Publikation zur Dari-Literatur im 20. Jahrhundert
February 25, 2010 | 1 Comment
vor kurzem erschien ein Buch, auf das die Tethys-Redaktion gerne alle an Afghanistan interessierten Leser aufmerksam machen möchte. Die Erzählprosa der Dari-Literatur in Afghanistan 1919-1978 von Dr. Sayed Hashmatullah Hossaini gibt einen einzigartigen Überblick über die bis zur sogenannten April-Revolution auf Dari publizierte Erzählprosa. Neben einer historischen und thematischen Einordnung dieser im Vergleich zur Dichtung jungen und auf europäische Vorbilder zurückgreifenden Entwicklung innerhalb der Afghanischen Literatur findet man in diesem Werk Kurzcharakterisiken zahlreicher Autoren und ihrer Prosawerke.
Eine Reise in die Tadschikische SSR der frühen 1930er Jahre - Joshua Kunitz: “Dawn over Samarkand”
January 25, 2010 | 1 Comment
ein Beitrag von Thomas Loy
Beim Stöbern in der Zentralasien-Bibliothek der Humboldt-Universität zu Berlin fiel mir kürzlich ein in gelblich-braunes Leinen gebundenes Buch mit dem markanten und in auffälligem rot abgesetzten Titel “Dawn over Samarkand” auf. Sein Autor ein gewisser Joshua Kunitz. Als ich das Buch öffnete verriet ein Stempel im Inneren, dass es aus der Privatsammlung des bekannten Iranisten Heinrich F. J. Junker (1889-1970) stammt. Dieser hatte darin zahlreiche Stellen feinsäuberlich mit verschiedenfarbigen Buntstiften markiert. Vielleicht ein Hinweis darauf, dass in dem Werk mehr stecken könnte als “nur” ein Leckerbissen für bibliophile Liebhaber frühsowjetischer Reiseliteratur?
Mordekhai Bachaev - “1918″
March 16, 2009 | Leave a Comment
Im März 2009 jährt sich zum zweiten Mal der Tod des herausragenden bucharisch jüdischen Literaten, Publizisten und Intellektuellen Mordekhai Bachaev, auch bekannt unter dem Pseudonym Muhib (”der Freund“). Thomas Loy arbeitet an einer Übersetzung seiner Memoiren Dar Juvol-i Sangin (”Im steinernen Sack“) und stellt im Folgenden einen kurzen Ausschnitt daraus vor. Die Memoiren bestehen aus zwei Bänden. Band 1 behandelt die Jahre 1918 bis 1938 und beschreibt mittels Rückblenden und oralen Traditionen auch das vorsowjetische Leben der bucharischen Juden. Der zweite Band beginnt mit der Verhaftung des jungen Intellektuellen und handelt von den Jahren seiner Gefangenschaft in Taschkent und nach seiner Verurteilung in einem Lager im Ural 1938-1945.
Das hier vorgestellte Kapitel fasst kurz die Ereignisse und Erlebnisse der Familie Bachaev in der Stadt Kokand im Jahr 1918 zusammen. Mordekhai war zu diesem Zeitpunkt gerade sechs Jahre alt. Sein Vater war knapp zwei Jahre zuvor mit seiner Familie aus Marv in das administrative Zentrum der Provinz “Ferghana” gezogen. Das Ferghanatal wurde nach der Russischen Eroberung in den späten 1860er Jahren zum führenden Baumwollproduzenten für die zarische Textilindustrie ausgebaut worden und war auch Mitte der 1910er Jahre noch eine attraktive Boomregion. Einige der im Ferghanatal ansässigen bucharisch Jüdischen Familien (etwa die Vaid’iaev Brüder, die Simkhaevs, die Poteliakhovs und die Davidovs) gehörten zu den wohlhabendstend und umsatzstärksten Unternehmern des Russischen Reichs. Read more
Auf dem schmalen Grat. Annäherung an die zeitgenössische tibetische Literatur.
