Orte der Liebe, Orte zum Heiraten, Bischkek 2009
January 8, 2010 | Leave a Comment
Vorbemerkung: Die erste Variante des Beitrages erschien unvollständig. Deswegen veröffentlichen wir ihn jetzt nocheinmal.
Ein Text von Wladimir Sgibnev, 2009
Bei einem Spaziergang durch die Parks der zentralasiatischen Hauptstädte sind sie nicht zu verkennen: die vielen jungen Pärchen, die nach Unterrichtsschluss in den Unis ihre Zeit händchenhaltend beim Spazierengehen verbringen oder die Sitzbänke bevölkern. Das russische Verb “gulat’ ” heißt je nach Situation „spazieren gehen“, „feiern“ oder eben „zusammen sein“. Hier in den Stadtparks wird die ganze Bandbreite dieses Worts sichtbar. Was in ländlichen Gebieten undenkbar ist, ist im modernen Bischkek alltäglich.
Die Wüstenoase Andkhoy und die Dürre in Afghanistan
August 2, 2009 | 2 Comments
Ein Beitrag von Olaf Günther
“Was braucht man, um in Zentralasien Landwirtschaft zu betreiben?” Diese scheinbar einfache Frage wurde vor Jahren einmal von unserem Lehrer an der Uni gestellt. Wir legten los: “Boden, Pflug, Eisenherstellung, Samen…?” Er schüttelte jedesmal den Kopf. Wir rätselten eine ganze Weile weiter, kamen aber nicht darauf. “Wasser!” war schließlich die Antwort. Wasser aber ist ein knappes Gut und in Afghanistan müssen Oasen mit kaum oder ganz ohne Wasser auskommen, da die Flüsse trocken sind und interregionale Wasserabsprachen flach fallen. “First come first serve” Mentalitäten setzten sich während des Bürgerkrieges durch. Die Dürre der vergangenen Jahre tut ihr übriges dazu. Eine dieser Oasen habe ich besucht, um herauszufinden, wie sich die Bewohner der Oase Andkhoy mit der Wasserknappheit arrangieren.
Sufi Poster Art in Pakistan
July 24, 2009 | 1 Comment
Ein Beitrag von Jürgen Wasim Frembgen
In Pakistan, dem zweitgrößten Land der muslimischen Welt und Kerngebiet des Sufismus (islamische Mystik), spielt die volkstümliche Verehrung charismatischer Heiliger eine außerordentliche Rolle. Zeitgenössische Poster-Porträts, die diese „Freunde Gottes“ und ihre Mausoleen abbilden, sind wichtige Medien der Frömmigkeit. Im Gegensatz zur allgemeinen islamischen Vermeidung figurativer Darstellungen orientiert sich der lebendige Schrein-Islam Pakistans an Bildern. „Persönlichkeitsposter“ berühmter Sufi-Heiliger sind konkrete bildliche Manifestationen, die heute in die Kultur des Massenkonsums eingebunden sind, aber dennoch ein reiches Archiv des visuellen Gedächtnisses bewahren.
Avantgarde und das Privileg der Provinz
June 4, 2009 | 1 Comment
Ein Beitrag von olimdevona
Im Norden Usbekistans am südlichen Rand des sterbenden Aralsees liegt ein Land, dass sich heute post Karakalpakistan nennt, das Land der Leute mit dem Schwarzen Hut. Von den Zentren des sowjetischen Imperiums aus gesehenen wie auch heute aus der Perspektive des unabhängigen Usbekistan ist der Landstrich am Aralsee tiefste Provinz. Seine Hauptstadt Nukus ziert jedoch ein Museum, das wohl nur der Provinzialität seines Standortes verdankt, dass es überhaupt entstehen konnte, das Sawitzki Museum.
In den letzten Jahren wurde viel getan, um die Bekanntheit des Museums zu stärken. Viele Touristen lösen ein Flugticket nach Nukus, allein um das Museum zu besuchen. Im Allgemeinen jedoch ist die Geschichte dieses Museums, dass das Schicksal der modernen Kunst Rußlands und Zentralasiens entscheidend mitbestimmte, im Westen wenig bekannt. Read more
Leben und Werk des Sayed Muhammad Da’ud al Hossaini
May 11, 2009 | 1 Comment
Ein Beitrag von Hashmat Hossaini.
