Das Comeback des Tigers in Zentralasien?

Ein Beitrag von Viktoria Wagner

Fragt man heute die Bewohner der zentralasiatischen Wüsten, was denn die typischen Raubtierarten ihrer Heimat seien, so wird man auf den Wolf oder den Korsak-Fuchs verwiesen. Wohl kaum jemand würde an einen Tiger denken. Dabei ist es nicht lange her, da streifte dieses Raubtier in den Wüsten Zentralasiens umher. Bis in die fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts lebte hier der sogenannte Kaspische Tiger. Diese Großkatze, die auch als Turantiger oder Panthera tigris virgata bekannt ist, war keine eigenständige Art, sondern eine Unterart des Tigers und somit ein naher Verwandter des Sibirischen und Indischen Tigers.

Panthera_tigris_virgata

Der ausgestorbene Kaspische Tiger. Hier ein Exemplar aus dem Berliner Zoo (1899). – Public Domain Abbildung aus Wikimedia Commons.

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CAsiabytrain

Seit einigen Wochen ist ein guter Freund vorwiegend mit dem Zug unterwegs nach und durch Zentralasien. Seine Erfahrungen dokumentiert und kommentiert er mit tollen Bildern auf seinem Reiseblog asiabytrain. Im Fokus des Autors steht vor allem Architektur. Der Weg führte ihn bisher von Paris über den Balkan und die Türkei nach Georgien und von dort nach einem längeren Aufenthalt weiter nach Azerbaidschan. Vor ein paar Tagen hat er Baku mit dem Schiff in Richtung Aktau verlassen.

Fähre Baku-Aktau

Auf der Fähre Baku-Aktau

“Ich habe ja schon nicht mehr daran geglaubt, aber es hat doch noch geklappt. Nachdem die Verbindungen von Baku nach Taschkent und von dort nach Nukus nicht sehr günstig lagen … habe ich beschlossen am Dienstag ein Flugticket für Donnerstag zu kaufen, falls es bis dahin keine Fähre gibt. Aber als ich am morgen zum Kassenhäuschen kam, wurde mir mitgeteilt, dass um 12 eine Fähre ablegt. So musste ich mich sehr beeilen, mein Gepäck zu holen. Abgelegt haben wir aber erst um Mitternacht. In Aktau kamen wir um 19 Uhr an, konnten aber erst am nächsten Mittag in den Hafen einlaufen. Bis ich durch den Zoll war, war es dann schon sieben Uhr abends. So verbringe ich einen Tag in Aktau und fahre morgen Abend weiter nach Kungrad. Ich bin sehr froh, dass es doch noch geklappt hat. Die Überfahrt war super.”

Mitreisende

Mitreisende

küche fähre

Kombüse

Aktau in Sicht

Aktau in Sicht

Ab jetzt werden wir hier öfters über den Reiseverlauf durch Zentralasien berichten oder bei Gelegenheit auf neue posts auf asiabytrain verweisen.

Nouruz in Berlin

On 24 March 2011 Persians and Turks, Sunnites and Shiites met to celebrate together in Berlin.
Ein Beitrag von Sophie Roche und Dina Wilkowsky (Zentrum Moderner Orient, Berlin)

Nouruz is an ancient feast marking the beginning of spring. It is celebrated throughout Central Asia as well among Persian as among Turkic speaking populations. The day has been fixed at 21 March however the feast stretches over several days. Like every feast it is accompanied by numerous rituals and dishes. In 2010 the UNESCO declared the Nouruz feast immaterial world heritage and thus elevated it to internationally prestigious event.

On Thursday 24 March 2011, for the first time on German ground, embassies of eight Central Asian countries organized together a celebration of Nouruz. The event was an occasion for the ambassadors (who were all personally present) and the more than 800 guests to meet. Having the occasion to participate we could observe how culture became the theatre for a political interplay leaving big questions such as religion, ecology, and politics officially aside. Although the phenomenon may not be new, it was a historical event for the regions of Central Asia.

Present were Afghanistan, Azerbaijan, Iran, Kazakhstan, Kyrgyzstan, Tajikistan, Turkmenistan and Turkey. The initiative was taken by the Kazakh embassy apparently meeting the interest by all the above mentioned countries to find ways of meeting outside western observance. Many of the states had celebrated Nouruz before with some of the participants such as the (Persian speaking) Afghanistan, Iran and Tajikistan but the dimension of this event exceeded these previous celebrations and was a splendid effort to unite most various political systems, Turkic and Persian speakers, Sunnites and Shiites, and economically extremely different countries. Each country presented itself with a short concert showing a range of various musical traditions, tastes and styles. Whereas Afghans and Iranians performed traditional music out of the large repertoire of Persian music, the Azerbaijanis flew in the state dancing group. Kazakhs offered an impressing concert with pre-Islamic shamanic elements and Kyrgyz surprised with a young wunderkind violin player performing the highest of classics of European music such as Paganini. The Tajik took recourse to a Soviet-traditional stage-music presentation by a female Tajik artist from Moscow and the Turkmen to a contemporary national creation. The Turkic embassy eventually presented musicians from the conservatorium in Berlin. This variation demonstrates best culture in making and traditions in the flow of time.

