Die Tragetasche Mittelasiens: Eine Liebeserklärung an A&C “AYGEN COLLECTION” STYLED IN ITALY

Ein Beitrag von Michael Angermann

Die Tragetasche in der TotaleDie Tragetasche im gebührenden Sonnenschein

Da hängt sie nun an einer kalten Hand irgendwo im winterlichen Kiew. Ihre Freunde sind weit weg. Die tummeln sich vornehmlich in Mittelasien. Wenig ist über sie bekannt. Ihr künstlerischer Geburtsort soll in Italien liegen, zumindest verkündet das die Aufschrift “Styled in Italy”. Eine italienische Schuhkollektion soll es ursprünglich gewesen sein. Die Betonung liegt auf “soll”. Ihre wahre Herkunft verschleiert sie. Die liegt wahrscheinlich ursprünglich in Tschirtschik bei Taschkent, doch heutzutage vor allem irgendwo im Reich der Mitte. Continue Reading →

Toll-Verpacktes aus Zentralasien

Ein Beitrag von Michael Angermann

Zentralasien ist in der westlichen Welt kaum bekannt für seine Warenkultur. Gerade mal der ökologisch orientierte Konsument kann Trockenfrüchte aus Usbekistan in Schokoladenform erwerben und der IKEA – Kunde Bettlaken aus Turkmenistan.

Zotter_Ikea

Mehr Waren mit Herkunftsangabe bekommt der westliche Endverbraucher nicht zu Gesicht. Schade, denn einige Spezialitäten und Kuriositäten sollten nicht nur die Regale und Basare der zentralasiatischen Region zieren.

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Der “Kilometer 80” – Doppelte Botschaft und Grundstein für die “neue Hauptstadt Qaraqalpaqstans”

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Als sich der Zerfall der UdSSR ankündigte und rasch vollzog, plädierten auch einige Politiker in Qaraqalpaqstan für eine Souveränität ihrer autonomen Region und forderten Unabhängigkeit – auch von Usbekistan. Im Herbst 1990 reichten Vertreter der qaraqalpaqischen Intelligenz die Forderung nach Souveränität Qaraqalpaqstans bei der Regierung ihrer “autonomen Republik” ein. Aber erst nach dem Abschluss der Baumwollernte wurde diese Forderung nach Taschkent weitergeleitet. Dort stießen die Pläne für eine Unabhängigkeit der Aralseeregion auf wenig Gegenliebe. Anfang Dezember 1990 besuchte Islam Karimov Nukus und traf sich dort mit Vertretern der qaraqalpaqischen Regierung und 20 ausgewählten Repräsentanten verschiedener gesellschaftlicher Bereiche. Karimov bot Qaraqalpaqstan die Unabhängigkeit an, allerdings nur innerhalb der Usbekischen SSR. Die Deklaration für die Selbständige Republik Qaraqalpaqstan (Suverennaia Respublika Qaraqalpaqstan) innerhalb der UzbSSR wurde schließlich am 14. Dezember 1990 unterschrieben.

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Der Ball ist rund in Taschkent

wie EurasiaNet Eurasia Insight soeben vermeldet, heuert der von Chelsae gefeuerte brasilianische Fussballlehrer Luiz Felipe Scolari als neuer Trainer beim größten, reichsten und schicksten Fussballriesen Uzbekistans an.
Bunyodkor – uzbekischer Meisterverein mit hochfliegenden Ambitionen – und die dazugehörigen Damen und Herren im Hintergrund – lassen sich nicht lumpen. Viel besser kann man das sauer verdiente Geld nicht anlegen. Bleibt nur zu hoffen, dass alle Rechnungen aufgehen und Bunyodkor auch in der Saison 2009/2010 uzbekischer Meister wird – sonst werden Felipe und seine Mannen demnächst wohl zur Baumwollernte verdonnert.

Avantgarde und das Privileg der Provinz

Ein Beitrag von olimdevona

[inspic=536,left,,0] Im Norden Usbekistans am südlichen Rand des sterbenden Aralsees liegt ein Land, dass sich heute Karakalpakistan nennt, das Land der Leute mit dem Schwarzen Hut. Von den Zentren des sowjetischen Imperiums aus gesehen, wie auch heute aus der Perspektive des unabhängigen Usbekistan, ist der Landstrich am Aralsee tiefste Provinz. Seine Hauptstadt Nukus ziert jedoch ein Museum, das wohl nur der Provinzialität seines Standortes verdankt, dass es überhaupt entstehen konnte, das Sawitzki Museum.