Der Künstler, Forscher und Dichter Professor Sayed Muhammad Da’ud al Hossaini, gehörte zu den produktivsten Kunstprofessoren und war eine Koryphäe auf dem Gebiet der Kalligraphie in Afghanistan im 20. Jahrhundert. Hossaini wurde am 2. August 1897 (dem 12. des Monats Assad im Sonnenjahr der Hedschra 1276) in dem bei Kabul gelegenen Dorf Tipah geboren. Später wurde hier der Palast „Dar ol Aman-e-Kabol“ erbaut. Professor Hossaini hat vom Beginn bis zum Ende seines öffentlichen Wirkens zahlreiche Medaillen, Ehrenurkunden und Preise durch Regierungsbehörden überreicht bekommen, Auszeichnungen für sein Wissen, seinen Diensteifer und seine Loyalität zum damaligen Staat.
Neben seiner wissenschaftlichen, künstlerischen und administrativen Tätigkeit und seinem Lehramt an den Fakultäten für Literatur und Jura (Fach: islamisches Recht) an der Universität von Kabul, war Hossaini während der 12. und 13. Wahlperiode des afghanischen Parlaments als Senator im Oberhaus tätig. Danach wurde er Kulturberater und enger Vertrauter des Königs Muhammad Zahir Schah und versah dieses Amt bis zur Zeit des Staatsstreiches des Sardar Mohammad Da’ud Chan. Bedauerlicherweise verstarb dieser unermüdlich tätige, hochgebildete, künstlerisch hochbegabte und wortgewandte afghanische Gelehrte abends am Abend des 24. Dezember 1979 (im Sonnenjahr der Hedschra 1358) infolge eines Herzversagens in seinem Haus in Baghnawab-e Kabol und wurde tags darauf im Hof der Pilgerstätte Baba-ye Chodi beigesetzt. Read more
Exilkultur — Zentralasien in Moskau
February 27, 2009 | 1 Comment
Ein Beitrag von olim devona
Nach dem Zerfall der Sowjetunion blieb Moskau ein Zentrum aller Intellektuellen der Sowjetunion. In den Köpfen vieler Menschen blieb es Hauptstadt eines riesigen Reiches, das auf ein enormes intellektuelles Potential zurückgreifen konnte, die alle vor allem eins einte: sie sprachen eine Sprache und teilten eine gemeinsame Geschichte, wenigstens für drei Generationen. Die Bürgerkriegswirren, die Erhitzung oder Unterkühlungen des politischen und sozialen Klimas an verschiedenen Stellen Zentralasiens begünstigten dabei die Stellung Moskaus als dem Hafen für von allen Kämpfe müden oder nach wirtschaftlichen Reichtum hungrigen Menschen. Besonders die Intellektuellen halten den stetigen Kontakt zu Moskau. Wie bunt zentralasiatische Kultur in der russischen Förderation überhaupt ist, dass zeigt uns eine neue Seite: Afisha . Diese fächert in den Bereichen Fotografien, Kinokultur, Theater, Ausstellungen und Mode ein buntes Programm auf, mit Kritiken, Artikeln zu Filmen, Ausstellungen, Literaten und Vorankündigungen, ganz interessant für diejenigen, die nicht vor Ort sein können.
Exemplarisch will ich hier eine Fotoaustellung herausgreifen, die Rena Efendi noch bis Mai in der Fotogalerie Photographer.ru zeigt. Mit Namen Haus des Glücks ist diese Ausstellung eine Anspielung auf das Standesamt, dass in Usbekistan gleichlautend “bacht uyi” heißt. 32 Fotografien aus dem Ferghanatal sind hier zu sehen. Sie würfeln zusammen, was Rena Efendi an verschiedenen Stationen im Ferghanatal auf ihrer Fotoreportage erlebte, sie war bei Nomaden in der Steppe, sie hielt sich in Dörfern auf, in unwegsamen Gelände. Read more
Mystische Weberei
November 30, 2008 | 1 Comment
Ein Beitrag von Birgit Läbe
Während meines Aufenthaltes in Usbekistan bin ich auf der Suche nach verschiedenen Orten im Land, in denen das traditionelle Webereihandwerk noch gepflegt wird.
