert. Bereits im Frühjahr diesen Jahres machte sich der Präsident selbst zur Zielscheibe für Spott. Da nämlich verbot er den neuen Film von Sasha “Ex-Borat” Baron Cohen. “The Dictator” wurde gleich in mehreren Ländern Zentralasiens verboten. In Tadschikistan, Turkmenistan und Kasachstan durfte der Film nicht gezeigt werden. In Tadschikistan wurde keine Lizenz für den Film erteilt, da er laut offizieller Verlautbarung “den ethischen und moralischen Werten unseres Volkes nicht entspricht”.

Ein Kommentar, wie das Verbot in Tadschikistan aufgenommen wurde – “Diktator” wurde durch die staatliche Intervention angeblich zur meist nachgefragten DVD in diesem Jahr – ist auf dem blog Der Eselreiter auf Russisch nachzulesen: Der Film hätte ohne das präsidiale Verbot in Tadschikistan kaum jemanden interessiert – doch jetzt sähen mit einem Mal alle die Parallelen zwischen fiktiver Filmfigur und täglicher Realität in Zentralasien.

Den sehenswerten Trailer zum Film und einen Kommentar auf Englisch gibt es hier

Tajikistan: culture and nature from your perspective

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Friseur vor seinem Hauptstadtfriseursalon - Duschanbe 2010 - Das Bild ist eine tethys-Perspektive und nicht Teil der Ausstellung

Am 1. Dezember startet endlich die schon angekündigte Fotoausstellung zu Tadschikistan.
Crowdfundig ermöglichte dieses Unterfangen, das nach Berlin im nächsten Jahr auch in Duschanbe gezeigt werden soll.

Aus dem Eröffnungstext:

Tadschikistan. Was fällt Ihnen dazu ein?
Ach, eines dieser -stan Länder, richtig?
Richtig, aber es ist noch mehr, viel mehr.

Wir wollen mit unserem Kultur- und Kunstprojekt einen Blick auf dieses bisher in Deutschland recht unbekannte Land in Zentralasien werfen. Die von uns ausgestellten Bilder lassen tiefere Einblicke in das Leben der Menschen, die Natur und die Kultur Tadschikistans zu, als die üblichen Urlaubsfotos.

Eine Ausstellung dieser Größe gab es bisher zu Tadschikistan noch nicht in Berlin zu sehen.

Die Ausstellung wird am 01.12 2012 feierlich im Thaersaal der Landwirtschaftlich- Gärtnerischen Fakultät der Humboldt Universität zu Berlin eröffnet.

Die Eröffnungsfeier beginnt um 15 Uhr,
Invalidenstraße 42, Berlin- Mitte,

Der Eintritt ist frei!

Viele weitere Informationen zum Ausstellungsprojekt finden Sie auf unserer website:
http://www.myperspective.eu/
und auf unserer Facebook Seite

Initiatoren und Organisatoren der Ausstellung sind:
bunafsha mislimshoeva@myperspective.eu
und
matthias.maiwald@myperspective.eu

Angriff auf Khorog – Ein Erinnerungsgespräch

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Blick auf Khorog

Der folgende Beitrag handelt vom militärischen Angriff auf Khorog in der Nacht vom 23. auf 24. Juli diesen Jahres und den darauf folgenden Ereignissen aus Sicht einer unbeteiligten Bürgerin Khorogs. Als Bewohnerin des Stadtteils UPD war sie direkt von den Angriffen betroffen. Das Interview wurde ins Deutsche übersetzt.
tethys dankt für die Einsendung.

Interview:
Was passierte am 23. Juli 2012 in Khorog?
Mein Mann kam an diesem Tag schon früher von der Arbeit nachhause und er sagte, dass die Situation in der Stadt nicht stabil sei. Ich habe in dem Moment nicht verstanden, was er damit meinte. Früh am morgen schliefen wir, wir schliefen. Gegen 3.40 bzw. 3.50 Uhr, ich erinnere mich nicht mehr so genau, da begann bei uns die große Bombardierung. Früh am Morgen 3.40 Uhr haben sie uns bombardiert. Ich habe zuerst gedacht, Steine fallen herunter oder ähnliches passiert da draußen. Aber sie haben angefangen die Stadt anzugreifen. Und die Bombardierung dauerte ganze 18 Stunden – 18 Stunden! Continue Reading →