March 5, 2009 | 1 Comment
Ein Beitrag von Franz Xaver Erhard
 
Seit einigen Jahren entwickelt sich auf dem tibetischen Hochland eine Literatur, die nur allmählich auch international bekannt wird. Von den Exilautoren wird sie oft mit Argwohn betrachtet und gilt vielen als reine Parteipropaganda, tibetischer Inhalte entleert. Aber Autoren und Lesern der allerorts aufkeimenden Literaturzeitschriften, in jüngster Zeit auch Blogs scheint diese Literatur ein Anliegen zu sein. Ohne finanzielle Anreize engagieren sich junge Intellektuelle unter den Argusaugen der staatlichen Behörden in einem richtungweisenden Diskurs über die tibetische Kultur.
Jede Zeit bringt ihre eigenen literarischen Formen hervor. Seit den 80er Jahren sind dies für Tibet die kleinen und größeren Erzählformen. Besonders die Kurzgeschichte, die für den Abdruck in Zeitschriften gut geeignet ist, bietet den Autoren eine Möglichkeit, sich einem breiteren Publikum zu präsentieren. In den letzten Jahren sind auch mehr und mehr Romane und Erzählbände einzelner Schriftsteller erschienen, etwa von Tsering Döndrub, Dänba Dargyä oder Khedrub.
Buchara oder In Erwartung eines Sandsturms
November 7, 2008 | Leave a Comment
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Ein Reprint von Landolf Scherzer![]()
Mitte der 1970er Jahre reiste ein DDR-Schriftsteller in die 5 südlichen Sowjetrepubliken, die sogenannten -stans , und erschrieb sie einem DDR Publikum. Es entstand das Buch “Nahaufnahmen”. Aus diesem Buch veröffentlichen wir nun nach seinen Erlebnissen in Samarkand ein weiteres Mal seine Streifzüge durch Mittelasien. Sie geben in ungefilterter Fülle Eindrücke eines DDR Schriftstellers aus den späten Jahren des Sozialismus in Zentralasien wieder, die man zwar mit der Brille des Zeitzeugendokuments lesen muß, sie aber trotzdem geniessen kann.
Unlängst erschienen von Landolf Scherzer im Aufbauverlag zwei bemerkenswerte Bücher. In “Die Fremden” spürt er den Erfahrungen von Gastarbeitern in der DDR und derer nach, die mit ihnen und für die sie arbeiten und schildert ihre Schicksale in Wende- und Nachwendezeit. In “Der Grenzgänger” läuft Scherzer entlang der Deutsch-Deutschen Grenze zwischen Thüringen, Hessen und Bayern und berichtet von seinen Erlebnissen auf beiden Seiten.
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Buchara oder In Erwartung eines Sandsturms
Nach meiner Ankunft in Buchara staune ich zuerst über Amateurartisten in blauen Monteuranzügen. Sie klettern auf weißen geradwandigen und spitzgiebligen Schobern herum, die so groß wie Zweifamilienhäuser sind, und versuchen, sie mit Planen zu bedecken. Beim Näherkommen entpuppen sie sich als Millionen sorgfältig gestapelter Baumwollblüten. Doch das erklärt mir nicht die auffällige Hast, mit der die Männer den weißen Flaum unter der Plane verstecken wollen. Der Himmel ist wolkenlos blau, und die Scheibenwischer sind an fast allen Autos bestimmt demontiert, denke ich, da es hier im Sommer sowieso nicht regnet. Read more
Im Land der Frauen
August 2, 2008 | 1 Comment
Anfang der 1890er Jahre tourt eine außergewöhnliche Truppe durch Deutschland, die Amazonen von Dahomey. Am 3. Dezember 1892 kommentiert Die ILLUSTRIERTE ZEITUNG:
“Die Truppe der Amazonen von Dahomey, die früher in Leipzig, Berlin und anderen Orten gastierte, gibt gegenwärtig in München vielbesuchte Vorstellungen.”
In ganz Europa ließ man sich um die Jahrhundertwende gerne durch sogenannte Völkerschauen, “Gezähmte Wilde” und anderen Formen exotistischer Veranstaltungen und Einrichtungen unterhalten und in wohliges Schaudern versetzen. Die Tour der afrikanischen Amazonen jedoch erfreute sich aufgrund der Vorstellung, die man sich in Europa von diesem mystischen Frauenvolk machte, besonderen Interesses.