Dabei hat mich einer meiner ersten Wege nach Marghillon ins Ferghanatal geführt. Hier gibt es die noch bestehende Seidenfabrik „ Yodgorlik“, die wahrlich schon bessere Zeiten als heute gesehen haben muss. Also machte ich mich auf den Weg nach…
…Ferghana – dieses Wort hatte sich vor meiner ersten Reise ins Ferghana- Tal im Kopf zu einem sagenumwobenen Ort zusammengeballt. Den Berichten von Bekannten über diese Region lauschend, wollte ich meine Neugier nun endlich stillen und selbst auf Erkundung gehen- nicht nur um Ferghana Willen, sonder auch, um nach lebendigem Handwerk in Usbekistan, vor allem im Bereich der Weberei zu suchen… Read more
Damit kein Blut mehr fließt
June 24, 2008 | 4 Comments
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Ein Beitrag von Lutz Rzehak
Wie der Pakistan Oberserver und andere Medien berichten, sollen in dem Dorf Lanjoo Saghari, das an der Grenze der pakistanischen Provinzen Sindh und Balochistan gelegen ist, Ende Mai dieses Jahres fünfzehn minderjährige Mädchen aus dem Stamm der Chakrani in den Stamm der Qalandari verheiratet worden sein, um eine acht Jahre alte Stammesfehde zu beenden. Die Fehde war ursprünglich entbrannt, weil ein Hund der Qalandari einen Esel gebissen hatte, der den Chakrani gehörte. Im Verlauf der Fehde waren seitdem elf Personen der Qalandari und zwei Personen der Chakrani zu Tode gekommen, darunter eine Frau. Die Übergabe der Mädchen war von führenden Vertretern beider Stämme auf einer gemeinsamen Beratung beschlossen worden. Read more
Was bleibt ist die Erinnerung… zum Tod von Tschingis Aitmatow
June 14, 2008 | 2 Comments
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Ein Nachruf von Thomas Loy und Olim devona.
Nach dem Stalinismus der 1930er bis 1950er Jahre war das Verhältnis zwischen dem sowjetischen Staat und seinen Bürgern geklärt. Beide Seiten wussten relativ genau, woran sie waren. Die verängstigten Massen bezeugten dem herrschenden Apparat ihre Loyalität und Solidarität, dafür verzichtete dieser auf die willkürlichen und blindwütigen Zwangsmaßnahmen, die das Leben in der Sowjetunion seit den 1930er Jahren bestimmten. Diese rituelle Zustimmung blieb jedoch über die Jahre hinweg rein deklarativ und verpflichtete niemanden dem Staat auch tatsächlich zu dienen. Den Sowjetbürgern ermöglichte diese Strategie der Anpassung das Überleben. Es kehrte Ruhe ein in der Sowjetunion. Dazu trug auch ein anderes Ereignis bei. Der siegreichen Kampf gegen den Faschismus im zweiten Weltkrieg wurde für die Sowjetunion zur ersten alle Sowjetrepubliken integrierenden Kollektiverfahrung. Die damit einhergehende Erinnerungsarbeit ermöglichte es der sowjetischen Führung, vom selbstzerstörerischen Terror der 1930er Jahre abzulenken. Der durchstandene Krieg inszeniert als vereinendes Erlebnis, das alle negativen Erinnerungen überlagern sollte. Die Zeit davor wurde ausgeblendet und dann, nach Stalins Tod, schlicht als Fehlentwicklung abgetan. Was folgte war Stagnation. Read more
“Mehr kann ich dazu nicht sagen…”
April 28, 2008 | 2 Comments
Kerstin Grothmann über Olympia und eine kleine Tibetisch sprachige Volksgruppe im Norden Indiens.
Tibet ist in diesen Tagen mehr als je zuvor in den Nachrichten. Der Aufstand Tausender Tibeter in Tibet, das brutale Eingreifen der Chinesischen Regierung und Protestaktionen des International Tibet Support Network fordern Regierungen und NGOs heraus, Statements zu den Menschenrechtsverletzungen in Tibet abzugeben. Es ist nicht so, als würden Tibeter zum ersten Mal ihrem Kampf um Unabhängigkeit, bzw. echter Autonomie, wie vom Dalai Lama gewünscht, Ausdruck verleihen. Read more