Certainly the recognition of Nouruz by the UNESCO helped to elevate this feast beyond a purely cultural local and national event offering itself to the creation of political links through common traditions. By officially denying Nouruz much political relevance, it could become a politically used cultural event creating what the moderator has called a culture of peace among very distinct political systems in a world in which minor differences can become deadly impasses. Without having western or other external political representatives to host or finance the event it remained in the hand of those who celebrated it which made all parties to be treated very equally.

Although Uzbekistan did not participate and we may have preservation about the politics of many of those countries (a demonstration took part outside the building against Iran) it was nevertheless an important step for all those countries in finding a common denominator beyond ethnic, political, or religious divisions on a common cultural ground and without having the west or any other external force to dominate the agenda.

Start: Crossroads Asia

Das neu ins Leben gerufene wissenschaftliche Kompetenznetzwerk Crossroads Asia stellt sich am Donnerstag den 7. April in Berlin zum ersten Mal einer breiteren Öffentlichkeit vor.

Der geographische Untersuchungsraum dieses Kompetenznetzwerks … reicht vom östlichen Iran bis Westchina und vom Aralsee bis nach Nordindien” und umfasst somit ziemlich deckungsgleich die von Tethys in den Blick genommenen Regionen. Bei beiden bildet Afghanistan den Knotenpunkt dieser Raumkonstruktion.

Ziel dieser auf vier Jahre angelegten fächerübergreifenden wissenschaftlichen Initiative mehrerer über ganz Deutschland verteilter Institutionen ist es, neue Fragen und Perspektiven an und auf diesen Großraum und die dort befindlichen Gesellschaften zu richten sowie deren Vernetzung zu untersuchen.

Insgesamt 15 Subprojekte sind bei dem vom bmbf finanzierten Großprojekt auf drei thematische Schwerpunkte verteilt. Bei diesen handelt es sich um Konflikt, Migration und Entwicklung.

Die einzelnen Projekte versprechen eine intensive und thematisch breit gestreute Auseinandersetzung mit Themen und Problemen der Region und man darf auf die ersten Arbeitsschritte und Ergebnisse der verschiedenen Forschergruppen gespannt sein.

So sehr diese Initiative zu begrüßen ist, muss man doch die Frage stellen, wie es sein kann, dass eine derart groß angelegte Anstrengung erst jetzt, 2011, zehn Jahre nachdem Afghanistan in Deutschland (zumindest zeitweilig und partiell) ins Zentrum der Aufmerksamkeit gerückt ist, ins Leben gerufen wurde. Aber besser spät als nie.

Guten Start!

Herr Licht hat Träume

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Der Dieb des Lichts – der neue Film von Aktan Arym Kubat
vorab gesehen von Wladimir Sgibnev

Strom lässt Glühbirnen und Fernseher leuchten, auch in den Bergen Kirgistans. Strom ist aber auch der Rohstoff für Geschichten an langen Abenden, für heiße Teekessel, für die moderne Zeit schlechthin. Dabei ist zwanzig Jahre nach dem Ende der Sowjetunion nicht nur das Stromnetz marode, auch das soziale Netz ist brüchig geworden. Die Zeiten sind rauer und die Strompreise unbezahlbar. Continue Reading →

Vom Schneechaos in den Sommer Sibiriens träumen

Irkutsk

“Zur Hölle mit Frau Holle” titelte neulich ein deutsches Boulevardblatt. Ob die das einfach so hinnimmt, so eine Verfluchung ? Sie wird es uns zeigen. Es ist Winter in Deutschland. Manch einer bleibt vorsätzlich zu Hause ohne Reiseambitionen ins Schneechaos da draussen.

Wagon Restaurant

Wer zwischen den Jahren 156 Stunden Zeit übrig hat, der kann die Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Wladiwostok im Sommer erleben.

Hier ein Beispiel, die Ausfahrt aus Moskau:

Dazu gibt es entweder Schienengeräusche, russisches Radio, Balalaikamusik oder ein russisches Hörbuch. Wer hingegen einen fliegenden Teppich dazu braucht, der kann sich dazu ein Mixtape anhören, das den passenden Klangteppich dazu bietet.

Mixtape weltempfaenger by weltempfaenger3

WikiLeaks und Zentralasien

Wikileaks hat auch einige Dokumente der amerikanischen Botschaften in Zentralasien veröffentlicht. Hier sind ein paar links zu Geschichten aus den Höhen und Tiefen von internationaler Politik, Wirtschaft und Diplomatie. So läuft es also auf dem diplomatischen Parkett – man hatte es sich ja schon gedacht – schön wenn man jetzt auch mal die internen Zusammenfassungen davon lesen darf! Danke Wikileaks! Und Dank an die amerikanischen Botschaften in Ashghabad, Astana und Bishkek. Das einzige Dokument aus Duschanbe (SUBJECT: TAJIKISTAN’S NEW SYNAGOGUE: BUSINESS, CENTRAL ASIA STYLE) weist leider keinen Inhalt auf. Und aus Taschkent wurde (diesmal) gar nichts geleakt.

