Reiseführer Tadschikistan neu aufgelegt

Titelbild der Neuauflage

Titelbild der Neuauflage

“Besuchen Sie Tadschikistan bevor die Touristen kommen!”

Dieses Motto könnte auch der zweiten, überarbeiteten und deutlich erweiterten Auflage des im Trescher Verlag erschienenen Reiseführer: Tadschikistan vorangestellt sein. Auch sechs Jahre nach der Erstauflage sind die Touristenzahlen in Duschanbe, dem Zerafschantal und im Pamir noch recht überschaubar, von anderen, nicht weniger interessanten Gegenden ganz zu schweigen. Der neu aufgelegte Band ist fast doppelt so dick wie sein Vorgänger – und dabei ist keine Seite zuviel! Auch die Autorinnen haben sich verdoppelt: Sonja Bill bildet diesmal zusammen mit Dagmar Schreiber ein Autorinnenteam. Im deutschen Sprachraum ist der Reiseführer damit auch weiterhin konkurrenzlos.

Neben kurzen Einführungen in die Geschichte, Kultur und Natur des Landes findet sich auch eine Beschreibung der aktuellen politischen Lage, die mit dem im Herbst vergangenen Jahres erfolgten Verbot der Partei der islamischen Wiedergeburt endet, der bis dahin einzigen ernst zu nehmenden Oppositionspartei in Tadschikistan. Auch hier zeigt sich die Neuauflage auf dem neuesten Stand. Deutlich erweitert wurden die Abschnitte zu den verschiedenen Regionen Tadschikistans. Neu hinzugekommen ist unter anderem der sehr informative und kurzweilige “Kleine Pamir-Knigge” von Stefanie Kicherer, der sich von Reisenden getrost auch in den anderen Landesteilen anwenden lässt.
Ein weiteres Highlight des Reiseführers möchte ich im folgenden ganz vorstellen: Continue Reading →

edition-tethys: im Gespräch

In eigener Sache! Seit heute (4.12.2015) ist ein schönes Gespräch mit Olaf Günther über die edition-tethys und die Kraft von Geschichten in der Wissenschaft online:

nachzuhören hier

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Auch auf der Afghanistan-Seite von Thomas Ruttig gibt es seit dem 23.November eine kurze Beschreibung der “Begegnungen am Hindukusch”.

Und nochmal bei Thomas Ruttig kommentierte Auszüge aus den “Begegnungen am Hindukusch” – es gibt übrigens noch einige Exemplare der ersten Auflage – greift zu und bestellt! mailto: loy@edition-tethys.org

Ins rechte Licht gerückt: neuer Dokumentarfilm über das älteste Naturreservat Mittelasiens

Ein Beitrag von Viktoria Wagner

Mit seinen 89 Jahren ist das Naturreservat Aksu-Jabagly das älteste Naturschutzgebiet Mittelasiens. Es erstreckt sich über die mächtigen Ketten des westlichen Tien Shan Gebirges, in Südkasachstan, und grenzt an Kirgisien und Usbekistan. Trotz seiner spektakulären Natur, ist dieses Gebiet bei uns nur wenig bekannt.

 

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Naturreservat Aksu Jabagly. Bildquelle: http://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/abenteuererde/sendungen/baeren-in-den-himmelsbergen-100.html

Der Filmemacher Tobias Mennle hat diesem Gebiet nun einen wunderbaren Dokumentarfilm gewidmet, der vor einigen Tagen auf WDR ausgestrahlt wurde:

http://www1.wdr.de/fernsehen/wissen/abenteuererde/sendungen/baeren-in-den-himmelsbergen-100.html

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Archäologische Sensation in der Turgai Senke (Kasachstan)

Ein Beitrag von Viktoria Wagner

Ein Mosaik aus spröder Steppe, etlichen Salzseen und kleinen Waldfragmenten durchzieht die Turgai Senke. Das flache Becken erstreckt sich von der Stadt Kostanai, im nordwestlichen Zipfel Kasachstans gelegen, bis in die Halbwüste hin. Die Gegend ist dünn besiedelt. Hier und da trifft man auf kleine Siedlungen, Hirten und Melonenfelder. Manchmal kommen einige Birdwatcher aus dem Ausland vorbei. Ansonsten grassiert hier Landflucht. Zu rauh ist das Klima, zu riskant die Landwirtschaft. Für fremde Augen ist die Steppe nichts als flache Eintönigkeit.

Ausgerechnet diese abgelegene Gegend wurde in den letzten Jahren Schauplatz einer archäologischen Sensation.