Amazonen, also Frauen, die nicht nur das Kriegshandwerk verstehen, sondern auch eine Gesellschaft aufbauen, in denen die dominante staatstragende Kraft Frauen sind, sind als mythische Figuren in der europäischen Sagenwelt seit dem antiken Griechenland wohlbekannt. Die Spekulationen, wo ihre Stammesgebiete gelegen haben, erstrecken sich u.a. auf Anatolien, die Ostufer des Schwarzen Meeres, iranische Gebiete und auf die Krim.
Als die afrikanischen Amazonen durch Deutschland tourten, lebte auf der Krim ein gewisser Ismail bey Gasprinskij. Seineszeichens hervorragender muslimischer Intellektueller, begeisterter Zeitungsleser und Herausgeber der Zeitung Tergümon (“Übersetzer”). Das Interesse an Zeitungen war bei Gasprinskij politisch motiviert und lag vor allem in der Möglichkeit begründet, mit einem eigenen Organ alle Krimtataren, sowie darüber hinaus auch alle anderen türkischsprachigen Intellektuellen vom Bosporus bis nach Zentralasien anschreiben und mit einem Programm erreichen zu können, das zur gleichen Zeit in der gesamten Islamischen Welt für Bewegung und Unruhe sorgte: die Islamische Aufklärung.
Als Ismail bey Gasprinskij das Ereignis der Amzonentour durch seine Zeitungslektüren bekannt wurde, wusste er längst, dass man in Europa mittlerweile Gebiete in Afrika als mögliche Heimat der Amazonen ansah. Auch war er bestens darüber im Bilde, was die europäischen Großmächte dort mit ihrem Kolonialismus anstellten. Und so ersann Gasprinskij eine Geschichte, in der er einen Taschkenter Mullah (Abbas Efendi) über eine Expedition in das “Land der Amazonen” im Herzen Afrikas berichten ließ. Diese Geschichte publizierte Ismail bey Gasprinskij 1890 und 1891 als Fortsetzungsroman in seiner Zeitung Tergümon.
Vor einigen Jahren übersetzte Ingeborg Baldauf diese Geschichte aus dem Krimtatarischen ins Deutsche. Bisher fand sich kein Ort für eine Präsentation dieser gleichermaßen pikanten wie lesenswerten Geschichte. Nun hat Ingeborg Baldauf ihr Manuskript tethys zur Verfügung gestellt. Wir bedanken uns ganz herzlich und veröffentlichen als download die deutsche Übersetzung
Sommerpause
August 2, 2008 | Leave a Comment
Der eine oder andere wird es vielleicht mitbekommen haben, aber draußen ist es wärmer geworden. Der Sommer fordert seinen Tribut, die Zeit anders zu verbringen als am heimischen vernetzten Herd. Deswegen geht tethys in die Sommerpause und meldet sich mit erst im September wieder zurück mit neuen Einblicken in die Kulturen Zentralasiens.
Damit aber die Zeit bis dahin nicht nur wie um Fluge vergeht, sondern Ihr auch noch was in die Strandkörbe mitnehmen könnt, stellt tethys die kürzlich hier erschienene Amazonen-Geschichte über das “Land der Frauen” als zusammengebundende Bildschirmausgabe zum download zur Verfügung.
Damit sei auch endlich ein uraltes Vorhaben von uns verwirklicht. Tethys öffnet damit eine Literaturseite, die in Zukunft übersetzte, längere und kürzere literarische Texte von Autoren aus der Region bereitstellt.
Viel Spaß in den Sommer wünscht Euch hiermit tethys!
Samarkand oder Ungewöhnliche Erkundung einer Stadt
July 4, 2008 | 4 Comments
Ein Reprint von Landolf Scherzer
Mitte der 1970er Jahre reiste ein DDR-Schriftsteller in die 5 südlichen Sowjetrepubliken, die sogenannten -stans , und erschrieb sie einem DDR Publikum. Es entstand das Buch “Nahaufnahmen”. Seine schriftstellerische Bekanntheit sollte sich eigentlich erst später mit einem Werk ergeben, das in der DDR wie eine kleine publizistische Überraschung wirkte: “Der Erste”. Der Schriftstellerverband der DDR hatte die Aufgabe gestellt, das Leben und Streben der Arbeiter- und Bauernpartei noch näher ans Volk zu bringen. Diesen Auftrag ernst nehmend stellte Landolf Scherzer den Antrag, den Bezirksparteisekretär von Suhl für 14 Tage auf Schritt und Tritt verfolgen zu dürfen. Das Ansinnen erschien märchenhaft, denn ein Bezirksparteisekretär war damals das, was heute ein Ministerpräsident eines kleinen Bundeslandes ist - kein unwichtiger Mann im Staate. Kurzum, Scherzer erhielt die Chance und nutze sie zu einer erstaunlich lebensnahen Reportage von den Aufgaben und Problemen und von den Leistungen und dem Unvermögen der SED Funktionäre.
