Damit kein Blut mehr fließt

June 24, 2008 | 2 Comments

Ein Beitrag von Lutz Rzehak

Justicia vom Römerberg, Frankfurt Fotograf: -fumtu Some right reserved

Wie der Pakistan Oberserver und andere Medien berichten, sollen in dem Dorf Lanjoo Saghari, das an der Grenze der pakistanischen Provinzen Sindh und Balochistan gelegen ist, Ende Mai dieses Jahres fünfzehn minderjährige Mädchen aus dem Stamm der Chakrani in den Stamm der Qalandari verheiratet worden sein, um eine acht Jahre alte Stammesfehde zu beenden. Die Fehde war ursprünglich entbrannt, weil ein Hund der Qalandari einen Esel gebissen hatte, der den Chakrani gehörte. Im Verlauf der Fehde waren seitdem elf Personen der Qalandari und zwei Personen der Chakrani zu Tode gekommen, darunter eine Frau. Die Übergabe der Mädchen war von führenden Vertretern beider Stämme auf einer gemeinsamen Beratung beschlossen worden. Read more

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Was bleibt ist die Erinnerung… zum Tod von Tschingis Aitmatow

June 14, 2008 | 2 Comments

Tschingis Ajtmatow fotografiert am 9. November 2003 bei einer Lesung in Marburg (Lahn) Fotograf: Andreas Zak (Tanuki)
Tschingis Ajtmatow fotografiert am 9. November 2003 bei einer Lesung in Marburg (Lahn) Fotograf: Andreas Zak (Tanuki)

Ein Nachruf von Thomas Loy und Olim devona.

Nach dem Stalinismus der 1930er bis 1950er Jahre war das Verhältnis zwischen dem sowjetischen Staat und seinen Bürgern geklärt. Beide Seiten wussten relativ genau, woran sie waren. Die verängstigten Massen bezeugten dem herrschenden Apparat ihre Loyalität und Solidarität, dafür verzichtete dieser auf die willkürlichen und blindwütigen Zwangsmaßnahmen, die das Leben in der Sowjetunion seit den 1930er Jahren bestimmten. Diese rituelle Zustimmung blieb jedoch über die Jahre hinweg rein deklarativ und verpflichtete niemanden dem Staat auch tatsächlich zu dienen. Den Sowjetbürgern ermöglichte diese Strategie der Anpassung das Überleben. Es kehrte Ruhe ein in der Sowjetunion. Dazu trug auch ein anderes Ereignis bei. Der siegreichen Kampf gegen den Faschismus im zweiten Weltkrieg wurde für die Sowjetunion zur ersten alle Sowjetrepubliken integrierenden Kollektiverfahrung. Die damit einhergehende Erinnerungsarbeit ermöglichte es der sowjetischen Führung, vom selbstzerstörerischen Terror der 1930er Jahre abzulenken. Der durchstandene Krieg inszeniert als vereinendes Erlebnis, das alle negativen Erinnerungen überlagern sollte. Die Zeit davor wurde ausgeblendet und dann, nach Stalins Tod, schlicht als Fehlentwicklung abgetan. Was folgte war Stagnation. Read more

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“Mehr kann ich dazu nicht sagen…”

April 28, 2008 | 1 Comment

Kerstin Grothmann über Olympia und eine kleine Tibetisch sprachige Volksgruppe im Norden Indiens.

Tibet ist in diesen Tagen mehr als je zuvor in den Nachrichten. Der Aufstand Tausender Tibeter in Tibet, das brutale Eingreifen der Chinesischen Regierung und Protestaktionen des International Tibet Support Network fordern Regierungen und NGOs heraus, Statements zu den Menschenrechtsverletzungen in Tibet abzugeben. Es ist nicht so, als würden Tibeter zum ersten Mal ihrem Kampf um Unabhängigkeit, bzw. echter Autonomie, wie vom Dalai Lama gewünscht, Ausdruck verleihen. Read more

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“Hell aus dem dunklen Vergangenen …”

February 16, 2008 | 1 Comment

(Über die politische Relevanz des Lichts und seine Umbewertung. Ein Beitrag von Olim devona)

