Yigit kishiga etmish hunar oz – Für einen jungen Kerl sind siebzig Berufe dürftig.


Das bewegte Leben des 36-jährigen usbekischen Handelstreibenden Akmal.

(Ein Beitrag von Michael Angermann)

Gegen Ende der 1960er Jahre wird Akmal in einer Zeit des sowjetischen Wirtschaftsbooms in der Oasenstadt Osch, im Süden der heutigen Kirgisischen Republik, geboren. Der junge Usbeke ist gerade zehn Jahre alt, da ziehen bereits erste Quellwolken am Himmel der sowjetischen Zentralverwaltungswirtschaft auf. Der plangelenkte staatliche und genossenschaftliche Handel schafft es nicht, die stets kauflustige Bevölkerung zufrieden zu stellen. Der privatwirtschaftliche Kolchosmarkthandel und dessen Protagonisten springen zumeist mit selbst angebauten landwirtschaftlichen Köstlichkeiten ein, um aus Jungen wie Akmal kräftige Männer reifen zu lassen. Continue Reading →

Der Zirkus Suhr in Taschkent

(Ein Beitrag von Pulot Toschkenboev; Ãœbersetzung Olim devona)

Am Ende des 19. Jahrhunderts, nach der Angliederung der turkestanischen Territorien an Rußland kamen vermehrt Musik-, Theater- und Zirkustruppen auf der Suche nach neuem Publikum in die Gegenden der ehemaligen Fürstenstaaten Zentralasiens. Durch diese Tourneen kam die lokale Bevölkerung mit den kulturellen Werten der russischen und europäischen Kulturen der damaligen Zeit direkt in Kontakt. Großen Erfolg hatten dabei Zirkustruppen, die aufgrund ihrer spielerischen Vielfältigkeiten vom ersten Tag ihrer Gastspiele an eine ungeheure Popularität beim Publikum genossen.Von den mehr als 20 Zirkusunternehmen, die um die Zeit der Jahrhundertwende in kleineren und größeren Städten Russisch Turkestans auftraten, war eines der größten der Zirkus Suhr.

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Die Mahallas der Altstadt Samarkands

(Ein Beitrag von Jens Jordan)

Dem Besucher der Stadt Samarkand wird in erster Linie das “blaue Gold”‘ Samarkands, die bemerkenswerten Baudenkmäler der timuridischen Epoche in Erinnerung bleiben. Diese sind nicht nur beeindruckende und herausragende Kunstwerke, sie beeinflussten auch signifikant die Entwicklung der islamischen Architektur. Schon vor der Entstehung dieser Bauwerke ließen sich Besucher der Stadt zu begeisterten Aussagen hinreißen. Ãœber die kunst- wie kulturgeschichtliche Bedeutung der monumentalen Baudenkmäler ist viel geschrieben worden, über die eigentliche Altstadt, das sich fortwährend erneuernde Geflecht aus Wohnhäusern, engen Gassen und den besonderen Orten des Zusammentreffens dagegen weniger. Continue Reading →

Die Stadt als Garten

(Betrachtungen zu den urbanen Gärten in Samarkand, ein Beitrag von Jennifer Andres)

Der Traum vom Garten – ob nun mit oder ohne Haus – lässt sich innerhalb der gesamten Menschheits- und Gesellschaftsgeschichte verfolgen. Der Garten als heiliger Ort, als Ort des Luxus und Schmuck des Daseins oder als existenzielle Notwendigkeit – über diejenigen Gründe, die diesen Traum beflügeln, gibt es wohl so viele verschiedene Meinungen wie es menschlich verschiedene Gärtner und Nichtgärtner gibt. Continue Reading →

Chudoybergan Devanov

(Beitrag von Olim devona)

Es gibt immer wieder Ereignisse, bei denen ich mich frage, klaue ich Inhalte, den andere erstellten, wenn ich einfach so auf die Neuigkeiten hinweise, oder sind diese Neuigkeiten so beachtenswert, dass ein Zeigefinger ausreicht? Ereignis, Inhalte, Neuigkeit? Ganz einfach: Vor ein paar Tagen veröffentlichte die Library of Congress ein wirkliches Meisterwerk kolonialer Fotografie: Das Turkestaner Album. Die Kongressbücherei hat es digitalisiert und stellt es in drei Abteilungen zur Verfügung:Archäologie (klein und groß), Ethnografie (klein und groß, groß), Handel, Handwerk (klein und groß) und Historisches (klein und groß).

Ein Schrei der Verzückung entfuhr mir, als ich die Fotografien aus diesem Album bestaunte …. die koloniale Zeit: Teetrinken in Jugendstilwintergärten. Benefiz- und Galaveranstaltungen. Rauschende Feste. Biergärten im Stadtpark. Doch dabei fiel mir auch gleich wieder das Wirken eines Mannes ein, der zur gleichen Zeit ohne kolonialen Auftrag Land und Leute fotografierte und durch seine Aktivitäten auf diesem Gebiet mancherorts vom Mob durch die Strassen gejagt wurde, aber schließlich zum Hoffotografen des Chans von Chiwa aufstieg. Continue Reading →

Nicht hinter verschlossenen Türen. Ãœber den verstorbenen usbekischen Theaterregisseur Mark Weil.

(Beitrag von Elisabeth Wellershaus, Journalistin)

“Es ist einfach eine kleine Geschichte über die verborgenen Aspekte des menschlichen Lebens”, sagte Mark Weil vor wenigen Monaten über sein Stück “Weißer, weißer, schwarzer Storch”. Der Kommentar über seine letzte große Inszenierung beschreibt das Understatement, mit dem der usbekische Regisseur sein eigenes Werk betrachtete. Denn so unbedeutend war die Geschichte um den homosexuellen Koranschüler Makhzum nicht. Continue Reading →