In den letzten Jahren wurde viel getan, um die Bekanntheit des Museums zu stärken. Viele Touristen lösen ein Flugticket nach Nukus, allein um das Museum zu besuchen. Im Allgemeinen jedoch ist die Geschichte dieses Museums, dass das Schicksal der modernen Kunst Rußlands und Zentralasiens entscheidend mitbestimmte, im Westen wenig bekannt. Continue Reading →

Messer

Ein Beitrag von olim devona

[inspic=525,,,0]Kokand, am Eingang des Ferghanatales in Usbekistan gelegen, ist die Stadt der Messer. Obwohl in der Stadt der Brauch des Messertragens aufgegeben wurde (in der ländlichen Peripherie trägt ein Mann noch das Messer als Zeichen von Männlichkeit und Wehrhaftigkeit), ist es immer noch Zentrum des handwerklichen Messerherstellens. Hier wird sogar noch damaszener Stahl geschmiedet.

Doch damit sind wir am Kern des Problems angelangt: für ein gutes Messer braucht es guten Stahl. Continue Reading →

Mordekhai Bachaev – “1918”

[inspic=323,,,0] Im März 2009 jährt sich zum zweiten Mal der Tod des herausragenden bucharisch jüdischen Literaten, Publizisten und Intellektuellen Mordekhai Bachaev, auch bekannt unter dem Pseudonym Muhib (“der Freund“). Thomas Loy arbeitet an einer Übersetzung seiner Memoiren Dar Juvol-i Sangin (“Im steinernen Sack“) und stellt im Folgenden einen kurzen Ausschnitt daraus vor. Die Memoiren bestehen aus zwei Bänden. Band 1 behandelt die Jahre 1918 bis 1938 und beschreibt mittels Rückblenden und oralen Traditionen auch das vorsowjetische Leben der bucharischen Juden. Der zweite Band beginnt mit der Verhaftung des jungen Intellektuellen und handelt von den Jahren seiner Gefangenschaft in Taschkent und nach seiner Verurteilung in einem Lager im Ural 1938-1945.

kokandteehaus.jpgDas hier vorgestellte Kapitel fasst kurz die Ereignisse und Erlebnisse der Familie Bachaev in der Stadt Kokand im Jahr 1918 zusammen. Mordekhai war zu diesem Zeitpunkt gerade sechs Jahre alt. Sein Vater war knapp zwei Jahre zuvor mit seiner Familie aus Marv in das administrative Zentrum der Provinz “Ferghana” gezogen. Das Ferghanatal ist nach der Russischen Eroberung in den späten 1860er Jahren zum führenden Baumwollproduzenten für die zarische Textilindustrie ausgebaut worden und war auch Mitte der 1910er Jahre noch eine attraktive Boomregion. Einige der im Ferghanatal ansässigen bucharisch Jüdischen Familien (etwa die Vaid’iaev Brüder, die Simkhaevs, die Poteliakhovs und die Davidovs) gehörten zu den wohlhabendsten und umsatzstärksten Unternehmern des Russischen Reichs. Continue Reading →

Herbst in Taschkent

Ein Beitrag von Birgit Läbe

Herbst KachelHerbst in Taschkent, das ist ein wahrer Gegensatz zu meinen Beobachtungen, die ich im Sommer gemacht habe. Das kalte Wetter macht aus den Einwohnern hier wahrlich in sich gekehrte Wesen. Auf der Strasse und in der Metro begegne ich Menschen, die ihre Umwelt gar nicht mehr in dem Maße wahrnehmen, wie ich es gewohnt bin. Ich komme mir vor wie Luft! Wo sind nur die auf mir sitzenden Blicke der Passanten ob meines Aussehens oder meiner Schuhe…?
Fast jeden Tag regnet es, manchmal ununterbrochen. Auf den Strassen dominiert die Farbe Schwarz, die Menschen passen sich den Jahreszeiten auf wunderbare Weise an. Aber es gibt da noch so eine spezielle Eigenheit der Usbeken, der man gerade jetzt besonders begegnen kann…
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Mystische Weberei

Ein Beitrag von Birgit Läbe

Webstuhl in Margillon

Während meines Aufenthaltes in Usbekistan bin ich auf der Suche nach verschiedenen Orten im Land, in denen das traditionelle Webereihandwerk noch gepflegt wird.

Dabei hat mich einer meiner ersten Wege nach Marghillon ins Ferghanatal geführt. Hier gibt es die noch bestehende Seidenfabrik “Yodgorlik”, die wahrlich schon bessere Zeiten als heute gesehen haben muss. Also machte ich mich auf den Weg nach …

… Ferghana — dieses Wort hatte sich vor meiner ersten Reise ins Ferghana- Tal im Kopf zu einem sagenumwobenen Ort zusammengeballt. Den Berichten von Bekannten über diese Region lauschend, wollte ich meine Neugier nun endlich stillen und selbst auf Erkundung gehen- nicht nur um Ferghana Willen, sonder auch, um nach lebendigem Handwerk in Usbekistan, vor allem im Bereich der Weberei zu suchen … Continue Reading →