Vor ein paar Jahren meldete sich Landolf Scherzer zurück auf der literarischen Bühne und schrieb zwei bemerkenswerte Bücher. In “Die Fremden” spürt er den Erfahrungen von Gastarbeitern in der DDR und derer nach, die mit ihnen und für die sie arbeiten und schildert ihre Schicksale in Wende- und Nachwendezeit. In “Der Grenzgänger” läuft Scherzer entlang der Deutsch-Deutschen Grenze zwischen Thüringen, Hessen und Bayern und berichtet von seinen Erlebnissen auf beiden Seiten. Landolf Scherzer fühlt sich stets in die Menschen ein, denen er begegnet und zeigt denen, die ihm dabei offensichtlich auf den Keks gehen auf recht direkte Weise seine Missfallen. Read more
Was bleibt ist die Erinnerung… zum Tod von Tschingis Aitmatow
June 14, 2008 | 2 Comments
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Ein Nachruf von Thomas Loy und Olim devona.
Nach dem Stalinismus der 1930er bis 1950er Jahre war das Verhältnis zwischen dem sowjetischen Staat und seinen Bürgern geklärt. Beide Seiten wussten relativ genau, woran sie waren. Die verängstigten Massen bezeugten dem herrschenden Apparat ihre Loyalität und Solidarität, dafür verzichtete dieser auf die willkürlichen und blindwütigen Zwangsmaßnahmen, die das Leben in der Sowjetunion seit den 1930er Jahren bestimmten. Diese rituelle Zustimmung blieb jedoch über die Jahre hinweg rein deklarativ und verpflichtete niemanden dem Staat auch tatsächlich zu dienen. Den Sowjetbürgern ermöglichte diese Strategie der Anpassung das Überleben. Es kehrte Ruhe ein in der Sowjetunion. Dazu trug auch ein anderes Ereignis bei. Der siegreichen Kampf gegen den Faschismus im zweiten Weltkrieg wurde für die Sowjetunion zur ersten alle Sowjetrepubliken integrierenden Kollektiverfahrung. Die damit einhergehende Erinnerungsarbeit ermöglichte es der sowjetischen Führung, vom selbstzerstörerischen Terror der 1930er Jahre abzulenken. Der durchstandene Krieg inszeniert als vereinendes Erlebnis, das alle negativen Erinnerungen überlagern sollte. Die Zeit davor wurde ausgeblendet und dann, nach Stalins Tod, schlicht als Fehlentwicklung abgetan. Was folgte war Stagnation. Read more
Im Land der Amazonen IV
April 10, 2008 | 1 Comment
Dies ist die letzte der vier Folgen, die alles in allem den um 1890 geschriebenen fiktiven Bericht eines Taschkenter Geistlichen Abbas Efendi ergeben, der im wüsten Afrika in das Land der Amazonen geriet. Die Folge I beschäftigte sich mit der Einführung einer fiktiven getrennt geschlechtlichen Welt, in der die Frauen das Sagen haben und die Männer ihnen dienen. Schnell erkennt der Leser die Zustandsbeschreibung französischer und zentralasiatischer Verhältnisse am Ende des 19. Jahrhundert. Erstaunen breitete sich aus, wurden wir gewahr, dass sich die Emanzipation der Geschlechter in Europas wenig von der des Orients unterschied. Folge II lies uns in eine Kulturdebatte eintauchen, in der schnell klar gemacht wurde, dass wie auch immer die Diskussion auf der Seite der Männer oder der Frauen verlief echte Gleichheit von keinem wirklich gewünscht wurde, ein Zustand der auch im Europa des 21. Jahrhunderts reine Zukunftsmusik bleibt. Read more







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