Abgebrannt: Korvon-Basar

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Brand auf dem Korvon Basar

Das Feuer, das einen großen Teil des Korvon-Basar in Duschanbe zerstörte, war am Abend des 5. September 2012 ausgebrochen und legte über Nacht etwa 10.000 qm in Schutt und Asche. Auch am nächsten Tag stieg noch immer Rauch auf aus den Trümmern des größten Bazars in Tadschikistan. Noch immer ist unklar, ob Brandstiftung die Ursache war, technisches Versagen oder Unachtsamkeit. Auch über die Opferzahlen gibt es unterschiedliche Angaben: Offiziell kamen bei dem verheerenden Feuer ein Händler ums Leben und vier weitere trugen Verletzungen davon. Die meisten beim Versuch, ihre Waren vor den Flammen zu retten. Kursierende Gerüchte über weit höhere Opferzahlen werden allerdings von staatlicher Seite als unhaltbar abgetan.

Die Händler verloren bei dem Großbrand ihre gesamte Ware. Das wenigste davon war versichert. Die meisten Händler stehen vor dem Ruin, da sie zudem bei Banken oft hohe Kredite auf ihr Hab und Gut aufgenommen hatten. Am Tag nach dem Brand kam es daher zu einem Protestmarsch der Basarhändler, der erst kurz vor dem Stadtzentrum werden konnte, als der Bürgermeister der Stadt Duschanbe, Mahmadsaid Ubajdulloev, den Geschädigten Unterstützung versprach und ihnen zusicherte, ihre einjährigen Kredite zinslos auf drei und die dreijährigen auf sechs Jahre zu verlängern. Dennoch ist der Unmut bei den Betroffenen noch immer groß.

Vor allem die Basarleitung steht in der Kritik: “Im Basar gibt es praktisch kein Löschwasser oder andere geeigneten Löschmittel. Zudem stehen die Marktstände zu eng, so dass Löschfahrzeuge nicht in den Basar hineinfahren können. Die Verantwortlichen haben aber überhaupt keinen Gedanken daran verschwendet, wie im Falle eines Brandes zu reagieren sei. Dagegen seien sie sehr aktiv beim eintreiben der Standgebühren, der Lizenzgebühren und anderweitiger Abgaben, die die Händler zu leisten haben,” wird einer der Betroffenen in der in Duschanbe erscheinenden Zeitung Tojikiston vom 06.09.2012 zitiert.

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Rauch ueber der Stadt – Bild Tojikiston

Dabei war dieser Basarbrand nicht der erste in Tadschikistan. In den letzten Jahren brannten an verschiedenen Orten immer wieder Marktstände ab, unter anderem im letzten August, als ebenfalls auf dem Korvon-Basar eine Fläche von 130 qm in Brand geriet. Auch damals schon wurden die gravierenden Sicherheitsmängel sichtbar.
In den Zeitungen der Hauptstadt werden seit dem Brand Fragen gestellt. Wie kam es zu dem Brand und warum wurde dieser zu spät entdeckt, um noch eingedämmt werden zu können? Und was ist dran an den Gerüchten, dass auf dem Gelände des Korvon-Basars in naher Zukunft ein Militärstützpunkt errichtet werden soll? Von der Marktleitung ist seit dem Brand zu all dem nichts zu hören.

Fotoprojekt zu Tadschikistan

logo_mypersp Unter dem “Tajikistan: culture and nature from your perspective” sollen im Dezember Fotos aus Tadschikistan zuerst in Berlin und 2013 dann in Dushanbe ausgestellt werden.

Mit diesem Ausstellungsprojekt wollen die Organisatoren einen Blick auf dieses, bei der breiten Masse praktisch unbekannte Land werfen. Die Einblicke, die in dieser Ausstellung gegeben werden, sollen jedoch tiefer gehen als bei üblichen Urlaubsfotos.

Dabei steht nicht im Vordergrund, Bilder für ein europäisches Publikum zu machen. Auch die ästhetische Qualität soll nicht allein entscheidend sein. Wir wollen authentische Bilder mit einer Geschichte zeigen und dazu beitragen, die Welt in der wir uns bewegen intensiver wahrzunehmen.

Bilder können noch bis zum 30. September eingereicht werden. mailto: bunafsha.mislimshoeva@myperspective.eu

Weitere Informationen zu diesem Ausstellungsprojekt finden Sie auch hier.

Unterwegs nach Khorog

Ein Beitrag von Nicole Angermann

Duschanbe-Khorog-Express

Duschanbe-Khorog-Express

Es ist Dienstagmorgen in Duschanbe. Ich sitze in der VIP Lounge des Flughafens und warte auf den Hubschrauberflug der Aga Khan Stiftung nach Khorog, der nur bei schönem Wetter fliegt. Aber das Wetter ist schlecht. Nach einem Anruf bei dem Verantwortlichen ist klar, der Flug nach Khorog ist gestrichen. Ich nehme mein Gepäck in die Hand und suche mir ein Taxi, das mich zur Haltestelle der Sammeltaxis Richtung Pamir bringt. Ein netter Taxifahrer bringt mich zu der abgelegenen und eher nach einem Schrottplatz aussehenden Haltestelle.
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Getrennte Schwestern – illegale Grenzübertritte zwischen Usbekistan und Tadschikistan

Ein Beitrag von Andreas Mandler, Claudia Musterfrau und Thomas Loy

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Tadschikistan und Usbekistan – getrennte Schwestern Seit an Seit; tethys 2011.