Kirgistan (2 geleakte Dokumente)
1. Mit HRH (His Royal Highness) Andrew zu Besuch in Kirgistan (Britische Wirtschaftsinteressen und neues Great Game – Gedanken aus dem Nähkästchen eines Abkömmlings der alten Spieler) – toll!

2. Amerika trifft China auf Russischem Territorium – zwei Ambassadoren unter sich und die Frage “wollt ihr uns aus dem (Flug)Feld drängen?”

Turkmenistan (7 geleakte Dokumente)
1. Der Neue Präsident – eine knappe Biographie und Charakteristik vom reinlichen Berdimuhamedov und seinen familiären Verhältnissen.

Kasachstan (6 geleakte Dokumente)
1. Lifestile und Hobbies der politischen Elite Kasakhstans: Sun and horses, Clubbing, Skifahren mit Oligarchen, Konzert mit Elton (der war doch auch schon in Taschkent), Sport und Politik. Amerikanische Diplomaten tanzen mit den Einheimischen. -Gossip

2. Big money and big players in Kasachstan – Privates dinieren mit einem informierten Geschäftsmann. – schon interessanter.

So – durch den Rest könnt ihr euch alleine wühlen. Aus Kabul gibt es übrigens 41 Dokumente zwischen September 2007 und Februar 2010.

Die Tragetasche Mittelasiens: Eine Liebeserklärung an A&C “AYGEN COLLECTION” STYLED IN ITALY

Ein Beitrag von Michael Angermann

Die Tragetasche in der TotaleDie Tragetasche im gebührenden Sonnenschein

Da hängt sie nun an einer kalten Hand irgendwo im winterlichen Kiew. Ihre Freunde sind weit weg. Die tummeln sich vornehmlich in Mittelasien. Wenig ist über sie bekannt. Ihr künstlerischer Geburtsort soll in Italien liegen, zumindest verkündet das die Aufschrift “Styled in Italy”. Eine italienische Schuhkollektion soll es ursprünglich gewesen sein. Die Betonung liegt auf “soll”. Ihre wahre Herkunft verschleiert sie. Die liegt wahrscheinlich ursprünglich in Tschirtschik bei Taschkent, doch heutzutage vor allem irgendwo im Reich der Mitte. Continue Reading →

Orientträume und Sammeln im Emirat Buchara um 1900

Ein Beitrag von Melanie Krebs

[inspic=632,left,,300] Noch Anfang des 19. Jahrhunderts war das Reisen in den zentralasiatischen Emiraten aufgrund der politischen Gegebenheiten, den untereinander kämpfenden Fürstentümern und ihrer Abwehr gegen alles Fremde, für Ausländer gefährlich und wenig attraktiv. So verbrachte der russische Gesandte Muravyov 1819 in Chiva die meiste Zeit unter Hausarrest – und hatte damit noch Glück gehabt: für die beiden britischen Unterhändler der East India Company, Stoddart und Conolly, ging ihre Reise 1842 nach Buchara schlechter aus: Sie wurden als Spione geköpft; ein Ereignis, das in Europa einen vermutlich gewünschten abschreckenden Effekt hatte.
Auch spätere Reisende, die es aus beruflichem Interesse nach Zentralasien verschlug, zeigten sich wenig begeistert. Der Turkologe Hermann Vambery, der in den 1860er Jahren als Derwisch verkleidet durch Zentralasien reiste, um dort unbehelligt forschen zu können, kommentiert lapidar:

Weit entfernt, schön, prachtvoll und großartig zu sein, wie die von Teheran, Täbris und Isfahan bieten die Basare Bocharas dem Auge des Fremden einen auffallenden, eigenthümlichen Anblick dar. Wer lange in den Wüsten Zentralasiens umhergeirrt ist, wird in Bochara trotz aller Armseligkeit immer etwas Hauptstadtartiges finden (Vambery 1865: 139,155)

Der Deutsche Franz von Schwarz, der als Astrologe lange an der Sternwarte in Taschkent arbeitete, hatte noch andere Probleme:

Wie langweilig, ja geradezu unerträglich sich infolge der geschilderten Verhältnisse (dem Fehlen von Frauen im Straßenbild! MK) das gesamte Leben in den von Eingeborenen bewohnten Städten gestaltet, davon kann sich nur derjenige einen Begriff machen, der einmal durch sein Unglück auf längere oder kürzere Zeit in eine solche Stadt verschlagen worden ist. (Franz von Schwarz, Aufenthalt in Turkestan 1874-1890; Schwarz 1900: 194)

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