 

Ushtogai Square, ein Geoglyph in der kasachischen Steppe, ca. 300km Luftlinie südöstlich von Kostanai (ca. 300m Seitenlänge). N 50.8329°, E 65.3263°). Quelle: Google Earth

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edition-tethys

 

logo_verlagtethys hat seit Anfang September mit edition-tethys einen eigenen Verlag. Dieser füllt eine Lücke in der regional ausgerichteten und ethnographischen Literatur. Das Verlagsprogramm ist radikal narrativ und will von Regionen und dem Alltag der dort lebenden Menschen erzählen.

 

In unseren Publikationen folgen wir unserem Verlangen, die Welt aus erster Hand kennenzulernen, und uns von ihren Besonderheiten und Widersprüchlichkeiten erzählen zu lassen. Seit dem 01.10.2015 ist nun der erste Band mit Zentralasienbezug im Handel!

Begegnungen-am-Hindukusch-211x300Die dokumentarischen Erzählungen des Sammelbandes “Begegnungen am Hindukusch” spannen einen Bogen von den 1960er Jahren bis heute und stammen unter anderem von den Autoren Karl Wutt –Reinhard Schlagintweit – Ingeborg Baldauf – Jürgen Wasim Frembgen –  Thomas Ruttig –Ali Karimi –  Lutz Rzehak – Manfred Lorenz – Hermann Kreutzmann und Ayfer Durdu.

Wir hoffen auf viele Leser und nehmen gerne Manuskripte entgegen….

 

“Säuberungswelle” in vollem Gang

Opposition wird in Tadschikistan nicht geduldet. Nachdem in den letzten Jahren immer wieder ehemalige Verbündete und Gegner aus Bürgerkriegszeiten durch das in Duschanbe herrschende Regime Emomali Rahmons verhaftet, bedroht, zu langen Freiheitsstrafen verurteilt, militärisch bekämpft oder unter ungeklärten Umstanden ums Leben gekommen sind, spitzt sich seit einigen Wochen die politische Lage im Land weiter zu. Seit den Parlamentswahlen im März gerät die Partei der Islamischen Wiedergeburt (PIW) und damit die letzte im Land verbliebene Oppositionspartei und deren Mitglieder immer weiter unter Druck.
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Für Liebhaber zentralasiatischer Sprachen

gerade rechtzeitig zum Urlaubsausklang ereilte mich in Dänemark ein link zu einem herrlichen Text, der kürzlich im NEW YORK TIMES Magazine erschien: “Letter of recommendation: Uzbek” von Lydia Kiesling. Für Freunde zentralasiatischer Sprachen und all diejenigen, die das Leben auch als eine wunderbare Abfolge von merkwürdigen und kaum nachvollziehbaren Entscheidungen halten. Katta Rahmat Micha!

Fitrats kleine Kapitalismusschule 2

From-the-Ruins
Abdurrauf Fitrat gehört zu den eher weniger bekannten asiatischen Kritikern des westlichen Imperialismus, die, inspiriert vom Sieg der Japaner über das zarische Russland 1905, zur Feder griffen, um ihre Gesellschaften aufzurütteln und aufzubegehren gegen die europäische Übermacht. „The early men of modern Asia“ schreibt Pankaj Mishra in seinem faszinierenden Buch From the Ruins of Empire über genau diese Aufklärer “travelled and wrote prolifically, restlessly assessing their own and other societies, pondering the corruption of power, the decay of community, the loss of political legitimacy and the temptations of the West.” Sie alle stehen am Beginn des Erwachens der asiatischen Welt. Von Ägypten über den Iran und Indien bis China und Japan reagierten junge Intellektuelle des frühen 20. Jahrhunderts mit einem ähnlich angelegten Programm. Continue Reading →

Fitrats kleine Kapitalismusschule

1991 ist der Kommunismus mit dem Ostblock untergegangen. 2008 starb der Kapitalismus. Als ich ein junger Student der Wirtschaftswissenschaften war, gab es einen großen Streit zwischen den Sozialisten, die an eine zentrale Planwirtschaft glaubten und den Hayekianern, oder Liberalisten, die auf das Wunder des Marktes setzten. Die Befürworter der Marktwirtschaft argumentierten, dass der Kapitalismus ein evolutionärer Kampf sei, in dem die Stärksten siegen und die Schwächeren, die weniger produktiv und profitabel sind untergehen … die Rettungspakete die für die Banken nach 2008 geschnürt wurden, waren so etwas wie umgekehrter Darwinismus. Je erfolgloser die Banker und je größer die Verluste ihrer Bank waren, desto größer war auch die Unterstützung von Seiten der Steuerzahler, und desto erfolgreicher wurde dem Rest der Gesellschaft das Geld aus der Tasche gezogen.
(Yanis Varoufakis, 2014, Der Kapitalismus (4/6) 47:00-48:20, arte)