Die Nachbarn Tadschikistan und Usbekistan trennt eine über 1.000km lange Grenze. Auf beiden Seiten dieser Grenze wohnen Tadschiken und Usbeken. In den späten 1990er Jahren wurde aus den von der Sowjetmacht in den 1920er Jahren in Zentralasien gezogenen administrativen Grenzen Barrieren, die den Alltag der Menschen erschweren, Familien trennen und Bewegungen von der einen auf die andere Seite behindern. Dabei war und ist diese Grenze politisch motiviert und folgt keinen geografischen, “ethnischen” oder sonstwie gearteten Trennlinien.
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living in mazar

Wie schlägt man sich als frisch gebackener Mitarbeiter in der sogenannten Entwicklungszusammenarbeit in Afghanistan und was beschäftigt einen jungen aufgeschlossenen Europäer, wenn er plötzlich in einem Land arbeiten soll, von dem er vor seiner Abreise nur eine recht vage Vorstellung hatte?

Wer dies verfolgen möchte, der kann dies seit einem Monat auf seinem blog livinginmazar tun:

Ich werde in den nächsten Monaten von meinen Erfahrungen und Erlebnissen in diesem doch nicht ganz einfachen Land berichten. Worüber ich nicht schreiben werde, ist meine Arbeit, die ich hier weitestgehend ausklammern werde. Im Mittelpunkt dieses Blog sollen das Land, die Leute und meine persönlichen Erfahrungen im Umgang mit diesen stehen. Das dürfte dann auch … spannender sein als Berichte über Meetings und Sachstandsberichte.

Von Aktau nach Kungrad

Weichen zwischen Aktau und Kungrad

IMG_4069ndas Kaspische Meer hinter sich gelassen hat, war das nächste Ziel seiner Reise Nukus. Von dort aus ging es weiter durch Uzbekistans Touristenattraktionen nach Taschkent und von dort nach Almaty. Aufgrund der schwachen Netzanbindung in Uzbekistan gab es bisher auf seinem reiseblog keine posts östlich des Kaspischen Meeres. Mittlerweile ist er in China angekommen und berichtet von dort rückblickend über einen sonst eher wenig beachteten Streckenabschnitt – von Aktau nach Kungrad. Continue Reading →

NIWA – der feine Unterschied

Ein Beitrag von Michael Angermann

Niwa

NIWA - der feine Unterschied

Wenn man NIWA und Sowjetunion hört, denkt man schnell an einen geländegängigen Lada, der in jenen Breiten noch häufig anzutreffen ist. Wenn man aber eine kleine runde, kräftig blaue Cremedose in der Hand hält, auf der NIWA in lateinischer und arabischer Schrift steht, dann befindet man sich wahrscheinlich am Rande der globalen Markenwelt. Auf dem afghanisch-tadschikischen Grenzmarkt in Ishkashim fristet sie nun als letzte ihrer Art ihr Dasein in einem schäbigen Karton und wartet am Eingang des Wakhankorridors auf den pflegebedürftigen Kunden. Continue Reading →

Der Weg der Paschtunen

Auf der Seite des Afghanistan Analysts Network (AAN) gibt es seit ein paar Wochen eine umfassende und klar strukturierte Darstellung des sogenannten Paschtunwali.

Das Paschtunwali kann als idealisiertes Selbstporträt der Paschtunen interpretiert werden und enthält alle Traditionen, mit denen sich die Paschtunen, nach ihrem Verständnis, von anderen ethnischen Gruppen unterscheiden und die ihre Beziehungen untereinander regeln: Ihr Stammesgeist, ihr ausgeklügelter Ehrenkodex, moralische und ethische Verhaltensregeln, die Forderung nach kriegerischer Tapferkeit, Interessenausgleich und Beratung, dem Gewohnheitsrecht und nicht zuletzt den islamischen Glauben.

Lutz Rzehak geht in seinem Beitrag Doing Pashto davon aus, dass bedingt durch die grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen in Afghanistan das Ideal des Paschtunwali nach drei Jahrzehnten Krieg mit anderen Wertesystemen konkurriert. Ein historischer und grundlegender Einblick in das traditionelle Werte- und Regelsystem der Paschtunen ist jedoch unbedingt notwendig um die heutige Gesellschaft in Afghanistan verstehen zu können.

Wo die Islamisten wohnen

Ein Beitrag von Wladimir Sgibnev

Im Herbst 2010 bot sich mir die einmalige Gelegenheit, das Dorf Chorkuh zu besuchen. Mit seinen etwa 30.000 Einwohnern liegt Chorkuh im südöstlichen Zipfel des tadschikischen Ferghana-Tals, 15 Kilometer südlich der Kreisstadt Isfara.

Kanal

Schule in Chorkuh – Alle Photos: querbeet aufgenommen von Aziz, Durdona, Nigora und dem Autor des Artikels

Dieser Winkel Tadschikistans ist dafür bekannt, dass der Islam hier besonders streng gelebt wird. Einer der Gründe dafür ist, so der Islamforscher Stéphane Dudoignon, dass Familien aus Chorkuh in den 1920er Jahren nach Saudi-Arabien ausgewandert waren und nach der Unabhängigkeit den strengen saudischen Islam in ihre Heimatdörfer importieren. Die sichtbarste Auswirkung dieser Entwicklung ist, dass, für Tadschikistan durchaus ungewöhnlich, keine einzige unverschleierte Frau auf der Strasse zu sehen ist. Auch Ganzkörperschleier sind keine Seltenheit. So besitzt das Gebiet zwischen Lakkon, Isfara und Chorkuh in der tadschikischen Presse den Beinamen “Islamisches Dreieck”. Continue Reading →