Als Zaratushtra vor 4000 Jahren vom Berg herabstieg und seinen Anhängern etwas von der Wahrheit, dem Licht und der Finsternis berichtete, war der Keim des Dualismus in den monotheistischen Religionen gelegt. Wir wissen nicht, ob dualistisches Denken, die Aufteilung der Welt in Gut und Böse, in ein Reich des Lichtes und der Finsternis, in zwei zu sich gegensätzliche Paare auch schon bei den Höhlenmalern von Lascaux zum spirituellen Repertoire gehörten. Wir wissen auch nicht ob yin und yang, als chinesisch philosophisches Prinzip dualistische Impulse erhielt, als es um 1000 v.u.Z. in China aufkeimte, wir wissen aber das die Aufteilung der Welt in Gut und Böse, die Metapher vom Dunkel und der Erleuchtung verdammt erfolgreich war. Read more

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Die Zigeuner Mittelasiens

January 26, 2008 | 1 Comment

(Ein Beitrag von Olim devona)

fotima.jpgDas ist Fotima. Fotima ist ein Wellensittichweibchen mit aussergwöhnlichen Fähigkeiten. Sie sagt uns die Zukunft vorraus. Und das was sie mir vorrausgesagt hatte, oder besser, was sie aus dem Haufen Papier, auf dem sie immer sitzt, fuer mich heraussuchte traf 100% ins Schwarze: “Deine Wünsche gehen alle in Erfüllung. Aber nicht so, wie du es dir denkst. Du verschwendest viel zu viel Zeit darauf, was du gerade tust.” Genau das tat ich damals in Xodjand. Ich stand vor den Pforten eines Museumsarchives und wartete, auf das es sich irgenwann öffne.

Fotima gehört Maxluba. Maxluba wiederum gehört zu einer etwa 1000 Personen umfassenden Gruppe, die seit Menschengedenken in der Gegend um Xodjand leben, und die hier im Norden Tadschikistans und auch in anderen Regionen Mittelasiens luli genannt werden. Luli ist eigentlich ein Schimpfwort, geht doch mit dieser Bezeichnung die Sage einher, das Geschwisterpaar Lu und Li hätten sich einst in Liebe entbrannt einander hingegeben. Gott lies sie daraufhin fallen und wies sie von sich. Die Nachkommen aus dieser Vereinigung nun seien die heutigen luli. Dieser Schimpfmythos jedoch bringt den Zorn der Zigeuner Mittelasiens zum Kochen. Die meisten nennen sich daher lieber Zigeuner (cigan) als luli. Denn als irgendwann im 19. Jahrhundert die kolonialen Landvermesser und Ethnographen kamen und Maxlubas Urgrosseltern als cigan – Zigeuner bezeichneten, war dieser Begriff noch nicht negativ belastet. So übernahmen mittelasiatische ambulanten Händler, Krämer oder Abdecker diesen Namen und sagen von sich seitdem mit Stolz, sie seien Zigeuner. Read more

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Der Zug in den Westen …

January 19, 2008 | 1 Comment

(Ein Beitrag von Olim devona)

China und der chinesische Westen verbindet seit Jahrhunderten eine gemeinsame Geschichte. Mit der Okkupation Tibets 1951 wurde die heutige Autonome Region Tibet politisch in das heutige China integriert. Seit dem Deng Xiaoping in der Mitte der 80er Jahre mit der Liberalisierung der chinesischen Planwirtschaft begann, wandelt der Transformationsprozess in der gesamter Volksrepublik China soziale Ordnungen, Infrastrukturen und wirtschaftliche Beziehungen. Wie schon aus zahlreichen Beispielen aus den 1960er Jahren bekannt, versucht die chinesische Regierung den sozialen und wirtschaftlichen Wandel des Landes in “großen Sprüngen” zu beschleunigen und es auf das Niveau der westlichen Mächte zu bringen. Read more

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Das Krankenhaus am Rande der Stadt - Psychiatrie in Usbekistan

January 12, 2008 | 1 Comment

(Interview mit einem leitenden Arzt der Abteilung Psychiatrie, Usbekistan. Personen und Umstände sind der Redaktion bekannt und können auf Wunsch nachgefragt werden. )