110es Geburtsjubiläum Abdurauf Fitrats 1996

Briefmarke zum 110. Geburtsjahr ‘Abdurauf Fitrats im Jahr 1996

Gut 100 Jahre früher machte sich in Buchara ein junger Intellektueller ebenfalls Gedanken über den Kapitalismus, der, in Gestalt des zarischen Russlands dabei war, die Gesellschaft seiner Heimat zu zerstören. Im Jahr 1913 veröffentlichte  ‘Abdurauf Fitrat zwei theoretische Essays in der Zeitschrift Āʿīna. Diese wurde in den Jahren 1913 bis 1915 von Mahmud Xo’ja Behbudi in Samarkand herausgegeben. In “Der Profit” und in “Das Leben und das Ziel des Lebens” beschäftigt sich Fitrat mit den Grundlagen und Besonderheiten der menschlichen Gesellschaft. Den Lesern und Hörern präsentiert Fitrat in den beiden Essays eine auf europäischen Theorien beruhende Entwicklungstheorie, die sich von den traditionell in diesem Raum herrschenden Vorstellungen von Welt deutlich unterschied. Die einer Gesellschaft zu Grunde liegenden Mechanismen stellte er dabei als allgemein gültig, wissenschaftlich erklärbar und rational nachvollziehbar vor. An der Richtigkeit und Notwendigkeit dieser Herangehensweise gab es für Fitrat keinen Zweifel. Durch Überzeugungsarbeit sollte der für nötig erachtete strukturelle Wandel der islamischen Gesellschaft in Buchara und Russisch Turkestan initiiert und die Menschen dieser Region auf die veränderten Rahmenbedingungen der neuen Epoche vorbereitet werden.
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Die Verflechtung der Welt

Ein Beitrag von Olim devona

Luzerne

Mit freundlicher Genehmigung von Anne Tanne

Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte das rechte Flussufer des Amudarja zum russländischen Generalgouvernement Turkestan. Aus dieser Region des Russischen Reichs hörte man damals im Westen recht wenig. In zeitgenössischen Berichten russischer Reisender auf ihrem Weg nach Chorezm oder in die weiter südlich gelegenen Chanate, nach Afghanistan, Indien oder in den Iran, findet sie nur beiläufig Erwähnung. Da die Deltaregion des Amudarja nicht so voller eindrücklicher Monumente war, wie die südlicheren Wüstenstädte Chiwa oder Buchara, war das Interesse am Delta gering. So blieb das Amudarja Delta und die vielen dort lebenden Volksgruppen, die in lebhaften Auseinandersetzungen mit ihren Nachbarn Handel trieben oder stritten und deren Leben auch durch die Launen der Wasser des Amudarja in Bewegung gehalten wurde, lange Zeit weitgehend unbekannt.

Aus dieser Region ist folgende Geschichte überliefert:
Etwa 1905 oder 1906 wurde aus Russland im Amudarja-Delta die Futterpflanze Luzerne eingeführt, für die die Region um Čimbaj ideale Bedingungen bot. Anfangs deckte die Gewinnung der Luzernensamen nur den Bedarf der lokalen Bevölkerung, doch schnell wurden mehr und mehr Überschüsse produziert.

Die Luzerne oder Alfalfa (Medicago sativa) ist eine aufrecht wachsende, krautige und mehrjährige Pflanze aus der Familie der Hülsenfrüchtler (Fabaceae, Leguminosen). Sie wird weltweit im großen Maßstab als Futterpflanze für Tiere angebaut. Man schätzt, dass sie vor Jahrtausenden vom Menschen in Kultur genommen wurde, vermutlich in den Trockengebieten Zentralasiens, wo sie auch heute noch wild vorkommt. Aufgrund ihres guten Futterwertes wurde sie vom Menschen rasch in andere Länder verbreitet, und war bereits bei den alten Persern und Ägyptern bekannt.
Wie die meisten Arten der Leguminosen lebt auch die Luzerne in Symbiose mit Wurzelknöllchenbakterien. Mit Hilfe dieser Mikroorganismen können die Luzerne-Wurzeln den für Pflanzen so wichtigen Stickstoff nicht nur aus dem Boden, sondern auch aus der Luft binden, was ihr den Vorteil verschafft, dass sie auch auf nährstoffarmen Böden gedeihen kann.

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