Das hier vorliegende Interview soll einen Einblick in den Alltag psychiatrischer Kliniken in Usbekistan vermitteln. Das Interview selbst wäre nicht möglich gewesen, wenn diese Absicht direkt offenbart worden wäre. Aus diesem Grunde wurde eine Legende entworfen, die mit Hilfe eines Journalisten glaubhaft gemacht wurde. Diese Legende bestand darin, dass dieses Interview im Auftrag der Zeitschrift „ Shifo-Info (shifo (usbekisch) Heilung, Erholung, medizinische Hilfe; shifokor = Arzt, Doktor, Heiler) durchgeführt wird und die Interviewpartnerin eine Redakteurin dieser Zeitschrift sei. Man stellte eine Veröffentlichung in Aussicht, die im Zusammenhang mit der Beantragung von Unterstützungsgeldern für Kliniken stehe. Trotz dieser erdachten Legende war es sehr schwierig, eine Genehmigung für das Interview zu erhalten und ohne die Unterstützung und Referenz verschiedener Personen und ihrer Überzeugungskraft, wäre das Interview nicht zustande gekommen. Read more

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Was heißt hier Wandern?

December 16, 2007 | 2 Comments

(Ein Beitrag von Andreas Mandler)

In der jüngst erschienenen monumentalen OSTEUROPA-Ausgabe zu Zentralasien stellen die Herausgeber fest: „Das heutige Zentralasien ist weitgehend terra incognita“. Das trifft für Wanderfreunde/innen nicht ganz zu, denn so groß und breit und hoch die Länder Zentralasiens sind, so gibt es doch eine Vielzahl detaillierter Reisebeschreibungen, d.h. von Reisen zu Fuß.

Anders als in rasch wechselnden Bereichen wie Politik, Energie oder Soziales, bleiben die Wege und Ziele beim Wandern weitgehend gleich. Nur sind sie nicht immer einfach aufzufinden. Aufgrund der gemeinsamen Jahre im Sozialismus, gibt es auf Deutsch relativ viel Literatur zum Wandern und Bergsteigen in Zentralasien. Einen großen Anteil an der Existenz dieser Reisebücher haben der Berliner Sportverlag und der Verlag F.A. Brockhaus Leipzig. Zwischen 1960 und 1980 erschienen in diesen Verlagen verschiedene Übersetzungen aus dem Russischen von Alpinisten oder wandernden Wissenschaftlern. Read more

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Wie die Kultur nach Zentralasien kam…

November 4, 2007 | 1 Comment

(Beitrag von Olim devona)

Sotib aka sollte uns bei unserem Aufenthalt in Khodjand eine seiner Wohnungen zur Verfügung stellen. So war es abgemacht. Doch es stellte sich heraus, dass alle Wohnungen, die er verwaltete, belegt waren. So rief er seinen Freund Ravshan an und forderte eine seiner Wohnungen an. Ravshan kam auch gleich mit dem für Leute seiner Klasse obligatorischen deutschen Mercedes Benz angebraust. Als er unser gewahr wurde, sahen wir Zweifel in seinem Gesicht. “2 junge Menschen mit langen Haaren und vier Kindern in meine gerade neu renovierte Wohnung?” stand da in etwa geschrieben. Wir gingen in den zweiten Stock. Ravshan öffnete die Wohnungstür und fragte noch einmal ängstlich nach, ob sich Sotib aka auch wirklich für den Zustand der Wohnung verbürgen könne? “Na, klar!”, schallte Sotibs Antwort, “die Deutschen sind doch ein kulturvolles Volk!”. Read more

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Eine Schule im Jaghnobtal

October 28, 2007 | 3 Comments

(Beitrag von Thomas Loy)

Mahmad Murod Safarov trinkt seinen Tee aus. Er spricht ein kurzes Gebet und streicht mit seinen Händen übers Gesicht und erhebt sich. Die übrigen Männer falten das Tuch, auf dem soeben noch Brot und Tee serviert wurden, zusammen und folgen dem achtundsechzigjährigen Sprengmeister zu jenem Felsen, der die Arbeiten an der Straße ins Jaghnob-Tal behindert. Seit über zehn Jahren bauen sie daran. Acht Männer und ein Bulldozer, der aus Zeiten stammt, als das unabhängige Tadschikistan noch nicht im Bruderkrieg um Macht und Geld versunken war. 24 Kilometer sind geschafft. Bis zum ersten Dorf, Tagi-Tschanor, sind es noch vier. Read more

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